Haldensleben l Einst tummelten sie sich im Landschaftspark Hundisburg: Mammuts. Der Info-Pult an der Kiesgrube weist zumindest darauf hin, dass hier einst Knochen der Tiere gefunden worden sind. Besucher müssen jedoch nicht länger nur ihre Fantasie anregen, um sich das Mammut auf dem Gelände vorzustellen – künftig zeigt eine App, wie es vor Jahrmillionen an dieser Stelle aussah.

Dafür wird der „Entdeckerpfad Zeitspuren“ technisch aufgewertet. An zehn historisch bedeutsamen Stätten im Stadtgebiet gibt es bereits Informationspunkte, die einen Einblick in die Siedlungsgeschichte der Region geben. Dort werden künftig sogenannte QR-Codes angebracht. Mit einer App auf tragbaren Geräten wie dem Smartphone oder Tablet kann dieser Code gescannt werden – dann fängt der Display an, die Historie wie von Zauberhand lebendig zu machen.

Virtuelle Elemente

Möglich macht das die sogenannte „Mixed Reality“. Dabei wird die Realität mit virtuellen Elementen verknüpft. So kann der Nutzer der eigens dafür kreierten App künftig an jedem der zehn Standorte ein 360-Grad-Panorama aufrufen. Das sieht dann so ähnlich aus wie beim Online-Dienst Google Street View.

Auferstehung der Ruine Nordhusen

So kann der Nutzer per App die Ruine Nordhusen als 3D-Modell wieder auferstehen lassen. Vor sich sieht der Besucher das reale Objekt, auf dem Handy sieht er die komplette Ruine vor Jahrhunderten mit einer Siedlung daran, die sich nachweislich dort befand. Ähnlich funktioniert auch das beliebte Spiel „Pokémon Go“, das an bestimmten Orten in der Realität virtuelle Fantasietiere auferstehen lässt.

Nach dem Panoramablick können Besucher sich weitere Objekte des jeweiligen Standorte virtuell auf ihrem Smartphone ansehen. So wird an der Parkkiesgrube in Hundisburg ein Stoßzahn eines Mammuts zu sehen sein. Auch die gefundenen Überreste von Wollhaarnashorn und Wildrind können betrachtet werden. Durch das Bedienen am Display können die Fundstücke virtuell von allen Seiten durchleuchtet werden.

Kostenlose App

Ebenso sollen weitere Fotos und Informationen über die kostenlose App abrufbar sein, die spannende Zusatzinformationen liefern. Zusätzlich können die Texte zum jeweiligen historischen Standort auch als Tonspuren abgespielt werden. Dabei wurde jeder Standort individuell gestaltet.

Für die Herstellung der App hat sich die Stadt Experten an die Seite geholt, die sich mit solchen virtuellen Ausstellungen bestens auskennen. „Eine Ausstellung zu erstellen bedeutet heutzutage mehr, als nur eine Vitrine aufzustellen“, sagt Stadtpressesprecher Lutz Zimmermann, der das Projekt betreut hat. „Wir wollen Geschichte erlebbar machen.“ Zielgruppe seien Jugendliche, Familien und Kulturinteressierte.

Auf der App können die Besucher ebenfalls ihre Route zu den verschiedenen Orten sehen. Damit ist jede Station zumindest virtuell ausgeschildert. Dass einige der Orte nicht am Internet-Netz anliegen, wurde ebenfalls beachtet. Die App ist so optimiert, dass sie auch an diesen Standorten nutzbar ist und nicht viel Datenvolumen benötigt. Erlebbar wird das virtuelle Haldensleben Ende des Jahres. Dann soll die App fertiggestellt und für Interessierte nutzbar sein.

Barrierefreie Ausgestaltung

Das Zeitspuren-Projekt kostet insgesamt 77 000 Euro. Durch Fördermittel aus dem Programm „Sachsen-Anhalt Regio“ liegt der Eigenanteil der Stadt bei 15 000 Euro. Doch damit ist nicht Schluss, denn die Stadt hat noch mehr mit dem Entdeckerpfad vor. Im nächsten Schritt sollen einige der analogen Stationen barrierefrei gestaltet werden.

Der Vorteil an dem Projekt: Sollte sich die App bewähren, könnte man dies auch auf andere Projekte projizieren. „Wenn es gut ankommt, könnte man dies auch auf innerstädtische Tourismuspunkte ausweiten“, sagt Lutz Zimmermann. Auch die Zeitspuren-Punkte sollen stetig auf den neuesten Stand gebracht werden.