Haldensleben l Die Deutsch- und Integrationskurse an der Kreisvolkshochschule (KVHS) sind nach wie vor gefragt. Das versichert Sylvia Wolf, die Leiterin der KVHS. Doch die Zusammensetzung der Kurse ändere sich stetig. Es kommen weniger Flüchtlinge, um die neue Sprache zu lernen und das Land kennenzulernen. Dafür sitzen mehr EU-Zuwanderer auf den Bänken.

15 bis 20 Frauen und Männer werden jeweils in den Kursen gemeinsam unterrichtet. Die Kurse laufen in Haldensleben, Wolmirstedt und Oschersleben. Da die Nachfrage ungebrochen ist, freut sich die KVHS-Leiterin, dass der Landkreis die Verträge mit den fünf Lehrkräften, die zunächst auf drei Jahre ausgelegt waren, stufenweise verlängert hat. Außerdem sind mehrere Honorarkräfte im Einsatz. „Wir sind abhängig von den politischen Rahmenbedingungen, können so aber gut reagieren“, versichert Sylvia Wolf. Und wer nach einem Deutschkurs fragt, muss in der Regel nicht länger als drei bis vier Wochen warten.

Die KVHS kann auf gute Prüfungsergebnisse verweisen. 70 Prozent der Teilnehmer hätten beim Integrationskurs die Sprachprüfung für die B1 geschafft. Der Kurs für die nächsthöhere Stufe B2 kann inzwischen in Haldensleben und Wolmirstedt auch angeboten werden. Aber wenn die Kursteilnehmer die B1 geschafft haben, so meint Sylvia Wolf, kriegt das Jobcenter sie auch relativ zügig in Arbeit.

Zusammenarbeit läuft gut

Die Zusammenarbeit aller Behörden und der Bildungsträger im Landkreis funktioniere gut, versichert sie. Jetzt gebe es zum Beispiel eine Anfrage vom Fachdienst Migration an die KVHS, einen Kurs für einen Wohnungsführer- schein für Flüchtlinge vorzubereiten.

In einigen Kreisen gibt es ähnliche Kurse bereits. Dabei geht es um die Hausordnung, den Umgang mit Elektrogeräten, natürlich Mülltrennung, Einsatz von Pflegemitteln und vieles mehr. Auch nachbarschaftliches Verhalten ist ein Thema. Der erste Kurs läuft im September.

Die Kreisvolkshochschule stellt sich auf die Anforderungen ein, die ständig wachsen. „Alle Lehrer haben eine Trauma-Schulung erhalten“, erläutert Sylvia Wolf. Viele Flüchtlinge haben Unvorstellbares erlebt. Und manchmal komme es zu sehr emotionalen Reaktionen, wenn im Unterricht über die Familie gesprochen wird oder wenn die Frauen und Männer die Nachricht vom Tod von Familienangehörigen erhalten. Damit umzugehen, muss auch gelernt werden.

Die Lehrkräfte gehen jetzt aber auch mehr in Betriebe als in den vergangenen Jahren. Bei Hermes arbeiten zum Beispiel viele EU-Bürger. Für sie gibt es Deutschunterricht im Betrieb, und der sei auf das Schichtsystem abgestimmt, erläutert Sylvia Wolf.