Neuenhofe l Die Neuenhofer haben es in diesen Tagen nicht einfach, an den Arbeitstagen schleppen sich zahlreiche Pkw und Lkw durch den Ort. „Wenn dann einmal etwas Platz ist, dann wird oft genug ordentlich auf die Tube gedrückt“, erzählt der Bürgermeister der Gemeinde Westheide, Hans Hirche (CDU). „Es wäre an der Zeit, dass hier einmal die Polizei tätig wird.“

Das Problem hat der Bürgermeister bereits schon einmal angesprochen (Volksstimme berichtete). „Es ist aber noch nichts passiert und die Bürger sind stinksauer“, setzt Hirche hinzu. Das bestätigt auch ein Geschäftsmann aus dem Ort (Name ist der Redaktion bekannt). „Es ist so, entweder brausen Kolonnen durch Neuenhofe oder aber Verkehrsteilnehmer rauschen hier mit überhöhter Geschwindigkeit durch“, äußert er sich. „Ich habe das einmal mit meinem Auto nachvollzogen.“ Der Unternehmer hat sich hinter einen Lkw gesetzt und ist mit ungefähr derselben Geschwindigkeit durch Neuenhofe gefahren.

Auf jeden Fall zu schnell

„Es ist sicherlich ein nicht ganz korrekter Vergleich, Polizeibeamte können das sicherlich besser mit ihren Möglichkeiten nachvollziehen, allerdings zeigte mir mein Tacho 75 Kilometer pro Stunde an“, berichtet er. „Das ist wohl auf jeden Fall zu schnell.“ Gezählt hat er zudem, nach seinen Angaben, 180 Fahrzeuge die in einer halben Stunde durch den Ort gekommen sind.

Der Geschäftsmann und weitere Bürger haben das Problem inzwischen auch vor dem Rat der Gemeinde Westheide angesprochen. Für die Dauer der Arbeiten an der Bundesstraße 71 Richtung Gardelegen müssen die Einwohner des Ortes wohl damit leben – und die ziehen sich noch Jahre hin.

„Ich sehe auch eine Gefährdung für die Kinder, die morgens auf ihren Schulbus warten, die Haltestelle ist hinter einer Kurve und da kommen viele Verkehrsteilnehmer zügig herumgefahren“, schildert der Unternehmer. „Oft genug wird erst im Kurvenbereich gebremst, das ist sogar deutlich zu hören.“ Eine von ihm vorgeschlagene Verlegung der Bushaltestelle sei technisch nicht machbar, wurde im Gemeinderat argumentiert. Den Vorschlag, eine Begrenzung von 30 Kilometern in der Stunde im Ort einzuführen, hält er für zu kurz gedacht. „Wir wären sicherlich schon einmal froh, wenn Pkw und Lkw die vorgeschriebenen 50 Kilometer pro Stunde einhalten würden“, betont der Geschäftsmann.

Mit Eiern beworfen

Und noch etwas weiß er zu berichten. Seinen Ausführungen nach werden auf der Straße geparkte Pkw immer wieder mit Eiern und Farbbeuteln beworfen. „Die Leute stellen ihre Autos aus blanker Notwehr auf die Straße, damit der Verkehr so wenigstens etwas heruntergebremst wird“, verrät der Unternehmer. „Aus vorbeifahrenden Lkw fliegen Farbe und Eier auf die Fahrzeuge. Das ist sogar schon beobachtet worden. Im Zweifelsfall sehen die Besitzer dann die Reste auf ihrer Windschutzscheibe.“ Mit Beginn des Berufsverkehrs sei auch immer wieder lautes Hupen von verärgerten Verkehrsteilnehmer zu hören. „Das geht dann so um fünf Uhr in der Früh los“, sagt der Unternehmer.

Die Idee, vielleicht eine elektronische Verkehrstafel im Ort zu errichten, hält er für gut. „So würden die durchfahrenden Leute auch einmal sehen, wieviel sie zu schnell unterwegs sind“, merkt er an. Diesen Gedanken an sich hält Bürgermeister Hans Hirche für gut. „Wir müssen aber berücksichtigten, dass dies nicht von heute auf morgen umsetzbar ist“, gibt er zu bedenken. „Der Ärger der Bürger ist mir aber auch nur zu verständlich.“ Die Farb- und Eieranschläge aus Fahrzeugen heraus sind ihm neu. „So etwas muss der betreffende Bürger dokumentieren, am besten mit einem Foto und dies dann der Polizei vorlegen“, betont er. „Dabei handelt es sich um eine Straftat.“

Auf jeden Fall will das Gemeindeoberhaupt Kontakt zum Verbandsgemeinde-Bürgermeister Thomas Schmette (CDU) aufnehmen, um die erwähnten Dinge anzusprechen. Er will zudem die Möglichkeiten der Regionalbereichsbeamten in der Sache erkunden.

Verkehrsproblem ist bekannt

Auch Thomas Schmette ist das Verkehrsproblem bekannt. „Ich würde es begrüßen, dass hier die Polizeibeamten tätig werden“, sagt er gegenüber der Volksstimme. Dem Straßenverkehrsamt liegt inzwischen auch die Anfrage der Verbandsgemeinde Elbe-Heide auf die Einrichtung einer 30-km/h-Begrenzung im Ort vor. Das bestätigt auch Pressesprecher Matthias Lütkemüller gegenüber der Volksstimme. „Wir werden den Sachverhalt prüfen“, sagt er. „Das bedeutet, dass die Situation vor Ort in Augenschein genommen wird.“ Er weiß aber auch, dass es 2017 und 2018 auf der bewussten Strecke in Neuenhofe keine Unfälle gab. In diesem Jahr gab es drei, die allerdings nichts mit Geschwindigkeitsüberschreitungen zu tun haben.

„Im Fall der erwähnten Farbbeutel und Eier ist eine entsprechende Anzeige vonnöten,“ erläutert er. „Wenn wir davon nicht wissen, dann können wir auch nicht tätig werden. So würde es sich um Sachbeschädigung handeln und damit um eine zu ahndende Straftat.“