Haldensleben l Über Silvesterbräuche wird derzeit viel gestritten, vor allem das Böllern ist in die Kritik geraten. Dabei gibt es alternative Brauchtraditionen. In Haldensleben sogar eine sehr lokale.

Der Neujahrssprung vom Breiten Stein auf dem Marktplatz ist heute allerdings nicht mehr allen bekannt. Insbesondere die älteren Haldensleber kennen den Brauch aber noch. Edith Plaga etwa. Die 94-Jährige erinnert sich noch gut an die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Damals, in den 1930er Jahren, seien die Familien gemeinsam zum Marktplatz gezogen, berichtet Plaga. „Aus allen Straßenzügen“ hätten sich die Haldensleber in jenen Jahren aufgemacht zum Breiten Stein vor dem Rathaus. „Um Punkt zwölf Uhr ging dann das Springen los, man sprang vom Stein ins neue Jahr“, erinnert sich Plaga. Nach dem Krieg sei es dann anders gewesen. Da sei niemand mehr zum Marktplatz gezogen, sagt Plaga. Sie selbst ist seitdem nie wieder zum neuen Jahr vom Breiten Stein gesprungen.

Gestorben war die Tradtion damit aber nicht. Die Haldensleberin Ingrid Rehmann berichtet, sie sei auch in den 1960er Jahren gesprungen. Das sei bei ihnen in der Familie lange Tradition gewesen. Wichtig sei gewesen, sich beim Sprung etwas für das neue Jahr zu wünschen, sagt sie. „Das musste man unbedingt.“ Sie habe sich damals stets Gesundheit gewünscht, erinnert sich die 79-Jährige.

Sandra Luthe, die Leiterin des Kreis- und Stadtarchivs, kennt den Brauch ebenfalls. Schon vor 100 Jahren habe es ihn gegeben, sagt sie. In den 1980er Jahren sei sie selbst gesprungen. „Das sollte Glück für das neue Jahr bringen“, berichtet sie.

„Wenn man nach dem Landen keine gebrochenen Knöchel hat, wird es ein gutes Jahr“, berichtet der Haldensleber Guido Schumann augenzwinkernd. Er kennt den Neujahrssprung vom Breiten Stein von seinen Eltern. Dass der Brauch heute vielen unbekannt ist, findet er nicht schlimm: „Die heutige Generation hat eben andere Bräuche.“

Alternative Bräuche zum Feuerwerk

Auch Frank Schünemann kennt den Brauch des Neujahrssprungs. Er betreibt ganz in der Nähe des Marktplatzes das Lokal „Blechtrommel“. Vor dem Rathaus ins neue Jahr zu springen, kommt für ihn wegen des Feuerwerks nicht infrage: „Ich gehe Silvester nicht vor die Tür“, sagt der Gastronom. Ein Böllerverbot will Schünemann trotzdem nicht.

Auch Bärbel Harms hält nichts vom Böllern. Statt Feuerwerkskörper zu kaufen, spende sie das Geld seit Jahren an die Organisation „Brot für die Welt“. Die Hundisburgerin schlägt vor, zum Ende des Jahres eine Spendensammelaktion als neuen Haldensleber Silvesterbrauch zu etablieren.

Einen ganz persönlichen Brauch zu Silvester hat Nadine Hendschke. In einem Glas sammelt die Haldensleberin Erinnerungsstücke des Jahres. Zu Silvester wird das Erinnerungsglas dann geöffnet, um das alte Jahr Revue passieren zu lassen.