Haldensleben l Einst war es schillerndes Kaufhaus mitten in der Innenstadt, heute ist das Gebäude für viele nur noch ein Schandfleck. Der markante Bau mit seiner Glasfassade dominiert das Bild am Marktplatz, weil er sich optisch deutlich von den umliegenden Gebäuden abhebt und so gar nicht mehr in den Reigen der sanierten Wohn- und Geschäftshäuser ringsherum einfügt. Die Konsum-Gesellschaft, Eigentümerin des geschichtsträchtigen Hauses, hat sich nun für den Abriss entschieden, um an gleicher Stelle etwas Neues entstehen zu lassen.

Nach und nach verlor das ehemalige Rolandkaufhaus im Laufe der Jahre an Leben. Erst Ende 2019 zog der Supermarkt aus dem Erdgeschoss aus, zum Ende 2020 will auch das Hotel Roland nach Volksstimme-Informationen schließen. Inzwischen hat das Gebäude die besten Zeiten längst hinter sich. Die Konsum eG beschäftigt sich seit einigen Jahren mit der Zukunft des Gebäudes.

Bereits im Januar 2020 gab Martina Lüdtke von der Konsum eG bekannt, dass ein Architekturwettbewerb für das Gelände ausgerufen wird (Volksstimme berichtete). Dabei sollte ein Konzept entstehen, welches sich „zeitgemäß und modern in die umliegende Bebauung einfügt“. Der Wettbewerb sollte im dritten Quartal 2020 vollzogen sein, doch die Corona-Pandemie warf den Wettbewerb einige Wochen zurück. Laut Martina Lüdtke sollen die Ergebnisse des Wettbewerbs im Oktober der Öffentlichkeit präsentiert werden.

„Wir wissen noch nicht genau, wie die Entwürfe aussehen werden. Aber wir können versichern, dass wir hier etwas Schönes für die Bevölkerung entstehen lassen“, versichert sie. Die Pläne sollen öffentlich ausgelegt werden. „Wir wissen, dass die Haldensleber viele Jahre gewartet haben, aber nun sind es nur noch ein paar Tage“, so Lüdtke.

Stadt ist in die Planungen involviert

Nun wird das Gebäude 2021 abgerissen. „Insgesamt wird das 946.000 Euro kosten“, berichtet Holger Waldmann, Bauamtsleiter der Stadt. Hoffnung ist, dass 50 Prozent davon aus Fördermitteln getragen werden. Den Rest übernimmt die Konsum eG selbst.

Theoretisch hat die Stadtverwaltung mit dem Gebäude nichts zu tun, trotzdem ist sie involviert, seit sich die Ideen zur Zukunft des Gebäudes verfestigt haben. „Wir haben ein erhebliches Interesse an diesem Standort, der so viel Potenzial hat“, so Waldmann. Gemeinsam mit der Hagenstraße und der Hagenpassage bildet das ehemalige Rolandkaufhaus das Zentrum des Einzelhandels. „Wenn wir diesen Standort nicht wieder beleben können, ist das für das Zentrum schlecht“, prognostiziert der Bauamtsleiter. Dass der Supermarkt geschlossen habe, sei auf dem Markt „fühlbar“.

Über 40 Jahre prägte das Gebäude das Treiben auf dem Haldensleber Markt mit. Das Mehrzweckgebäude wurde von 1975 bis 1979 nach Entwurf von Walter Seidl von der Kreisentwurfsgruppe Haldensleben errichtet. Es ist das einzige Objekt eines Warenhauses mit Funktionsüberlagerung von Hotel und Gaststätte, das jemals in einer DDR-Kleinstadt gebaut wurde.

Die zu DDR-Zeiten beliebte Gaststätte „Roland“ mit ihrem damals durchaus gehobenen Niveau schloss bereits kurz nach der Wende in den 1990er Jahren. Ihre Fläche wurde dem Kaufhaus zugeschlagen, für das am 1. April 2001 das Aus kam. Danach zog der NP-Markt auf der unteren der drei Verkaufsetagen ein.

Mehrmals schon stand die Zukunft des Hauses in der Diskussion. Im Jahr 2005, vier Jahre nach der Schließung des Warenhauses, hatten acht ehemalige Architektur-Studenten der Fachhochschule Magdeburg-Stendal im Auftrag der Stadt 16 Modelle für eine Neugestaltung des Komplexes entworfen. Zwei Jahre später wurden Studenten für Denkmalpflege und Baugeschichte der Bauhaus-Univerisät Weimar die Neugestaltung als Thema für eine Diplomarbeit angeboten. Umgesetzt wurde davon allerdings nichts. Zuletzt kursierten 2015 Gerüchte, dass die Konsum-Gesellschaft selbst eine Abrissgenehmigung beantragt habe.