Haldensleben l „Je länger es leer bleibt, desto mehr verfällt es“, sagt Dieter Bollmann. Die Worte des Haldenslebers, der nicht nur Heimatforscher ist sondern auch an Chroniken über die Stadt beteiligt war, könnten auf jedes sanierungsbedürftige alte Haus zutreffen. Sie gelten jedoch einem bestimmten Gebäude, das eines der ältesten in Haldensleben ist: das Ratsfischerhaus an der Stendaler Straße 15.

Wie von Dieter Bollmann zu erfahren ist, wurde das Ratsfischerhaus bereits um 1600 erbaut und hat alle Brände und Krisenerscheinungen der Stadt Haldensleben überstanden. Es war seit 1766 für fast zwei Jahrhunderte im Besitz der Familie Reps, ist deshalb auch als „Reppsches Haus“ bekannt. Im Jahr 1937 wurde das Haus an den Schuhmachermeister Gustav Lange verpachtet, ein Jahr zuvor allerdings noch einmal komplett saniert.

Mehrere Besitzer nach der Wende

Der Kaufmann und Heimatforscher Hermann Bolms schrieb in der Beilage zum „Wochenblatt“ 1936 über das Ratsfischerhaus: „ Im neuen Schmuck steht das alte schöne Haus nun da! Es entbietet allen, die durch das Stendaler Tor hereinkommen und hier Einkehr halten wollen, ein freundliches Willkommen...“. Der damalige Bürgermeister Ernst Wolter hatte aus den städtischen Mitteln einen Zuschuss bereitgestellt, der Malermeister Schwarze hatte die Malerarbeiten gesponsert, die Leitung der farbigen Ausführung des Anstriches lag in den Händen des Kunstmalers Uffrecht.

„Nach einer langen Zeit des Leerstandes wurde das Haus im Jahre 2002 an einen Bewerber aus dem Bördekreis verkauft. Es war schon gezeichnet von Verfall und Zerstörung.Auch nach dem Verkauf setzte sich der Verfall des Hauses fort, denn der Käufer dachte nicht daran, seiner Verpflichtung zum Erhalt und zum Ausbau nachzukommen, so verwandelt sich das alte Haus gegenwärtig vor aller Augen in eine hässliche Ruine“, sagt Dieter Bollmann heute.

Er beobachtet den Verfall des Ratsfischerhauses in der Stendaler Straße 15 schon seit Jahren mit Sorgen und fragt sich, ob man diesen nicht stoppen kann. Auch in der Haldensleber Stadtverwaltung hat der passionierte Hobby-Historiker bereits mehrfach vorgesprochen. Hier weiß man um die Problematik, kann allerdings nicht allzu viel dagegen tun. „Nach der Wende hat das Ratsfischerhaus mehrmals den Besitzer gewechselt“, informiert Bauamtsleiter Holger Waldmann auf Volksstimme-Anfrage. Er bestätigt auch, dass das Fachwerkhaus aufgrund seiner historischen Bausubstanz denkmalgeschützt ist. Über den aktuellen Besitzer darf Holger Waldmann allerdings keine Auskunft geben.

Stadt bemüht sich um Kontakt

Dieter Bollmann erzählt, was er weiß: Der jetzige Besitzer habe seines Wissens das Haus gekauft, aber nie vollständig bezahlt. Deshalb rücke demnächst eine weitere Versteigerung in den Bereich des Möglichen. Holger Waldmann bestätigt diese Information zwar nicht, verneint sie aber auch nicht. Er gibt aber Auskunft zum generellen Umgang der Stadtverwaltung mit Privateigentümern, die Häuser wie das Ratsfischerhaus erwerben und sanieren möchten.

„Wir haben natürlich auch ein Interesse daran, dass stadtbildprägende und historische Häuser in Haldensleben erhalten bleiben und wieder hergerichtet werden. Unsere Türen sind deshalb immer offen, wenn es um das Beantragen von Fördermitteln und Fragen zum Denkmalschutz gibt“, sagt der Bauamtsleiter.

So bemühe sich die Stadt rege um Kontakt zu Privateigentümern, die die schwierige Aufgabe der Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes auf sich nehmen möchten. Auch mit dem Eigentümer des Ratsfischerhauses sei die Stadt in Kontakt getreten. Bisher aber ohne Erfolg, wie Dieter Bollmann bedauert. Er zitiert den Mitarbeiter der Sachsen-Anhaltinischen Landesentwicklungsgesellschaft Horst Müller, der bis 2017 in Haldensleben tätig war, bei dessen Abschied in den Ruhestand: „Schön wäre es, wenn eine Sanierungsmöglichkeit für das Ratsfischerhaus gefunden werden könnte, dieses Haus ist ein Bonbon, saniert hätte es fast den Rang eines Kühneschen Hauses.“

Holger Waldmann untermauert unterdessen das Interesse der Verwaltung, das Ratsfischerhaus zu erhalten. Sollte das Haus wirklich einmal wieder versteigert werden und sich niemand dafür interessieren, würde sich die Stadt sicherlich darum bemühen, verrät der Bauamtsleiter. „Zumindest, um das Gebäude erstmal zu sichern und nicht dem weiteren Verfall preiszugeben“, sagt er.