Landwirtschaft

Schäfer Christian Kruse betreibt Naturschutz am Wartberg in Niederndodeleben

Für sein neuestes Video hat das Video-Team des Bauernverbandes „Börde“ im hügeligen Gelände nahe des Wartbergs zwischen Niederndodeleben und Irxleben haltgemacht.

Von Constanze Arendt-Nowak
Behütet von den Herdenschutzhunden lässt Christian Kruse seine Schafe am Wartberg weiden.
Behütet von den Herdenschutzhunden lässt Christian Kruse seine Schafe am Wartberg weiden. Foto: Barbara Ilse

Niederndodeleben - Ein lautes Blöken in verschiedenen Tonlagen ist zu hören – von Muttertieren und Lämmern. „Die jüngsten Lämmer sind gerade sechs Wochen alt und fangen eben an, Gras zu fressen“, erklärt Christian Kruse, Schäfer aus Uthmöden, der hier seine Herde weiden lässt.

Auftraggeber von Kruse ist die Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt. „Die Fachleute der Stiftung begleiten die Maßnahmen und werten die Ergebnisse aus“, heißt es in einer Presseerklärung des Bauernverbandes „Börde“.

Schäfer Kruse nimmt eines der größeren Lämmer auf den Arm und steht stolz und filzbehütet zwischen seinen Schafen, an den Füßen jagen die selbstgezogenen Herdenschutzhunde umher. Das sieht idyllisch aus, aber es ist anstrengende Arbeit. Denn täglich werden die weißen Suffolk-Schafe mit schwarzem Kopf und schwarzen Beinen umgekoppelt. Während der kräftezehrenden Laktation, der Milchabgabe, sollen sie immer frisches Futter haben. Täglich werden, wie Schäfer Kruse sagt, 1,5 Hektar verbuschtes Grasland dazugekoppelt. Insgesamt sollen 54 Hektar beweidet werden.

Hunde jeden Tag füttern

Auch die Herdenschutzhunde müssen jeden Tag gefüttert werden. Sie sind bei den Schafen im Stall geboren und beschützen sie innerhalb des Elektrozauns vor jeglichen Angreifern mit ihrem eigenen Leben. Spaziergänger sollten Abstand halten, weist der Schäfer hin.

Durch die Dornenbüsche gibt es bei den Schafen oft Klauenentzündungen, die behandelt werden müssen. Mögliche Euterentzündungen stehen ebenfalls auf der täglichen Kontrollliste des Schäfers, der die Uthmödener Schafzucht mit seinen Eltern betreibt. Insgesamt gehören 1100 Mutterschafe zum Betrieb.

Noch aufwendiger als die in diesem Jahr am Wartberg begonnene Naturschutzpflege sei die Deichpflege bei Havelberg, erklärt Christian Kruse. Dort sind 600 Schafe unter seines Vaters Aufsicht im Mäheinsatz. Die restlichen Tiere sind in Uthmöden auf den Weiden. Im Winter unterstützen Kruses Herden Landwirte bei der Grünlandpflege oder beim Abweiden von Winterzwischenfrüchten. Nur etwa acht Wochen zur Lammzeit sind die Tiere im heimischen Stall.

Hier am Wartberg fressen 200 Mutterschafe und 378 Lämmer das hohe Gras, machen Büsche nieder und auch vor ungeschützten Bäumen nicht halt. Frisches kleines Grün auf einer bereits abgeweideten Fläche zeigt, dass andere Pflanzen und damit auch Insekten neue Ansiedelungschancen bekommen. Am Ende soll hier zum Beispiel wieder das Wollgras wachsen, welches eigentlich heimisch war.

Zehn Scahfböcke im Urlaub

Ein Stückchen weiter, sind zehn Schafböcke an einer Sandkuhle im Urlaub. Sie haben ganze Arbeit geleistet: Meistens ein Lamm pro Mutterschaf, oft Zwillinge oder Drillinge und auch mal Vierlinge sind das Ergebnis ihres anstrengenden Jobs vom Vorjahr.

Nun sind sie mit einem in Ungnade gefallenen Herdenschutzhund bis Oktober in der Sommerfrische. Die bis zu 200 Kilogramm schweren Böcke bringen dem lammjagenden Schwerenöter Manieren bei. Sie sind die Chefs in dieser Arena. Im Herbst müssen die beeindruckenden Böcke in zwei Etappen jeweils etwa 100 Schafe decken. Vom 1. März bis 1. Juni ist Lammzeit und der Kreislauf beginnt von vorn.

Auf dieser Weide sorgen die Schafböcke beim Büscheknabbern unter anderem für die Zukunft einer Bienenfresserkolonie. Die seltenen bunten Vögel bekommen durch den Verbiss die für sie so wichtigen freien Anflüge zu ihren Bruthöhlen.