Niederndodeleben l Alljährlich bereiten Frauen in einem anderen Land den Weltgebetstag vor. Sie wählen Lieder aus und stellen Texte zusammen. Begangen wird der Weltgebetstag jeweils am ersten Freitag im März, in diesem Jahr also am 6. März 2020. Karen Simon-Malue und Daniela Merz hatten interessierte Frauen aus der Region ins Mauritiushaus nach Niederndodeleben eingeladen, um diesen Weltgebetstag gemeinsam vorzubereiten. Die ordinierte Gemeindepädagogin aus Haldensleben und die Bildungsreferentin im Mauritiushaus wurden dabei von Jihoon Song unterstützt. Der Kantor aus Magdeburg brachte den Frauen die Lieder nahe, begeisterte sie geradezu. „Steh auf und geh!“ ist das diesjährige Thema. Frauen aus Simbabwe berichten dazu aus ihrem Leben.

Über Konfessions- und Ländergrenzen hinaus engagieren sich christliche Frauen beim Weltgebetstag dafür, dass Frauen und Mädchen überall auf der Welt in Frieden, Gerechtigkeit und Würde leben können. Und das bereits seit 130 Jahren. Willkommen sind dazu auch konfessionslose Frauen. Über 24 Stunden widmen sich Frauen in mehr als 120 Ländern rund um den Erdball einem Thema. Sie singen dieselben Lieder, wenn auch in unterschiedlichen Sprachen, sie sprechen über das Leben der Frauen in einem ganz bestimmten Land, und sie können sich manchmal auch an Aktionen beteiligen, um anderen zu helfen.

Stifte für Schülerinnen

Beim Weltgebetstag 2018 wurde in Deutschland die Aktion „Stifte machen Mädchen stark“ gestartet, daran erinnerten Karen Simon-Malue und Daniela Merz. Ein Jahr lang wurden in mehr als 2000 Sammelstellen ausgediente Stifte gesammelt. Eine Recyclingfirma hat diese Stifte zu Gießkannen oder anderen Produkten verarbeitet und für jeden Stift einen Cent für ein Bildungsprojekt der Organisation „Beit el-Nour“ überwiesen. Der Erlös kam syrischen Mädchen zugute, die in den Libanon geflüchtet waren. Für 450 Stifte, also 4,50 Euro, konnte ein Mädchen mit Schulmaterial ausgestattet werden. Rund 32.000 Euro kamen zusammen.

In diesem Jahr geht vom Weltgebetstag in Deutschland eine Unterschriftenaktion aus. Simbabwe gehört zu den Ländern mit den höchsten Schulden weltweit. Allein Deutschland hat Forderungen in Höhe von 730 Millionen Euro an das Land, erläuterte Daniela Merz. Das deutsche Haushaltsgesetz sieht vor, dass bis zu 150 Millionen Euro solcher Schulden erlassen werden können, wenn die Regierung des begünstigten Landes die Mittel, die sie nicht mehr für Zinsen und Tilgung aufwendet, für vereinbarte Entwicklungsprogramme bereitstellt. Mit solchen Umschuldungen finanziert die Bundesregierung in anderen Ländern seit vielen Jahren Gesundheitsprogramme zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria.

Unterschriften für ein Gesundheitsprogramm

In Simbabwe leiden doppelt so viele junge Frauen wie Männer an HIV/AIDS. Viele erhalten keine Hilfe, da die fast zahlungsunfähige Regierung nicht mehr ausreichend für Gesundheitsdienste sorgt. Ihnen soll mit einer Umschuldung geholfen werden. Beim Weltgebetstag wird eine Unterschriftenaktion gestartet, mit der die Bundesregierung aufgefordert werden soll, mit einem Teil der Schulden ein Gesundheitsprogramm zu finanzieren. Die Listen können auch online unterschrieben werden. Daran kann sich jeder beteiligen. Damit aber 2020 wirklich zum „Erlassjahr“ werden kann, müssen bis zum 30. April dieses Jahres wenigstens 50.000 Unterschriften zusammen kommen, die der Bundesregierung übergeben werden sollen. Für das Erlassjahr und faire Finanzbeziehungen weltweit kämpft seit Jahren auch eine Kampagne.

Nur Rechte auf dem Papier

Wenn die Frauen in vielen Kirchengemeinden des Kirchenkreises Haldensleben-Wolmirstedt und darüber hinaus am Abend des 6. März oder auch am Sonntagvormittag, am 8. März, zusammen kommen, dann erfahren sie viel über das Leben der Frauen in Simbabwe. Die Frauen in diesem afrikanischen Land haben zwar Rechte auf dem Papier, so erzählte Daniela Merz beim Vorbereitungstreffen. Die Realität sieht aber anders aus. Ein spezielles Programm soll nun bei diesen Konflikten helfen, dafür werden die Kollekten beim Weltgebetstag gesammelt. Daniela Merz verwies aber ebenso auf Ubunto, auf den Gemeinschaftssinn, der die Grundlage dafür ist, dass sich die Frauen gegenseitig helfen und stärken.

Fröhliche und Mut machende Lieder werden am Weltgebetstag angestimmt. Und nach Liedern und Texten ist noch Zeit für individuelle Gespräche bei einem kleinen Buffet. Dazu werden süße und herzhafte Speisen nach Rezepten aus Simbabwe vorbereitet. Vieles davon könnte auch bei uns häufiger auf den Tisch kommen. Schwarzwälder Kirschtorte ist übrigens in Simbabwe besonders beliebt.