Haldensleben l Und wo sind nun diese Kreuzungen mit oft rätselnden Autofahrern? Die wahrscheinlich bekannteste Problemkreuzung befindet sich direkt am Marktplatz, die andere in der Innenstadt an der Ecke Magdeburger Straße/Holzmarkt/Burgstraße und die dritte am Bahnübergang auf der B 245.

Marktplatz

Beim Beobachten des Straßenverkehrs an der Kreuzung am Marktplatz wird eins schnell deutlich: Hier wissen viele nicht, wer Vorfahrt hat oder es wird nach Gefühl und Straßenverhältnissen gefahren. Hinzu kommt, dass die Kreuzung nicht gut einzusehen ist.

Herwig Singer hat in seinen 30 Jahren als Fahrlehrer schon vielen Haldenslebern das Autofahren beigebracht. „Ich habe dabei schon so viele schöne und traurige Momente erlebt“, sagt der Fahrlehrer. Einige dieser traurigen Momente haben sich auch an der Kreuzung am Marktplatz zugetragen.

Bilder

Herwig Singer erinnert sich: „Ich kam mit meinem Fahrschüler aus der Richtung Stendaler Straße zur Kreuzung. Sowohl links als auch rechts warteten zwei Autos. Das Auto rechts von uns hätte zuerst fahren dürfen, aber der Fahrer vor uns ist losgefahren und der Fahrschüler hinterher.“ Durchgefallen, wegen Vorfahrtsmissachtung. Wegen solchen Fahrfehlern kam es 2019 laut der Polizei zu 419 Unfällen im Landkreis Börde.

„Oft schauen sich die Fahrer ratlos an, wenn aus allen Richtungen Autos kommen“, sagt der 63-jährige Fahrlehrer. Eine Lösung hätte er schon parat: Das Einzelvorfahrts-Schild. Bis vor einigen Jahren befand sich am Marktplatz eine abknickende Vorfahrtsstraße. Inzwischen gilt dort jedoch „rechts vor links“. Nun kommt jedoch eine weitere Regel hinzu: Linksabbieger müssen entgegenkommenden Verkehr vorlassen. Die Fahrer müssen sich dann mit Handzeichen einig werden.

Diese „Wink-Regelung“ durch die man sich mit den anderen Autofahrern verständigt, hält er ebenfalls für problematisch. „Man winkt einem der Autofahrer, dass er zuerst fahren kann und der dritte fährt dann plötzlich einfach los“, erklärt er. Und nachts würde diese Möglichkeit der Kommunikation sowieso nur schlecht funktionieren.

Holzmarkt

Hier gilt ebenfalls „rechts vor links“. Auch hier ist es oft sehr schwierig einen guten Blick auf die anderen Straßen zu bekommen. Außerdem, ist es sehr eng beim Abbiegen. Kniffelig wird es, wenn sich drei Autos treffen. Wer darf zuerst fahren? Laut Straßenverkehrsordnung hat an einer solchen Dreierkreuzung derjenige Vorfahrt, der keinem „rechts vor links“ gewähren muss

B245

Hier ist nicht die Rechts-Vor-Links-Regel das Problem. Viel mehr führt hier das hohe Verkehrsaufkommen und die insgesamt fünf Straßen, die aufeinander treffen zu Unfällen. Hinzu kommen noch Fußgänger, Fahrradfahrer und nicht zu vergessen der Bahnhof.

Aber was kann man ändern, um die Gefahren an solchen Kreuzungen zu minimieren? Polizeisprecher Matthias Lütkemüller erklärt, dass Änderungen der Verkehrsführung nur dann in Erwägung gezogen werden, wenn sich viele vergleichbare Unfälle an ein und derselben Stelle häufen würden. Die Unfälle werden alle in einer Statistik vermerkt. Wenn aufgrund der Zahlen deutlich wird, dass es sich wirklich um eine Gefahrenstelle handelt, wird die Stelle begutachtet.

Anwesend bei dieser Überprüfung sind neben der Polizei auch das Straßenverkehrsamt, Städte und Gemeinden sowie die Straßenbaulastträger vertreten und suchen gemeinsam nach Lösungen. Solche Beratungen finden regelmäßig statt. Wenn es dann zu baulichen Veränderungen sowie anderen Verkehrsregelungen mit einer neuen Beschilderungen gekommen ist, wird die weitere Entwicklung beobachtet. „Meist ist die gemeinsam entwickelte Lösung erfolgreich“, so Lütkemüller.

Und wenn eine Veränderung an solchen Gefahrenstellen nicht zu weniger Unfällen führt? „Sofern die entwickelte Lösung nicht den gewünschten Erfolg zeigt, wird nach einer neuen Lösung gesucht.“

Herwig Singer sagt seinen Fahrschülern immer: „Überlegt wer Vorfahrt hat und im schlimmsten Fall einfach mal warten.“ Dazu rät auch Polizeisprecher Matthias Lütkemüller: „Ungeduld und Rücksichtslosigkeit führen meist zu Gefährdungsmomenten. Besser ist es dann, die Geduld zu bewahren. Schließlich wollen wir alle nur an unser Ziel gelangen“, mahnt er.