Haldensleben l Für das Kaufhaus Lüning ist es wie für viele andere Einzelhändler ein schwieriges Jahr. Vier Wochen lang musste das Kaufhaus in der Hagenpassage wegen Corona schließen. Und auch jetzt kämen an einigen Tagen bis zu 40 Prozent weniger Kunden in die Lüning-Kaufhäuser, berichtet Marco Grunwald, Leiter der Sparte Non-Food bei Lüning.

Dennoch hat sich das Unternehmen dazu entschieden, die Preise bei fast allen Artikeln um drei Prozent zu senken. Auch bei Produkten mit ermäßigter Mehrwertsteuer wie etwa bei Lebensmitteln, betont Grunwald. Die ermäßigte Mehrwertsteuer soll vom 1. Juli bis zum 30. Dezember von sieben auf fünf Prozent sinken. Nur der reguläre Mehrwertsteuersatz sinkt um drei Prozent von 19 auf 16.

Tatsächlich müssten adequat angepasste Produktpreise für den Verbraucher am Ende um rund 2,5 und 1,9 Prozent fallen. Das würde den gesunkenen Sätzen mathematisch entsprechen. Das allerdings sei den Kunden schwierig zu vermitteln, betont Grunwald. Deswegen habe sich Lüning dazu entschieden, auf fast alle Artikel einen Nachlass von drei Prozent zu geben. Ausgenommen seien Produkte wie etwa Bücher, bei denen es eine Preisbindung gebe.

Die Firma Lüning mit Sitz im Kreis Gütersloh unterhält insgesamt zwölf Kaufhäuser, davon vier in Sachsen-Anhalt. Im Landkreis Börde beschäftigt das Unternehmen 25 Mitarbeiter in seinen beiden Filialen in Haldensleben und Wolmirstedt.

Keine Hamsterkäufe mehr

Lebensmittehändler und Baumärkte durften im Gegensatz zu Lüning trotz Corona im Frühjahr geöffnet bleiben. Einige vermeldeten aufgrund von Hamsterkäufen sogar ein Umsatzplus.

Im Edeka-Center am Gänseanger ist die Zeit der Hamsterkäufe laut Marktleiterin Heidemarie Maaß vorbei. Viel zu tun hätten sie aber noch immer, berichtet sie. Ob an allen Artikeln im Markt schon ab Mittwoch ein neues Preisschild hänge, könne sie nicht versprechen. Die Mehrwertsteuersenkung werde aber an der Kasse bei allen Artikeln an die Kunden weitergegeben, versichert sie. Die Leiterin des Edeka-Markts in der Hagenpassage versichert ebenfalls, die Steuersenkung weitergeben zu wollen.

Auch die anderen großen Lebensmittelhändler wollen Preise senken. Kaufland kündigt in einer Pressemitteilung an, sämtliche Preise pünktlich zum 1. Juli anzupassen. Dort heißt es: „Durch die Neuberechnung mit 16 statt 19 Prozent beziehungsweise fünf statt sieben Prozent Mehrwertsteuer ergeben sich krumme Preise, die Kaufland im Sinne einer größtmöglichen Transparenz exakt weitergibt. Auf den Preisschildern wird jeweils der alte und neue Preis der Produkte angegeben“.

Lidl wirbt damit, schon vor den Konkurrenten die Mehrwertsteuer auf Artikel gesenkt zu haben. „Die Preissenkung erfolgt direkt an den Artikeln am Regal und ist für die Kunden über das jeweilige rote Preisschild in der Filiale transparent nachvollziehbar“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Preissenkungen soll es auch in Baumärkten geben. Der Haldensleber Baumarkt Appel an der Otto-Kreuzung kündigt die Weitergabe der Steuersenkung an seine Kunden an. Ebenso der Hagebaumarkt an der Friedrich-Schmelzer-Straße. Die Prozente würden an der Kasse abgezogen, versichert Lars Walkowiak, Leiter des Hagebaumarktes. Die Preisetikette austauschen wolle er nicht, der Aufwand sei zu groß. Schließlich müsste dann in einem halben Jahr schon wieder alles neu etikettiert werden, betont Walkowiak.

Wie viel Verbraucher am Ende durch die Steuersenkung einsparen, hängt natürlich vom Konsumverhalten ab. Laut Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung könnten Haushalte dadurch pro Monat zwischen 26 und 116 Euro mehr im Portemonnaie haben.