Schloss Erxleben

Verwunschen und wiedererweckt

Am Denkmalstag öffnete erstmals nach über 30 Jahren das Schloss II in Erxleben. Viele Gäste nutzten die Chance auf einen Blick in Innere.

Erxleben l Seit im Jahr 1984 im alten Schloss II in Erxleben das letzte Mal die Schulglocke geläutet hatte, ruhte das Leben in den geschichtsträchtigen Mauern. Doch eine kleine Schar unverzagter Bürger hat sich vor einigen Wochen auf Initiative von Erxlebens Bürgermeister Gerhard Jacobs zusammengefunden und die Interessengemeinschaft Schloss gebildet.

Dieser kleinen Schar ist es zu danken, dass zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag erstmals nach 32 Jahren wieder die Öffentlichkeit Zutritt zum Schloss hatte. Der Ansturm war entsprechend groß. „Die ersten Besucher waren schon um 10 Uhr hier, da waren wir noch gar nicht fertig mit den Vorbereitungen“, sagte Anja Kummer, eine der Gästeführer an diesem Tag.

Jeder, der wollte, konnte das verwinkelte Gebäude treppauf, treppab auch individuell erkunden, doch in Begleitung konnte man eine Menge an Informationen zur Geschichte und zu den einzelnen Räumlichkeiten und ihren Schätzen in Erfahrung bringen. Von einem in den 1950er Jahren entdeckten Silberschatz, verborgen hinter einer nachträglich gezogenen Wand, konnte Anja Kummer zum Beispiel erzählen. Bei Bauarbeiten war das Versteck der Alvenslebischen Familie entdeckt worden, und dann hatte wohl die Stasi das Silber devisenbringend veräußert.

Tonnen von Staub, Müll und Unrat hatte die Interessengemeinschaft gemeinsam mit vielen weiteren freiwilligen Helfern in den vergangenen Wochen aus dem Gemäuer herausgeschafft, das nun erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden konnte. Wo sich das Arbeitszimmer des Grafen, die Heizstelle oder das Esszimmer, später dann einige Wohnungen, Klassen- und Lehrerzimmer befunden hatten, davon konnten Anja Kummer und die anderen Gästeführer berichten. Ihr Vater war selbst Lehrer an der Schule und steuerte viel zu dem Wissen bei, das Anja Kummer nun zum Besten geben konnte.

Bürgermeister Gerhard Jacobs konnte an diesem Vormittag unter anderem den Staatssekretär für Kultur, Gunnar Schellenberger, und Ulrike Wendland vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie im Schloss begrüßen. „Ich wünsche viel Kraft für die kommende Aufgabe!“ schrieb der Kultusstaatssekretär im Anschluss an eine Führung in das Gästebuch. Dem konnte sich Ulrike Wendland nur anschließen.

Andere Gäste brachten zum Tag des offenen Denkmals vielseitig ihre Hochachtung zum Ausdruck. Viele lobende Worte fand Karin Börsch. „Einfach toll, was hier geleistet wurde“, sagte die Gutenswegerin. Sie hoffe, dass die Interessengemeinschaft die Kraft und den Mut aufbringt, aus diesem altehrwürdigen Schloss wieder etwas zu machen und vor allem durchzuhalten. Sie sei ganz begeistert, was hier heute an diesem Tag geboten wird.

Visionen, Ideen und Vorstellungen, dem Gebäude wieder Leben einzuhauchen, gibt es viele. Die Besucher konnten einer neben dem Gästebuch aufgestellten Ideen-Schatzkiste weitere Vorschläge und Ideen anvertrauen.

„Es macht uns Mut, so viele Gäste begrüßen zu können“, sagte Anja Kummer. Denn eigentlich hätten die Interessengruppe und ihre Helfer in den vergangenen Wochen nichts weiter gemacht, als im Dreck zu wühlen und aufzuräumen. Da könne man schon mal verzweifeln. Doch wenn dann dabei prächtige Holzfußböden und Kamine, filigrane Stuckarbeiten und sogar Tapeten aus dem 17. Jahrhundert wieder zum Vorschein kommen, drängen sich schnell wieder Ideen und Phantasien für eine Belebung mit Veranstaltungen, Seminaren und anderen Höhepunkten ins Gedächtnis.

Geöffnet hatte übrigens nicht nur Schloss II. Auch die Schlosskirche gleich gegenüber hatte ihre Pforte geöffnet. Darin war eine kleine Ausstellung aufgebaut, die einen Einblick in das im August an das Landesarchiv gegangene Familienarchiv der Alvenslebens gewährte. Briefe, selbst Korrespondenzen mit Luther, Urkunden und Testamente gehören zu den Schätzen, die jahrhundertealte Geschichte erzählen.

Und der Hausmannsturm an der Familienkirche stand ebenfalls für Besichtigungstouren offen. Wer die recht steilen Stufen hinauf nahm, wurde bei strahlendem Sonnenschein mit einem phänomenalen Weitblick in die Ferne belohnt.