Haldensleben l „Untersuchung der Chancen und Standorteignung für eine sachsen-anhaltinische Landesgartenschau (Laga) in Haldensleben“ lautet der Titel einer Analyse, die im Haldensleber Rathaus vorgestellt wurde. Der Stadtrat hatte 2016 beschlossen, die Verwaltung mit einer Machbarkeitsstudie zu beauftragen. Diese sollte aufzeigen, ob und unter welchen Bedingungen eine Landesgartenschau in Haldensleben im Jahr 2026 überhaupt ausgerichtet werden könnte. Hintergrund war damals ein Vorstoß der Gemeinde Hohe Börde: 2016 wollte die Lokale Aktionsgruppe „Flechtinger Höhenzug“ sich für die Laga 2022 bewerben, Haldensleben sollte als Partner mit im Boot sein. Zwar entschieden die Stadträte, dass die Bewerbung viel zu kurzfristig wäre – diese kam schließlich auch nicht zustande. Grundsätzlich lehnten die Haldensleber Räte eine Landesgartenschau in der Stadt aber nicht ab und beauftragten die Prüfung der Machbarkeit, 2018 wurde dafür Geld in den Stadthaushalt eingestellt.

Das Ergebnis der Studie stellte nun Landschaftsarchitekt Ulrich Krüger Bürgern und Mitgliedern verschiedener Ausschüsse des Stadtrates vor. Bei der Standortsuche in Haldensleben, heißt es darin, hätten sich nach der Auswertung etlicher Flächen zwei denkbare Szenarien herauskristallisiert: Zum einen sei als Gartenschau-Areal ein Bündnis aus Flächen in der Haldensleber Innenstadt denkbar. Eine Fläche entlang der Ohre zusammen mit der Masche, dem Friedhof und dem Rundwanderweg um die Altstadt bilden den möglichen Schauplatz für eine Gartenschau in Haldensleben. Das Hundisburger Schloss, der Landschaftspark, das Klostergut in Althaldensleben sowie die Alte Ziegelei wurden in einem zweiten Szenario verbunden.

Eigenanteil mindestens vier Millionen Euro

Krüger sprach auch über die Voraussetzungen, die Haldensleben für die Landesgartenschau erbringen müsste. So stelle das Umweltministerium sechs Millionen Euro Förderung als Sockelbetrag zur Verfügung, die Stadt müsse mindestens einen Anteil von vier Millionen Euro selbst beisteuern. „Wir haben das Thema in der Verwaltung kontrovers diskutiert“, erklärte Haldenslebens stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Wendler. So seien die Risiken der Landesgartenschau vor allem finanzieller Natur: Zum einen müsse man das hohe Startkapital für die Durchführung aufbringen, zum anderen sei die Stadt darüber hinaus verpflichtet, die Nachnutzung der Gartenschau-Areale zu finanzieren.

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Dem gegenüber, so erklärte Ulrich Krüger, stehe ein Mehrwert, den Haldensleben von der Laga hätte. Dieser sei nicht unbedingt finanziell abrechenbar, die Veranstaltung sei aber als Motor für die Stadtentwicklung zu verstehen, bringe eine qualitative Aufwertung von Brachflächen und fördere Bekanntheit und Einzelhandel.

Räte wollen Bürgermeinung wissen

Der Informationsveranstaltung im Haldensleber Rathaus schloss sich unmittelbar eine Tagung des Umweltausschusses an. Dort sollten die Mitglieder sogleich auch beschließen, ob sie dem Stadtrat empfehlen, sich für die Landesgartenschau 2026 zu bewerben, oder nicht. Die Räte sollen darüber schon am 6. Juni final entscheiden, denn wäre eine Bewerbung zur Laga gewünscht, müsste man diese bis Juni 2020 abgeben.

Den Mitgliedern des Umweltausschusses ging das alles zu schnell. Sie monierten vor allem, dass man nicht wisse, wie die Haldensleber Bürger zu dem Thema stehen. Deshalb entschlossen sie sich mehrheitlich, ihre Entscheidung zurückzustellen und beauftragten die Stadtverwaltung damit, sich über eine Möglichkeit Gedanken zu machen, die Bürger in eine Entscheidungsfindung einzubeziehen. In der Stadtverwaltung verständigte man sich einen Tag später dazu. Wie Pressesprecher Lutz Zimmermann mitteilte, sei eine Sonderausgabe des Haldensleber Stadtanzeigers zum Thema für den 17. Mai in Planung. Dort sollen die Aspekte zur Landesgartenschau erläutert werden – über einen Coupon sollen Bürger dann die Möglichkeit erhalten, sich für oder gegen eine Bewerbung von Haldensleben auszusprechen. Auch auf der Internetseite der Stadt solle es eine Abstimmungsmöglichkeit geben. Die Zahlen sollen laut Zimmermann zeitig ausgewertet werden, damit der Stadtrat für eine Entscheidung am 6. Juni die Meinung der Bürger kenne.