Haldensleben l Nacheinander hüpfen die Wasserratten ins Wasser. Das Ziel: 25 Meter schwimmen. Das zumindest verlangt das Abzeichen „Seepferdchen“, das erste Schwimmabzeichen in der Laufbahn eines Nichtschwimmers. Doch obwohl der Schwimmunterricht in Sachsen-Anhalt Pflicht ist, kann laut einer Studie jedes dritte Kind nicht schwimmen. Wie kann das sein?

Der Schwimmunterricht ist in der Grundschule verbindlich und ist fest im Lehrplan verankert. Über ein Schuljahr lernen die Schüler, meistens Drittklässler, das Schwimmen in der nächstgelegen Schwimmhalle. Insgesamt 56 Grundschulen kommen in der Börde auf zwei Schwimmhallen – das sind das Rolli-Bad in Haldensleben und die Schwimmhalle in Oschersleben. Im Rolli-Bad sind es laut Angaben des Bademeisters Thomas Ritzmann 15 Schulen, in Oschersleben nach Angaben der Pressestelle 20 Schulen, die den Schwimmunterricht in der Einrichtung absolvieren.

Hoher Andrang in den Bädern

Als Grund dafür, dass immer weniger Kinder schwimmen können, wird oft angegeben, dass es immer weniger Schwimmbäder gibt. „Zumeist stehen die Kommunen mit dem Betrieb und der Sanierung ihrer Schwimmbäder alleine da“, sagt Mathias Schulte, Pressesprecher der Stadt Oschersleben. Viele Gemeinden können sich eine solch teure Einrichtung nicht mehr leisten, der Schwimmunterricht ist damit passé. Wenn keine Schwimmhalle in der näheren Umgebung ist, müssen sich die Eltern selbst um den Schwimmunterricht ihrer Kinder kümmern. „Mit sechs Jahren sollten die Kinder schwimmen können“, rät Bademeister Thomas Ritzmann vom Rolli-Bad.

Durch die vielen Schulen im Landkreis steht in beiden Schwimmhallen fast täglich ein Kurs auf dem Programm, in dem die Kleinsten mit dem Wasser vertraut gemacht werden sollen. „Wir haben einen hohen Andrang“, bestätigt Ritzmann. Insgesamt 12.800 Jungen und Mädchen kamen im Jahr 2018 im Rahmen des Schwimmunterrichts in die Haldensleber Einrichtung.

Seepferdchen macht noch keinen Schwimmer

Doch das erste Schimmabzeichen ist oft ein Trugschluss. „Kinder sind nach dem Erwerb des Seepferdchens längst keine sicheren Schwimmer. Es muss weiter geübt werden“, sagt Ritzmann. Denn die Kinder haben nach dem Erwerb zwar die Ausdauer auf 25 Metern geübt, doch sie verlieren die erlernten Fähigkeiten wieder, wenn sie diese nicht trainieren. „Man sollte mit den jungen Schwimmern mindestens ein bis zwei Mal im Monat üben“, sagt der Bademeister. Als sichere Schwimmer gelten Kinder erst ab dem Schwimmabzeichen Silber. Das ist das dritthöchste von insgesamt vier Abzeichen beim Jugendschwimmpass.

Die beunruhigende Entwicklung hat dazu geführt, dass sich Ex-Schwimmerin Franziska van Almsick für die Nichtschwimmer stark macht. Mit einer Stiftung hat sie sich das Ziel gesetzt, dass jedes Kind am Ende seiner Grundschulzeit mindestens eine Schwimmart sauber beherrscht und unterstützt Kinder, die keinen Zugang zum Unterricht haben.

Ertrinken zweithäufigste Todesursache

Die Stiftung verweist auf die Tatsache, dass Ertrinken die zweithäufigste Todesursache bei Kindern ist. In der Börde sind zwischen 1998 und 2017 insgesamt 17 Kinder und Jugendliche infolge von Badeunfällen gestorben. Das zeigen Zahlen das Statistischen Landesamtes.