Rottmersleben/Haldensleben l Der inzwischen 67-Jährige ist aus der Schiedsrichtergilde des Landkreises Börde kaum wegzudenken. Seine langjährige Erfahrung ist einer der Gründe dafür. Andererseits sind junge Sportler, die das Amt des Schiedsrichters übernehmen wollen, eher rar gesät. „Wirklich verübeln kann ich das niemandem“, sagt Detlef Fricke im Gespräch mit der Volksstimme. „Der Ton unter Sportlern ist meist direkt und klar – das ist ohnehin nicht Jedermanns Sache. Über die Jahre ist es auf den Fußballfeldern jedoch erheblich rauer geworden.“ Respekt und gegenseitige Achtung haben stark nachgelassen. Außerdem seien die Umstände nicht optimal. „Der Altersdurchschnitt der Schiris ist mittlerweile recht hoch, das gibt natürlich zu denken“, sagt der Rentner. „Wir freuen uns aber über jeden jungen Kollegen, der die Herausforderung angehen will.

Zusammenarbeit mit Schulsozialarbeitern

Als Schiedsrichter des Kreisfachverbandes absolviert er derzeit sein 30. Jahr. Er ist zudem im ganzen Landkreis bei integrativen Veranstaltungen dabei. „Es gibt eine dreijährige Zusammenarbeit mit den Schulsozialarbeitern im Kreis, bei der Fußballturniere ausgetragen werden“, erzählt er. „Diese Aufgabe nehme ich gern wahr und es macht wirklich Spaß.“ Von Beginn an war er zudem bei der Präventivarbeit unter dem Motto „Jugend gegen Gewalt und Drogen“ dabei. „Gerade die soziale Komponente bei solchen Veranstaltungen interessiert mich“, sagt er. „Ich arbeite gern mit dem Nachwuchs und Menschen mit Behinderung zusammen. Die Dankbarkeit der Menschen ist dann mein höchster Lohn.“ Daher ist er auch seit 20 Jahren bei den Vorrundenturnieren der Landesmeisterschaften der Behindertenwerkstätten dabei.

Als Referee und Linienrichter ist Detlef Fricke im gesamten nördlichen Sachsen-Anhalt bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“.

„Inzwischen gibt es gute Kontakte zu den Vereinen und Verantwortlichen, das möchte ich nicht missen“, versichert er. Und so manches Mal staunen junge Sportler nicht schlecht, wenn der Fußballrenter wieselflink an ihnen vorbei über den Platz läuft. Das liegt dem einstigen aktiven Fußballer auch nach 60 Jahren noch im Blut. Für die ehrenamtliche Arbeit hat er schon zahlreiche silberne Auszeichnungen erhalten. So Ehrennadeln des DTSB, des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt und zwei Ehrengaben des Landrates.

Frickes Weg führte ihn in seiner aktiven Laufbahn als Fußballer von Lok Haldensleben zu Traktor Haldensleben. „Das war seinerzeit absolut notwendig“, gibt er lächelnd zu. „Ich habe meine Frau Elke kennen gelernt. Sie kam nun mal aus Althaldensleben – also musste man seinerzeit auch zwingend in Olln spielen.“ Seit 1972 sind die beiden verheiratet.

Auch Torwart und Übungsleiter

Detlef Fricke zog es weiter nach Hundisburg, wo er noch mit 42 Jahren als Torwart auflief außerdem fungierte er als Übungsleiter für etliche Teams des Vereins. Gemeinsam mit Ronald Picht übernahm er die Geschicke des Vereins. „Die damaligen Bedingungen kann sich heute niemand mehr vorstellen“, sagt er. „Der Platz lag damals im heutigen Landschaftspark Hundisburg. Wo einst der Mittelpunkt war, steht heute der Springbrunnen.“

An den Ränder drohten die Wurzeln der Bäume und quer über den Platz ging ein Trampelpfad. Als Umkleidekabine fungierte zunächst ein Haus ohne vernünftiges Dach und später der Weinkeller des Schlosses, der auch schon einmal regelrecht absoff. „Ging ein Ball am Tor in Richtung Schloss vorbei, musste er in der Ruine gesucht werden“, beschreibt Fricke. „So manches Mal rannten die Auswechselspieler bis zum Magdeburger Tor hinunter, um einen ins Aus geschlagenen Ball zu holen. Das war ein echtes Fitnessprogramm.“ Die Nutzung des Geländes als Sportplatz sei an sich eine große Sünde gewesen.

„Im Jahr 1998 haben wir die erste Saison im neu gebauten Stadion gespielt. Das waren völlig neue Voraussetzungen, die wir auch einem engagierten Manfred ,Fredi‘ Hoffmann zu verdanken hatten, der sich sehr engagiert hat“, weiß Fricke zu berichten. Schlosspark und Schloss konnten wieder zu dem werden, was sie heute als Besuchermagnet darstellen.

„Wir haben auch die Menschen mit Behinderung im Verein willkommen geheißen und sie waren fest integriert“, erzählt Fricke. Die Kicker marschierten in der Folgezeit bis in die höchste Kreisspielklasse durch. „Dirk Fischer war der beste Torschütze mit 49 Toren und das Team hat auch die Volksstimme-Torjägerkanone geholt“, erinnert sich der Senior. Wegen gesundheitlicher Probleme legte er dann alle Funktion im Verein nieder und konzentrierte sich auf den Schiri-Job. „Das hat mir auch geholfen, gesundheitlich wieder in die Gänge zu kommen“, sagt Fricke. Als Schiedsrichter war er für Neuenhofe und Süplingen aktiv. Jetzt ist er für die SG Bülstringen im Einsatz.

Dabei bringt der verheiratete Senior auch noch allerhand Lebenserfahrung mit. Er hat zwei Kinder, fünf Enkel sowie einen Urenkel. In der Freizeit geht er gern mit seinem Hund „Odin“ auf Wanderschaft. „Man muss immer in Bewegung bleiben“, sagt Detlef Fricke“, dann klappt es auch mit der Fitness wenn man älter wird.“

Den Schiri-Job will er so lange machen wie es geht. „Mir würde etwas fehlen“, bringt er schmunzelnd vor. Ob es vielleicht sogar noch 40 aktive Jahre werden, kann er nicht sagen. „Wenn der Körper mitmacht, warum nicht“, findet er.