Havelberg l „What‘s your name? „How are you“ – Fragen auf Englisch, mit denen sich Lucy, Janice und Laura bei den Gästen aus fernen Ländern nach Namen und Befinden erkundigen. Die Weihnachtstafel im Jugendzentrum ist reich gedeckt mit Naschereien, Tee, Kakao und Kaffee. Es ist seit Jahren gute Tradition, in den Weihnachtsferien nachmittags gemütlich zusammenzusitzen und zu plaudern.

Der Leiter des Havelberger Juze Rolf Müller begrüßt alle Gäste. Elisabeth Hanbury, die vom DRK aus die Flüchtlinge mit betreut und von allen Lilly gerufen wird, übersetzt ins Englische. Ahmed ins Arabische. Die jugendlichen Flüchtlinge, die vom DRK in der Durchgangseinrichtung in der Genthiner Straße betreut werden, kommen seit acht Wochen jeweils dienstags- und donnerstagsvormittag in die Einrichtung und nutzen gern die diversen Spielmöglichkeiten. In den Ferien sind sie nun auch zur Kaffeetafel eingeladen. Möglich wird dieses tägliche Miteinander, das außer an Feiertagen und Wochenenden jeweils um 16 Uhr beginnt, durch Sponsoren und Mitglieder des Juze-Fördervereins, die Gebäck und Getränke sponsern. „Die Plätzchen haben die Kinder und Jugendlichen selbst gebacken“, erklärt Rolf Müller.

Die jugendlichen Flüchtlinge wurden an zwei Adventssonntagen auch schon in der Domkurie „D8“ mit hiesigen Traditionen zur Weihnachtszeit vertraut gemacht.

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Vertrauen aufgebaut

Anne Boy, Martha Zitzow und Diana Lucht aus der Töpferei am Dom luden sie zum Plätzchenbacken ein. Sie wollten ihren eigenen Willkommensgruß anbieten und haben damit viel Freude bereitet. Die Gäste auf diese Weise in der Stadt willkommen zu heißen und ihnen damit ein Stück unserer Kultur näherzubringen, ist gelungen. Das erste Treffen verlief noch etwas verhaltener, man kannte sich nicht, die Flüchtlinge waren noch zurückhaltend. Aus diesem ersten Kontakt hatte sich aber eine Begegnung zu einem arabischen Kochabend ergeben, bei dem die jungen Leute gemeinsam mit ihrem Dolmetscher die Rezepte vorgaben. „Das hat richtig viel Spaß gemacht“, berichtet Anne Boy von Reisgerichten mit vielen exotischen Gewürzen, Hühnchen, Gemüse und Salaten. „Und es war viel lockerer, weil wir uns ja schon kannten“, sagt Martha Zitzow.

So verlief dann auch der zweite Backtag in der Domkurie des Vereins „denkMal und Leben“ viel lockerer. Die drei Frauen nutzten diese Einrichtung, um sie den Jugendlichen gleichzeitig als offenes Haus vorzustellen, in dem zum Beispiel auch getöpfert werden kann. Mit Deutsch, Arabisch, Englisch, Händen und Füßen klappte die Verständigung ganz gut. Zwar hatte von den Einwohnern Havelbergs niemand die Einladung zu diesem gemeinsamen Kennenlernen angenommen. Dennoch wurde es ein friedlicher gemütlicher Nachmittag, bei dem so manches Naschwerk entstand.

„Ich finde an diesem Backtag besonders die Wiederholung sehr schön, denn dadurch kommt das Vertrauen zustande“, sagt Betreuerin Elke Franke, die mit Lilly Hanbury die jungen Leute begleitet hatte. Für die Jungs und das eine Mädchen, das derzeit mit in der Einrichtung wohnt, ist diese Art der Zuwendung ganz wichtig.

Derzeit leben elf Jugendliche in der Unterkunft in der Genthiner Straße, die aus Syrien, Afghanistan und Saudi-Arabien nach Deutschland gekommen sind. Sie bleiben auch über Weihnachten und den Jahreswechsel hier.