Kaffee

Wieglitzer erleben Wiener Caféhaus-Charme im Zelt

Ob der morgendliche Kaffee zum Wachwerden, zum zweiten Frühstück oder in aller Ruhe nach Feierabend – Kaffee ist nicht gleich Kaffee. Marianne Krassort gehört zu den Kennerinnen der Materie und begeisterte mit ihrem Gastspiel in Wieglitz viele Kaffeeliebhaber.

Von Carina Bosse 06.08.2021, 17:12
Für beste musikalische Kaffeehaus-Unterhaltung sorgte Nina Sinitsyna am Keyboard im Festzelt an der Schifferkirche.
Für beste musikalische Kaffeehaus-Unterhaltung sorgte Nina Sinitsyna am Keyboard im Festzelt an der Schifferkirche. Foto: Carina Bosse

Wieglitz - Kaffee genießen - mit allen Sinnen. Dass Kaffee nicht gleich Kaffee ist und schon gar nicht, wenn irgendein Päckchen davon im Supermarkt gekauft wurde, davon erzählte Marianne Krassort auf informative und unterhaltsame Weise in Wieglitz. Der Nachmittag stand ganz im Zeichen „Kaffee und Musik“.

Sie ist leidenschaftliche Kaffee-Sommeliere und als solche ein Gourmet auf dem Gebiet. Riechen und Schmecken sind wichtige Sinne, wenn es um die passende Röstung geht. Diese Sinne zu schärfen, hat sich Marianna Krassort Anfang in den 1990er Jahren aufgemacht und in Wien ihr nicht alltägliches Handwerk gelernt.

Als studierte Diplom-Ingenieurin für Maschinenbau stand sie damals nach der politischen Wende vor der Wahl, was sie künftig beruflich anfangen soll. Sie entschied sich für den Kaffee und für Wien mit seinen Kaffeehaustraditionen als Ort des Lernens.

Ihre Kaffeerösterei hat sie in Stendal genau dort eingerichtet, bei ihrem Elternhaus, wo sie selbst geboren wurde. „2004 erfüllte ich mir den Traum einer eigenen Rösterei“, sagte Marianne Krassort.

Ihr der Rösterei angeschlossenes Café hat sie mittlerweile in neue Hände gegeben, um sich ganz dem Entwickeln und Rösten von Kaffeemischungen zu widmen und jungen Kaffeeröstern ihr gesammeltes Wissen zu vermitteln.

Marianne Krassort ist mittlerweile nicht nur Kennerin der weltweiten Kaffee-Szene - sie ist auch eine gute Erzählerin, die es versteht, ihre Zuhörer in ihren Bann zu ziehen und auf eine weltweite Kaffeereise mitzunehmen. Für die Stendalerin, die daheim die eigene Manufaktur mit dem treffenden Namen „Kaffeekult“ betreibt, ist es wichtig, die richtige Bohne für jeden Geschmack zu finden und Ansprechendes selbst zu kreieren. Egal, mit was für einer Kaffeemühle, die Bohne sollte erst gemahlen werden, bevor sie zum Kaffee verarbeitet wird. Sie entfaltet ihr Aroma erst dann in der Tasse.

Kleine Dosen zum Kosten

Nach Wieglitz hatte die Sommeliere verschiedene Sorten mitgebracht, die sie den Gästen in kleinen Dosen anbot. Gern lässt sie andere an ihrem umfangreichen, im Laufe der Jahre stets vervollkommnetem Wissen teilhaben. So kam auch Angelika Huchel zur Bekanntschaft mit Marianne Krassort, während einer Veranstaltung in der Altmark.

Bei der Vorbereitung der Veranstaltung „Kaffee und Musik“ hatten sich die Wieglitzer große Mühe gegeben. Sammeltassen in verschiedenen Formen, Farben und Größen auf den Tischen wurden mit bunten Sommerblumen bestückt. Schon allein diese ungewöhnliche Nutzung diente als Blickfang.

Und fleißig gebacken wurde auch, denn was passt besser zu einer Tasse hervorragenden Kaffees als ein Stückchen Kuchen. Nicht nur Denni Nitzschke aus Calvörde hatte eine traumhafte Torte beigesteuert, auch viele private Bäckerinnen hatten in ihren Küchen ganze Arbeit geleistet und das Buffet üppig bestückt.

Viele Hände halfen beim Einschenken des Kaffees und beim Servieren des Kuchens. Auch ein kleiner Regenschauer konnte die gute Stimmung des Nachmittages an der Schifferkirche nicht trüben.

Den gelungenen Nachmittag rundete Musikerin Nina Sinitsyna am Keyboard ab. Wer die Augen einen Moment geschlossen hielt und sich neben dem leisen Klappern der Kaffeetassen und Kaffeelöffel allein auf die Musik konzentrierte, konnte sich getrost in die Wiener Caféhaus-Atmosphäre hineinversetzt sehen.

Übrigens waren die mitgebrachten Kaffeegedecke ebenso eine Augenweide wie jene, die von den Wieglitzer Frauen liebevoll mit Blumen bestückt worden waren.