Calvörde l „Es ist fast schon zu einem Markenzeichen des Sommerempfanges geworden, dass es die Sonne mit uns gut meint“, stellte Pfarrer Jürgen Dittrich fest. Er freute sich, dass die Gäste der Einladung in dem Gemeindesaal auf dem Pfarrhof gleich neben der St.-Georg-Kirche in Calvörde so zahlreich gefolgt waren. Die Anzahl von über 100 Gästen deutete der Geistliche als Zeichen dafür, dass die Kirchengemeinde sich mit dem Empfang auf den richtigen Weg befindet.

Der Pfarrverband Calvörde-Uthmöden erstreckt sich über zehn Orte in fünf Kirchengemeinden in zwei Landkreisen und drei Kommunen und verläuft von Jeseritz im Norden bis nach Uthmöden im Süden.

"Schleier des Nichtwissens"

„Zur Kirchenvorstandswahl im März diesen Jahres hatte Elsebeck zum Beispiel eine Wahlbeteiligung von 69,4 Prozent. Das war mehr als bei der eine Woche später stattgefundenen Landratswahl“, stellte Dittrich fest. Der Pfarrer erklärte, dass die Kirche an verschiedenen Stellen ein Forum bietet, um über offene Fragen des Glaubens und des Lebens zu sprechen. Dazu soll auch der Sommerempfang beitragen. Dittrich dankte allen, die sich ehrenamtlich in den Kirchenvorständen oder als hauptamtliche Mitarbeiter in ihren Orten mit ihren guten Ideen und mit Leidenschaft engagieren. Dankesworte gingen aber auch an die Vertreter der politischen Gemeinde, der Vereine und der Firmen, die die Angebote der Kirche annehmen und sie als integralen Bestandteil des Ortslebens akzeptieren.

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„So ein Sommerempfang bedeutet eine Auszeit vom Alltagstrubel sowie freie Zeit und Muße für die schönen Dinge“, erklärte Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU). Er lobte die vielfältigen Aktivitäten der Kirchengemeinde, wie die sozialen, kulturellen und seelsorgerischen Angebote. „Wir brauchen die Mußestunden, um unsere Batterie wieder neu aufzuladen. Wir können nicht nur online sein, sondern wir müssen auch offline sein“, beschrieb Schliephake und hieß Anne-Marie Keding (CDU), Ministerin für Justiz und Gleichstellung in Sachsen-Anhalt, willkommen.

„Recht und Gerechtigkeit – das sind große Worte, mit denen wir uns an diesem heißen Sommerabend beschäftigen wollen“, sagte die Ministerin und erklärte, dass sie bei diesem Thema an das Zitat von Bärbel Bohley denkt: „Wir wollten Gerechtigkeit und bekamen den Rechtsstaat“. In ihrem Vortrag machte Anne-Marie Keding deutlich, dass Gerechtigkeit keine einfache Definition ist. Der „Schleier des Nichtwissens“ sei – nach ihrer Ansicht – ein möglicher Weg zur Gerechtigkeit und wichtiger Bestandteil der Theorie von John Rawls. Der US-amerikanische Philosoph bezeichnet in seiner Theorie den Zustand der Menschen in einer fiktiven Entscheidungssituation, in dem sie zwar über die zukünftige Gesellschaftsordnung entscheiden können, aber selbst nicht wissen, an welcher Stelle dieser Ordnung sie sich später befinden werden.

Gespräche einzeln vertieft

Der „Schleier des Nichtwissens“ sei ein gutes Experiment, wenn man sich über Regelungen und Gesetze Gedanken macht. „Rawls sagt aber auch, dass es immer Ungleichheiten geben wird. Das Idealbild der Gerechtigkeit werden wir nicht erreichen. Aber wenn wir es schaffen, von unseren eigenen Interessen zu abstrahieren, können wir unter dem ,Schleier des Nichtwissens‘ anstreben, gute Regelungen für alle zu schaffen und so für die Gemeinschaft das Beste herauszufinden“, meinte die Ministerin. Mit einem Augenzwinkern sagte sie zum Abschluss ihres Vortrages mit dem Blick auf die kühlen Getränke und auf das Büfett: „Das Beste für die Gemeinschaft ist, wenn wir jetzt im Einzelnen weiter diskutieren.“

Ein Brot – ein Geschenk mit großem Symbolwert – überreichte Fritz Brohme vom Kirchenvorstand an die Ministerin. Dittrich erklärte: „Das Getreide aus unserer Region wurde in der Damm-Mühle der Familie Nitzschke und der einzigen produzierenden Mühle im Landkreis Börde gemahlen und das Mehl in der örtlichen Schaubäckerei gebacken.“