Wedringen l Die Umgehungsstraße B71 n soll den Ortskern von Wedringen vom Durchgangsverkehr befreien. Die Wedringer haben 20 Jahre dafür gekämpft. Darüber hinaus sollen als Ausgleich für den Straßenbau um den Ort herum einige Hektar blühende Landschaften entstehen. Das soll vor allem für die Feldlerchen gut sein.

Bereits 13 Hektar hat die Straßenbaubehörde des Landes rund um Wedringen naturnah begrünen lassen. Vor allem die Vogelwelt soll davon profitieren. Und ganz besonders die Feldlerche.

Besonders betroffen

Denn sie ist durch den Straßenbau im besonderen Maße betroffen: Neun Brutreviere seien vom Bau der Umgehungsstraße betroffen, berichtete Michael Wetzel von der Straßenbaubehörde am Donnerstag bei einer Begehung der Ausgleichsflächen mit Fachleuten. Zudem würden sechs weitere Vogelarten beeinträchtigt: Neuntöter, Schwarzkehlchen, Rebhuhn, Wachtel, Feldsperling und Grauammer. Allerdings seien von ihnen jeweils nur ein bis zwei Brutreviere betroffen, erläutert Wetzel.

Was braucht die Feldlerche? „Sie liebt offene Flächen“, sagt Wetzel. Hohes Getreide stört sie, dazwischen kann sie nicht landen. Also lässt die Behörde sogenannte Feldlerchenfenster anlegen, sechs bis acht Meter groß, mitten auf den Äckern. Diese Fläche bleibt beim Säen des Getreides frei. Ob das funktioniert? Wetzel sagt, es sei im Nachhinein schwierig zu erkennen, wo die Feldlerchenfenster überhaupt sind, wenn das Getreide hoch steht. Ob die Feldlerche sie nutzt, könne er nicht sagen. Anders ist es mit dem Ackerland, auf dem die Behörde vor knapp drei Jahren begonnen hat, Blühstreifen anzulegen. Dort soll die Feldlerche Nahrung finden, Insekten und Samen. Wetzel sagt, die Schwalben, die er tief über die Blühflächen habe fliegen sehen, seien ein Indiz dafür, dass es dort Insekten gibt.

Unterstützt wird das Straßenbauamt beim Schaffen der Ausgleichsflächen von Wissenschaftlern der Hochschule Anhalt. Sandra Mann, Hochschulmitarbeiterin am Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung, berichtet am Donnerstag, es seien etwa 50 Wildpflanzenarten aus der Region auf den Blühstreifen gesät worden. Die starke Trockenheit der vergangenen beiden Sommer habe den Aufwuchs allerdings erheblich verhindert, sagt sie.

Unmittelbar am Straßenrand

Bis 2023 soll eine Fläche von insgesamt 49 Hektar als Ausgleichs- und Ersatzfläche für die Wedringer Umgehungsstraße begrünt sein. Dazu kommen etwa 31 Hektar unmittelbar am Straßenrand. Nur ein kleines Teilstück der Ausgleichsflächen befindet sich nicht in der Umgebung von Wedringen. Eben jenes Teilstück von 0,78 Hektar, das ein ortsansässiger Eigentümer nicht hergeben wollte. Er klagte und bekam Recht. Die Ausgleichsfläche entstehen dafür nun in der Nähe von Egeln-Nord, berichtet Wetzel.

Fernab der Ideen für die Zukunft gab es in dieser Woche eine gute Nachricht für die verkehrsgeplagten Wedringer: Die Dorfstraße wird in Richtung Neuenhofe (Gemeinde Westheide) mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometern versehen. Die Wedringer hatten sich im jüngsten Ortschaftsrat darüber beschwert, dass Lkws und Pkws zu schnell auf der Dorfstraße unterwegs sind (Volksstimme berichtete).

Außerdem sollen in der nächsten Ortschaftsratsitzung Vertreter der Straßenbaubehörde des Landes sitzen, die den Wedringern ihre Fragen über den Bauablauf beantworten. Die Behörde hält an der Fertigstellung der B71 n bis Juni 2021 fest, die Wedringer Bürgerinitiative bezweifelt das.