Grauingen l Die Forstbetriebsgemeinschaft Spetze betreut 430 Waldbesitzer auf einer Fläche von 3100 Hektar der Region von Flechtingen bis Oebisfelde. „Eine Vielzahl von Waldbesitzern haben zwei bis drei Hektar. Heute sind wir im Wald von Albert Simons von Bockum-Dolffs. Er kommt aus Böddensell und besitzt eine größere Waldfläche“, sagt Revierförster Volkmar Schliephake auf dem Weg von Grauingen zu einer Baumpflanzaktion im nahe gelegenen Wald.

Der Revierförster erklärt, warum diese Pflanzaktion so wichtig für den Flechtinger Höhenzug ist. Seit etwa fünf Jahren gibt es enorme Waldschäden. 2016 begann in der Region mit dem Schlauchpilz Diplodia das sogenannte Kiefern–Triebsterben. Den Pilz gäbe es schon über Jahrzehnten. Ursprünglich habe der Pilz nur für das Absterben einzelner Äste gesorgt. „Durch die Schwächung und durch den Vitalitätsverlust der Bäume ist der Pilz so stark in Erscheinung getreten, dass er zu kompletten Absterbeerscheinungen geführt hat“, schildert Schliephake.

2017 gab es heftige Stürme. 2018 und 2019 folgte die Trockenheit. Dazu kam der Käferfraß. „Der Käfer geht in die lebenden Bäume, vermehrt sich und verursacht dort entsprechende Schäden“, beschreibt der Forstexperte.

Freiflächen in Wald durch Schadereignisse

In den letzten fünf Jahren habe es in der Forstbetriebsgemeinschaft einen Schadholzanteil von 120 000 Festmeter gegeben. „Wegen der Nachhaltigkeit würden wir höchstens 60 000 Festmeter schlagen. Wir würden also nicht mehr Holz schlagen, als nachwächst. Es ist aber die doppelte Menge an Schadholz angefallen“, bedauert Schliephake und zeigt auf Freiflächen, die durch die Schad- ereignisse entstanden sind.

Für den Revierförster, der seit 45 Jahren den Beruf mit Leidenschaft ausübt, sei die jetzige Situation eine sehr traurige. „Es geht für mich ja ein Stück Lebenswerk verloren“, gesteht Schliephake.

Durch die Schadsituation der letzten fünf Jahre seien 150 Hektar Blößen – also entwaldete Flächen – entstanden. Davon seien etwa 70 Hektar wieder bepflanzt worden. Übrig bleiben aktuelle 80 Hektar Freiflächen, die bepflanzt werden müssen, damit neuer Wald entsteht. „Das wird in unterschiedlicher Form organisiert. Zum einen überlassen wir es der Natur, sich auszusäen und zum anderen wird nach gepflanzt“, blickt der Förster voraus.

Dabei soll eine Baumvielfalt entstehen. „Wir pflanzen also mehrere Baumarten auf einer Fläche“, sagt Schliephake und zeigt auf Bündel von jungen Eichen, Buchen und Küstentannen. Vor dem Hintergrund weitere Schadereignisse soll die Stabilität und Vitalität der Wälder durch die Anzahl der Baumarten und auch von unterschiedlichen Höhenschichten geschaffen werden. Monotone Bestände sollen damit vermieden werden.

Die Mission beginnt. Männer einer Beauftragten Firma pflanzen 1500 Traubeneichen, 500 Rotbuchen und 500 Küstentannen. Unterstützt werden sie unter anderem von Alain Paul vom Verband Deutscher Forstbaumschulen. Der Diplom Forstingenieur hilft nicht nur beim Bäumepflanzen, sondern als Geschäftsführer der Holz.ConZert GmbH ist er auch der Sponsor der jungen Bäume. Sein Unternehmen berät und betreut weltweit Unternehmen der Wald- und Holzwirtschaft.

140.000 Bäume gepflanzt

Im Namen von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) bedankt sich Cajus Caesar, der Waldbeauftragte des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, bei Paul. Caesar betont, dass die nachhaltige Bewirtschaftung und die Aufforstung und damit der CO2-Speicher der kosteneffizienteste Klimaschutz sei.

Der Unternehmer sagt: „Ich weiß, dass Sachsen-Anhalt bei den Waldschäden extrem betroffen ist. Das Geld kommt hauptsächlich von unseren Kunden. In den letzten zwölf Jahren konnten so etwa 140.000 Bäume gepflanzt werden.“

Froh über die Spende ist auch Forstamtsleiter Thomas Roßbach vom Betreuungsforstamt Flechtingen. „Wir wollen unseren Wald erhalten. Jeder, der Interesse am Wald hat, ist gern gesehen. Es gibt Menschen, die Pflanzen spenden oder auch mit pflanzen“, weiß Roßbach und sticht das nächste Pflanzloch in den Waldboden. Der Forstamtsleiter hofft auf weitere Nachahmer, die sich bei den Revierförstern melden können. „Ja, wenn es um Zuwendungen geht, haben wir ein ganz offenes Ohr“, ergänzt Schliephake schmunzelnd.

Mit Spaten ausgerüstet sind auch Simons von Bockum-Dolffs und sein Sohn Johannes. Der Waldeigentümer sagt: „Etwas mehr als 15 Prozent der Bäume in unserem Betrieb sind gar nicht mehr da. Das heißt, wir müssen aufforsten. Das übersteigt ein bisschen die Finanzkraft, die aus dem Wald selbst kommen muss.“ Für ihn als Waldbesitzer sei es ein wichtiger Gesichtspunkt, dass die Gesellschaft auch in Form einer solchen Spende hilft. „Es ist wichtig, dass wir nicht allein mit der Misere da stehen. Es ist nicht nur die materielle Hilfe, auch die Anwesenheit von Herrn Paul als Spender, vom Waldbeauftragten Cajus Caesar und von Heinz Günther von der Forstbetriebsgemeinschaft machen uns Mut“, beschreibt Bockum-Dolffs.