Flechtingen/Klüden l „Wunderbar! Die hellen Stellen dort oben sind gut zu erkennen. Und hier unten haben sich neue Kiefern ausgesät!“, sagt Sylke Mattersberger mit einem Lächeln. Die Mitarbeiterin von der Betriebsleitung des Landeszentrums Wald Sachsen-Anhalt, die dort das Sachgebiet Waldschutz leitet, freut sich. Denn ein rund 93 Hektar großes Waldstück bei Klüden sieht wieder so aus, wie es aussehen soll. Das war im vergangenen Jahr noch ganz anders. Denn der Kiefernwald war von einem Forstschädling befallen.

Kahl und abgefressen sahen die Bäume in dem mehr als 600 mal 1500 Meter großen Gebiet aus, schuld war die Kiefernbuschhornblattwespe. Deren Larven fraßen, was das Zeug hielt. Bis zu 1600 von ihnen wurden damals an nur einem Baum gefunden – ein besorgniserregender Rekord, dem die Förster unbedingt Taten folgen lassen mussten.

Befall durch Kiefernbuschhornblattwespe

Im Eiltempo wurden damals alle nötigen Genehmigungen eingeholt, die zuständige Forstliche Versuchsanstalt in Göttingen, der Landkreis Börde und auch Verbraucherschutzämter arbeiteten mit dem Landeszentrum Wald und dem Betreuungsforstamt Flechtingen Hand in Hand.

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Umgehend konnte dadurch ein Insektizid aufgebracht werden, es wurde per Hubschrauber auf die Kronen der Bäume gesprüht (Volksstimme berichtete). „Wir hätten keine zwei Tage mehr warten dürfen, dann wären die Bäume tot gewesen“, sagte damals Thomas Roßbach, Leiter des Betreuungsforstamtes Flechtingen.

„Das war auf den Punkt die richtige Maßnahme“, sagt Sylke Mattersberger heute. Als Fachfrau hat sie auch schon erlebt, dass große Waldgebiete nicht mehr zu retten waren und am Ende zum Schutze umstehender Bäume abgeholzt werden mussten. Umso erfreulicher sei es deshalb, dass das Waldgebiet bei Klüden gerettet werden konnte. Der Kiefernbestand hat sich wieder gut erholt.

Hubschreiber verteilte Insektizid

Das Resultat der geglückten Rettungsaktion schaute sich Sylke Mattersberger gemeinsam mit Thomas Roßbach sowie der ersten Waldkönigin Sachsen-Anhalts, Maria Dolge, und dem für Klüden zuständigen Revierförster, Holger Träbert, an.

Er zeigte den Gästen in dem von ihm betreuten Waldgebiet nicht nur die vielen neuen Triebe an den erholten Bäumen, sondern auch viele noch winzige neue Kiefern, die sich auf dem Waldboden ausgesät haben. „Das ist schon toll, denn eigentlich ist hier aufgrund des Bodens ein denkbar schlechter Standort für die Bäume“, so Holger Träbert.

Sturm hinterlässt schwere Schäden

Bei aller Freude über die geglückte Rettung der Kiefern vor dem Schädling, schauten sich die Forstfachleute aber auch Sturmopfer an. Sturm „Paul“ knickte am 22. Juni etliche Kiefern aus dem Bestand bei Klüden wie Streichhölzer um, einige Bäume wurden auch entwurzelt. „In der ganzen Region hat das Sturmtief besonders extrem zugeschlagen“, erklärt Thomas Roßbach.

Viele Waldstücke seien davon betroffen gewesen. Auf einer Landstraße bei Klüden wurden viele massive Eichen einfach entwurzelt, die Kiefern in dem erholten Waldgebiet hielten an der Seite, aus der der Sturm kam, nicht stand. Beschädigte Bäume müssen von den Waldbesitzern herausgeholt werden. Noch immer gelte für Spaziergänger in Waldgebieten eine erhöhte Gefahr, wie Thomas Roßbach erläutert.

Denn um die Sturmschäden im Wald zu beseitigen, werde schweres Gerät benötigt, Spezialfirmen müssten nach und nach die Wälder beräumen. Das dauere verständlicherweise wesentlich länger, als die Beseitigung von Sturmschäden in Stadtgebieten, die ebenfalls vielerorts noch immer andauert. Erhöhte Vorsicht ist deshalb beim Betreten von sämtlichen Waldgebieten geboten, denn noch immer können sich angebrochene Äste von Bäumen lösen und herabstürzen.