Haldensleben l Die Haldensleber kennen und lieben ihn – ihren Wasserturm. Öfter schon gingen bei der Volksstimme Anrufe und Leserbriefe mit der immer gleichen Frage ein: Wieso verfällt der Turm, der auf dem Trendelberg an der Straße in Richtung Satuelle liegt, zusehends? Der Eigentümer, der anonym bleiben möchte, antwortet: „Ich habe schon viermal versucht, eine Förderung für die Sanierung des Wasserturms zu erhalten. Auf die Anträge habe ich aber noch nicht einmal eine Antwort bekommen“, berichtet er. Nun stehen die Zeichen für eine Förderung über das Leader-Programm des Landes aber günstig. Deshalb ist der obere Teil des Wasserturms seit gut zwei Wochen eingerüstet.

Der Besitzer widmet sich zunächst dem Teil des Wahrzeichens, der eine Erneuerung am dringendsten nötig hat: dem Dach. Seit vergangenen Montag sind Bauarbeiter dabei, das Dach zunächst zu sichern. Sie haben bereits die gesamte alte Schalung heruntergenommen. Dabei stellte sich heraus, dass zwar viele Holzlatten an der Dachspitze morsch waren, die tragenden Dachbalken aber noch in vergleichsweise gutem Zustand sind. Nun soll eine neue Schalung her. Außerdem soll der Wasserturm eine neue Brüstung für den Aussichtsbereich – die sogenannte Galerie – erhalten. Die alte ist nicht mehr vorhanden. Als sehr marode empfinden Spaziergänger den Turm auch, weil im oberen Bereich viele Ziegelsteine fehlen.

„An der Wetterseite hat sicherlich auch der Regenschlag durch starke Winde und der Frost-Tau-Wechsel die Fassade angegriffen“, erläutert der Turm-Eigentümer. „Aber den meisten Schaden haben tatsächlich Menschen verursacht“, sagt er. Denn der Turm sei über die Jahre stets ein beliebtes Ziel von Jugendlichen, aber auch einigen Erwachsenen gewesen, die dort widerrechtlich eindrangen. Denn als Privatbesitzer muss der Eigentümer dafür sorgen, dass in und an dem Turm niemand zu Schaden kommen kann. Deshalb hat er schon die verschiedensten Türen dort eingebaut. Die ovalen Fenster wurden mit etlichen Vorrichtungen verbarrikadiert. „Das hat aber alles nichts genutzt. Immer wieder wurde der Turm aufgebrochen, ich habe selbst schon oft Jugendliche dabei erwischt, wie sie darin herumgeklettert sind“, erinnert sich der Eigentümer. Eine Zeit lang war der Haldensleber Wasserturm im Internet sogar als Ziel für das sogenannte Geocaching, eine Art GPS-Schnitzeljagd, ausgewiesen – Besucher kamen aus ganz Deutschland um den Turm zu erklimmen, der eigentlich gar nicht erklommen werden darf. Und viele Eindringlinge fanden es witzig, im Inneren Schmierereien zu hinterlassen, oder eben Ziegelsteine herauszubrechen und umher zu werfen.

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Im Jahr 2000 gekauft

Der Turm hat über die Jahre schon einiges mitmachen müssen. Der heutige Besitzer kaufte ihn im Jahr 2000. Damals stieß die zuständige Wasserwirtschaft mit Sitz in Magdeburg viele Wassertürme ab – der Haldensleber gehörte dazu. Hätte sich kein Käufer gefunden, wäre er abgerissen worden. Zu der Zeit stand der Turm nicht unter Denkmalschutz. Der heutige Eigentümer kaufte ihn und ließ ihn auf die Liste der Kulturdenkmäler setzen.

Zunächst wollte er den Turm vor dem Abriss retten. Weil der Besitzer selbst aus dem Baugewerbe kommt, ist ihm nicht unbedingt wichtig, den Turm einer unbedingten Nutzung zuzuführen, sondern ihn als Landschaftsdenkmal in seiner Ästhetik zu erhalten. So sieht es auch das Landesamt für Denkmalpflege, das in seiner Begründung für die Aufnahme des Turms in die Denkmalliste die Ausweisung als landschaftsprägendes Architekturdenkmal nennt. Trotzdem gab es seit dem Jahr 2000 bereits mehrere Anläufe, den Turm wieder zu nutzen. So wollte beispielsweise der Verein Khepera um das Jahr 2006 aus dem Wasserturm und dem umliegenden Gebiet eine Art Abenteuerspielplatz mit Kletterwald machen. Die Idee scheiterte unter anderem an Grundstückszukäufen, die dafür nötig gewesen wären.

Erst kürzlich, so verrät der Eigentümer, waren Schweizer Investoren ernsthaft an dem Haldensleber Wasserturm und dem Areal drumherum interessiert. Sie wollten einen Golfplatz errichten, in den der Turm als Vereinsheim oder Gastronomie-Gebäude eingebunden werden sollte. Momentan, so sagt der Eigentümer, stehe es um dieses Vorhaben aber nicht gut.

Förderung beantragt

Und so wird der Turm nun vorerst in kleinen Schritten saniert, ohne eine konkrete Idee für eine künftige Nutzung. Für die Herrichtung des Daches hat der Eigentümer eine Förderung von 75 000 Euro beantragt. Die Arbeiten sollen voraussichtlich bis Ende des Jahres dauern und beinhalten nicht nur das Anbringen einer neuen Brüstung, sondern auch den Abbau eines alten Außengerüstes, das schon seit DDR-Zeiten die Turmspitze ziert, aber im Ursprung nie zum Turm gehörte. Später soll das Dach eine Zinkblechabdeckung erhalten, die dem Original nachempfunden ist.

Auf die Idee eines Volksstimme-Lesers, der die Gründung eines Fördervereins für die Nutzung des Wasserturms vorschlug, reagiert der Besitzer verhalten. Er wäre zwar glücklich über eine solide, langfristige Nutzung des Wahrzeichens, würde diese aber nicht unbedingt einem Verein mit vielen Mitgliedern überlassen wollen, die jeweils verschiedene Vorstellungen hätten. Wenn es irgendwann eine konkrete Idee für den Turm gäbe, würde auch der Rest saniert werden, so der Eigentümer. Dann müssten die Außenfassade, die Innenwände, die Fenster, die Stahlkonstruktionen im Innenbereich und mehr erneuert werden.

Der originale Hochbehälter, der rund 300 Kubikmeter Wasser fasst, ist übrigens noch immer gut erhalten und fest im Turm installiert.