Kathendorf l Die Zweitakt-Crew in Kathendorf und deren Freunde bleiben ihrer altgedienten DDR-Zweirad-Technik treu. Die Simson Schwalbe ist längst Kult. Wer eine besitzt, legt bei Reparaturen meistens selber Hand an. Deshalb kurven einige Kathendorfer auch heute noch mit ihren nostalgischen Zweirädern im Tiefflug durch die Region.

Mit nostalgischen PS-starken Zweirädern sowie mit Trabis und anderen Fahrzeugen wollen Oldtimerfreunde auf Einladung der „Zwei-Takt-Crew“ im Konvoi durch die Gegend heizen. „Unsere Kampfpanzer sind bereit“, verkünden die tollkühnen Ritter der Crew und zeigen ihre DDR-Roller KR 51 – besser bekannt als Simson Schwalbe. Immer mehr Mopeds, Motorräder und einige Trabis rollen 2019 auf den Sportplatz in Kathendorf.

Idee entstand auf Weihnachtsmarkt

Die Idee zu dieser Ausfahrt entstand vor sechs Jahren auf dem Weihnachtsmarkt. Die älteren Kathendorfer schlugen vor, dass sie auch mal gemeinsam etwas unternehmen. Um ein Haar wäre der Plan verpufft, aber dann kam der junge Michael Sprenger, der selbst einige Schwalben in seinem Stall hat, dazu. Er ist der Chef der Crew, zu der inzwischen 29 Männer und eine Frau, Laura Schütte, die eine Simson S51 fährt, gehören.

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Während bei der ersten Tour 17 Piloten ihre nostalgischen Zweiräder gesattelt hatten, waren es 2016 schon 82 Mopeds und Motorräder, 2017 stieg die Teilnehmerzahl auf 185 und im Jahr 2018 waren es 302 Biker, die ihre Liebhaberstücke bei der Ausfahrt präsentierten. 2019 stehen Frauen und Männer mit 395 Mopeds und Motorrädern sowie mit 31 Autos bereit. Kurz vor dem Start zieht Michael Sprenger sein Fazit: „Das Wetter passt. Die Leute sind super gut drauf. Los geht es!“

Überall auf der 50 Kilometer langen Tour, die von Kathendorf über Weferlingen, Flechtingen, Calvörde und zurück führt, stehen Passanten und winken der alten Garde zu. Einen tosenden Beifall bekommen bei der Ankunft auf dem Sportplatz in Kathendorf die Ordner, die während der Tour alles unter Kontrolle hatten.

Kräftemessen beim Motorweitwurf

Auf dem Gelände präsentieren die „Schrauber“ ihre Schmuckstücke. Das Publikum selbst darf per Stimmzettel entscheiden. Auf den ersten Platz in der Kür „Schönstes Moped“ fährt Erik Wipper mit seinem Simson Star. Er darf den Wanderpokal mit nach Ostingersleben nehmen. In der Schönheitsschau der Motorräder siegt Nick Bruer mit seinem DKW-Motorrad. Auch dieser Wanderpokal wird in Ostingersleben thronen. Beim Motorweitwurf siegt Norman Schulz. Der Flechtinger wirft den Motor einer Simson S50 10,50 Meter weit. Vermutlich die weiteste Anreise hat Andreas Schulz aus Falkensee bei Berlin auf seiner MZ 250.

Verrückte Wettbewerbe

Höhepunkt sind die etwas verrückten Wettbewerbe. „Zum ersten Mal haben wir eine Brennplatte, wo verschiedene Teilnehmer ihre Reifen runterbrennen können“, beschreibt Sprenger und zeigt auf den dicken Qualm, der in der Abendsonne hochsteigt. Das Trabi-Pulling ist ein neu ausgedachtes Spiel, bei dem ein Trabant 20 Meter gezogen werden muss. Stefan Herrmann aus Ostingersleben schafft dies in der kürzesten Zeit und gewinnt das Kräftemessen.

Am Rand des Geschehens gibt es unter den „Schraubern“ Benzingespräche. „Die Marke Simson lebt weiter. Das Inte-resse ist bei großen und kleinen Moped-Fans groß“, zieht der Kopf der Crew Bilanz. Auch im nächsten Jahr soll es das Treffen wieder geben. Die Crew ist sich einig: „Wir wollen dann die 400 Teilnehmer-Marke knacken.“