Bösdorf l „Vor etwa zwei Wochen bekam ich von der Telekom – ohne Angabe einer Telefonnummer – eine Vertragskündigung für mein Festnetz“, erklärte Gerda Schreier und zeigte auf den Brief mit der Betreffzeile „Kündigung Ihres Vertrages zum 15. Dezember 2020“.

Die 79-jährige Seniorin versteht die Welt nicht mehr und schilderte: „Trotz verschiedener Abwerbungsversuche durch andere Anbieter habe ich der Telekom immer die Treue gehalten.“ Sie zählte die Namen von einigen anderen Familien – meist älteren Leuten – auf. „Wirft man uns raus, weil wir kein Internet brauchen? Ich sehe das als Frechheit an“, sagte Gerda Schreier.

In Bösdorf gibt es die Möglichkeit eines anderen Anbieters, sich an das kommunale Breitbandnetz anzuschließen. „Als die ansässigen Betriebe und die jungen Familien Internetanschlüsse haben wollten und auch darauf angewiesen waren, kam die Telekom nicht zu Rande. Andere Anbieter waren schneller und versorgten die Kunden. Erst im Sommer diesen Jahres wurde die Telekom munter und ließ entsprechende Leitungen legen“, blickte die Bösdorferin zurück.

Nach mehreren Versuchen, die Telekom über die Hotline telefonisch zu erreichen, sei sie – nach ihren Ausführungen – gescheitert. „Es meldete sich ein Frageband, bis ich nach 15 Minuten an der angeblich richtigen Stelle angelangt war. Dort waren alle Kundenberater besetzt. Ich stand wieder 20 Minuten in der Warteschleife“, erzählte sie. Nach dem sie endlich einen Mitarbeiter ihr Anliegen vortragen konnte, habe dieser sie weiter geleitet und wieder sei sie in der Warteschleife gelandet. „Alle meine Bemühungen waren umsonst.Und das Gespräch wird teuer berechnet“, sagte sie und verlangte im Namen aller betroffenen Bürger von der Telekom eine Stellungnahme.

Niemand wird abgeschaltet

„Niemand wird abgeschaltet. Allerdings haben alle Kunden aus rechtlichen Gründen – wegen der Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen – eine Kündigung erhalten“, erklärte Georg von Wagner, Pressesprecher der Deutschen Telekom.

Das sei – nach seinen Ausführungen – der „normale Weg“ bei einer Technik-Änderung. In diesem Fall sei es der Wechsel von analoger Technik auf IP. Das „IP“ steht für Internet Protocol und bedeutet im Zusammenhang mit dem Telefon, dass Gespräche als Datenpakete über das Internet geschickt werden.

„Es ist vorgesehen, dass alle Kunden von uns kontaktiert werden, um die Möglichkeiten eines neuen Anschlusses zu besprechen“, versicherte von Wagner. Er begründete, dass am Wechsel auf einen modernen, zeitgerechten Anschluss kein Weg vorbei führe. Kunden, die nur telefonieren wollen, könnten das auch weiterhin tun.

Die Preise der neuen Anschlüsse seien in der Regel günstiger, das Leistungsprofil hingegen größer. „Vor dem Ende des Vertrags versucht ein Telekom-Betreuer den Kunden, wenn uns eine entsprechende Genehmigung vorliegt, per Telefon zu erreichen, um das weitere Vorgehen zu besprechen“, erklärte von Wagner.

Wenn noch keine Lösung vereinbart sei, werde der Kunde zwei Wochen vor der Abschaltung des Anschlusses eine weitere schriftliche Erinnerung erhalten. Auch dann sei es noch nicht zu spät, aktiv zu werden und einen Vertrag mit der Telekom abzuschließen. „Wenn der Kunde keinen neuen Vertrag will, muss er auch keinen abschließen“, betonte der Pressesprecher.