Haldensleben l Klaus Czernitzki, Stadtrat der Linken, konnte in der ersten Stunde bereits 50 Menschen zur Unterschrift bewegen. Sein Ziel für Haldensleben: 1700 Signaturen bis zum 7. Juli. Das sind etwa ein Zehntel der Wahlberechtigten in der Kreisstadt.

Worum es geht: Ein Bündnis will einen festen Personalschlüssel an Sachsen-Anhalts Schulen durchsetzen. Klappt das, müsste das Land mehr als 2000 Pädagogenstellen umgehend besetzen. Damit das klappt, braucht die Initiative im ersten Schritt landesweit 163.800 Unterschriften (neun Prozent aller Wahlberechtigten) bis zum Stichtag im Juli. Danach müsste der Landtag darüber befinden. Lehnt er das Anliegen ab, könnten die Bürger in einem Volksentscheid abstimmen, wahrscheinlich zeitgleich zur Landtagswahl 2021.

Hoffnung auf Unterstützer

Initiiert haben das Volksbegehren die Bildungsgewerkschaft GEW, die Linke sowie Schüler- und Elternvertretungen. Den Auftakt der Unterschriftenaktion in Haldensleben stemmte Czernitzki aber alleine. Er hofft jedoch, in den kommenden Wochen Unterstützung von den Bündnispartnern zu bekommen, um weitere Aktionen planen zu können.

Renate Lüdemann musste er am Mittwochvormittag vor der Hagenpassage nicht überzeugen. Die 68-Jährige war einst selbst Lehrerin in Erxleben. Im Jahr 2011 schied sie aus dem Dienst. Sie sagt, mit ihr seien damals „etliche Kollegen gegangen“. Grundsätzlich sei der Bedarf an Lehrern planbar, betont Lüdemann. „Man weiß, wie viele Kinder es gibt und wie viele Lehrer in Ausbildung sind“, sagt sie, nachdem sie das Volksbegehren unterschrieben hat. „Die Politik hätte früher gegensteuern müssen.“

Unterschrieben hat auch Jutta Krüger. „Ich habe Enkelkinder“, berichtet die 62-jährige Haldensleberin. „Und ich möchte, dass sie ordentlich unterrichtet werden“, betont sie. Ihr Schwiegersohn sei zudem Lehrer. Es dürfe nicht sein, dass an Schulen ein ganzes Jahr der Mathe-Unterricht ausfalle, moniert Krüger.

Dass der Lehrermangel auch in Haldensleben zu spüren ist, berichtet Ulrike Hecker. Ihr Sohn geht auf das Professor-Friedrich-Förster-Gymnasium. Im vergangenen Schuljahr habe er keine Note im Fach Musik erhalten, weil Lehrer gefehlt hätten. Auch der Biologieunterricht sei schon einmal ein Dreiviertelschuljahr ausgefallen, berichtet die 49-Jährige Haldensleberin, nachdem sie das Volksbegehren unterschrieben hat.

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner lobte den Start der Unterschriftenaktion als „Ausdruck gelebter Demokratie und Bürgerbeteiligung.“ Zugleich verwies er darauf, dass es an „geeigneten Bewerbern“ für den Lehrerberuf mangele. „Dies wird sich auch mit einem festen Betreuungsschlüssel nicht ändern“, so Tullner.