Haldensleben l Für die Wahlhelfer war es eine lange Nacht. Erst um 4.57 Uhr stand das vorläufige Endergebnis fest. Demnach wird es im Stadtrat bald eine ganze Reihe neuer Gesichter geben. Die meisten Sitze gehen weiterhin an die CDU. Allerdings hat sie im Vergleich zur Stadtratswahl 2014 deutlich an Stimmen verloren. Damals kam sie auf 32,05 Prozent. Das entsprach neun Sitzen im Stadtrat. In der neuen Legislaturperiode sind es nur noch 23,53 Prozent und sieben Sitze. „Es hätte besser sein können, aber wir können zufrieden sein“, erklärte Mario Schumacher von der CDU. Er bedankte sich für den Wählerauftrag, den seine Partei als stärkste Kraft erhalten habe. Im Vorfeld der Wahl habe er gesagt, dass es Zeit für einen Neubeginn im Stadtrat und für eine Rückkehr zur Sachlichkeit sei. Durch viele neue Mitglieder im Gremium seien die Weichen dafür gut gestellt.

Zweitstärkste Kraft ist künftig die AfD. Sie erhielt 3375 Stimmen. Damit gehört sie zu den größten Gewinnern der Wahl. 2014 kam sie lediglich auf 2,21 Prozent. Dieses Mal sind es 14,82 Prozent. Statt einem Sitz kann die AfD nun vier Mandate für sich verbuchen. „Ich bin sehr zufrieden“, bekräftige Wolfgang Rehfeld von der AfD und kündigte an: „Wir wollen im Stadtrat die sachorientierte Arbeit suchen, wie wir es vor der Wahl versprochen haben. Persönliche Differenzen auszutragen, gehört meiner Meinung nach nicht in den Stadtrat.“

Bürgerbewegung als Gewinnerin

Die zweite große Gewinnerin ist die Bürgerbewegung HDL. Sie war bisher nicht im Stadtrat vertreten. Am Sonntag schaffte sie es aus dem Stand auf Platz drei. Die Bürgerbewegung erhielt 3024 Stimmen. Das entspricht 13,28 Prozent und vier Sitzen. „Aus unserer Sicht ist die Wahl sehr gut gelaufen. Als Neulinge mit vier Sitzen in den Stadtrat einziehen zu können, ist super“, betonte Birgit Kolbe von der Bürgerbewegung. „Wir freuen uns, dass uns so viele Haldensleber ihr Vertrauen geschenkt haben. Und wir sind froh, dass es viele Kandidaten aus den anderen Parteien geschafft haben, mit denen wir uns eine gute Zusammenarbeit vorstellen können. Denn das ist es, was wir wollen“, so Kolbe.

Die Linke musste dagegen Federn lassen. Bei der Fraktionsgröße rutschte sie von Platz zwei auf Platz vier. Statt auf 18,54 Prozent wie im Jahr 2014 kam die Partei nur noch auf 12,79 Prozent. Damit schrumpfte die Zahl der Sitze von 5 auf 4. Guido Henke von der Linken erklärte dazu: „Bei aller gebotenen Vorsicht gegenüber vorläufigen Ergebnissen: Dass es weniger geworden ist, ist der allgemeine Trend im Land. Das ist nicht überraschend. Trotzdem sehen wir unser Ergebnis mit Zuversicht für die Zukunft.“

Linke und SPD verlieren Prozente

Ähnlich wie der Linken geht es der SPD: Statt 10,7 Prozent im Jahr 2014 kam sie noch auf 8,85 Prozent. Damit muss auch sie einen Sitz abgeben. „Aufgrund des SPD-Bundestrends waren die Erwartungen nicht so hoch. So etwas schlägt sich auch auf die Kommunalpolitik durch“, räumt Bernhard Hieber von der SPD ein. Außerdem habe seine Partei keinen großen Wahlkampf geführt, weil in den Ausschüssen noch viel Sacharbeit zu leisten gewesen sei. Zum Wahlergebnis als Ganzes erklärte Hieber: „Ich freue mich, dass eine demokratische Mehrheit vorhanden ist. Sowohl ich als auch Frau Zacharias freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit mit allen gewählten Räten zum Wohl der Stadt Haldensleben.“

Die Wählergruppe Bürger für Bürger legte zu. Sie ist weiter mit zwei Sitzen im Rat vertreten. Allerdings bekam sie 7,98 Prozent der Stimmen. 2014 waren es 6,12 Prozent gewesen. Auch die Grünen konnten sich im Vergleich zur letzten Wahl verbessern. Sie kamen auf 1541 Stimmen. Das entspricht einem Anteil von 6,77 Prozent und damit zwei Sitzen. 2014 hatten die Grüne 4,82 Prozent und damit einen Sitz für sich verbuchen können. Einbußen musste dagegen die Freie Unabhängige Wählergemeinschaft (FUWG) hinnehmen. Sie erhielt 1178 Stimmen. Das entspricht 5,17 Prozent. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es 9,87 Prozent. Damit schrumpft die Zahl der Mandate von drei auf eines.

Ein Sitz für Pro Althaldensleben

Relativ konstant blieb das Ergebnis bei der Wählergruppe Pro Althaldensleben. Mit 4,87 Prozent (1109 Stimmen) sicherte sie sich erneut einen Stadtratssitz. 2014 waren es 4,47 Prozent gewesen. Kleinste Kraft im Rat ist künftig die FDP. Von 4,68 Prozent sackte sie auf 1,94 Prozent. Insgesamt erhielt sie 442 Stimmen und damit einen Sitz im Rat. Die Wahlbeteiligung lag mit 47,58 Prozent deutlich höher als 2014 (35,62 Prozent). Der Stadtwahlausschuss tagt morgen ab 18 Uhr in Zimmer 123 des Rathauses. Erst dabei wird das offizielle Endergebnis verkündet.