Wedringen/Satuelle l Hartmut Trautvetter ist seit über 50 Jahren Imker. Zu DDR-Zeiten war er sogenannter BSS: Bienenseuchensachverständiger. Wenn er von Bienen, ihrer Hege und möglichen Krankheiten erzählt, weiß er also, wovon er spricht. Seit einiger Zeit treibt den Wedringer ein Problem um: Hartmut Trautvetter ist Wanderimker. Das heißt, dass er mit seinen Bienenvölkern in die Tracht wandert. Das geht im Frühjahr los, beginnt mit Obstbäumen, dann folgen Raps, Akazien, Linden und zum Schluss die Heide, in die der Wedringer seine Bienen auch setzt. Wenn sie nicht auswärts in einer Tracht stehen, hat Hartmut Trautvetter seine Bienen in Wedringen oder im Lübberitzer Forst bei Satuelle. Auf dem Weg dorthin hat der Imker einen verwaisten Bienenkasten entdeckt.

Dieser stehe vor „Wintersbusch“, so heißt das betreffende Gebiet. „Da ich nie eine Person bei der Betreuung sah, habe ich näher hingeschaut“, berichtet Hartmut Trautvetter. Und was der Wedringer dort sehen musste, bestürzte ihn. „Eine verwahrloste Bienenbeute mit einem eingegangenen Bienenvolk, teilweise aufgefressen von anderen Tieren. Ein Bild, das jeden Tierliebhaber entrüsten muss“, sagt er.

Seuchengefahr für Bienenvölker

Der grausame Anblick sei allerdings das geringere Übel. „Wesentlich gefährlicher sind die möglichen Auswirkungen auf die Völker der umliegenden Imker“, erklärt Hartmut Trautvetter. Denn von einem Bienenvolk, das langsam dahinsieche und letztlich eingehe, gehe eine Seuchengefahr aus. Einerseits sei es eine wahre „Milbenschleuder“. Die Varroamilbe mache den Imkern sehr zu schaffen.

Laut Hartmut Trautvetter gebe es keine Bienenvölker mehr, die keine Milben hätten. Es sei an den Imkern, die Milbenzahl in ihren Völkern unter der Schadgrenze zu halten – das koste viel Aufwand. Durch solch unverantwortliches Handeln wie das Verwahrlosenlassen eines Bienenstocks würden laut Hartmut Trautvetter die Bemühungen der Imker untergraben werden. So könne auch die „amerikanische Faulbrut“ – eine Bienenseuche – zur Gefahr werden.

Imkern will gelernt sein

Auch Dr. Hans-Joachim Krohm, Leiter des Amtes für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung im Landkreis Börde, weist auf die Gefahr von Seuchen hin, die von einem verwaisten Bienenstock ausgehen kann. Ihm zufolge unterliegen alle Imker einer Kennzeichnungspflicht. Das sei in der Bienenseuchenschutzverordnung festgeschrieben. Bienenkästen, die im Gelände stünden, müssten zwingend einen Hinweis auf den zuständigen Imker geben. Generell müsse sich jede Person, die Bienen halte, zudem beim Veterinäramt registrieren lassen.

In einem sind sich Hartmut Trautvetter und Hans-Joachim Krohm einig: Verwaiste Bienenkästen, die übrigens nicht häufig gefunden werden, müssen nicht unbedingt von unverantwortlichen Imkern stammen. „Ich will mal vermuten, dass hier vielleicht sogar ein positiver Ansatz dahinter steht“, sagt Hartmut Trautvetter. Angesichts des dramatischen Insekten- und Bienensterbens würden im Allgemeinen immer mehr Menschen begreifen, dass etwas für die Natur getan werden müsse. „Viele kommen über diesen Gedanken zur Bienenhaltung“, sagt der Wedringer. Das sei zunächst erfreulich, leider gebe es aber Menschen, die diesen Weg nicht genügend durchdenken.