Funktionen der Biosphärenreservate

Seit 1976 werden nach den Leitlinien des internationalen Programms der Unesco „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB) Biosphärenreservate weltweit anerkannt. Ziel ist es, eine ausgewogene Beziehung zwischen Mensch und Biosphäre zu fördern und beispielhaft darzustellen.

Die Funktionen:

Schutz: Beitrag zur Erhaltung von Landschaften, Ökosystemen, Arten und genetischer Vielfalt.

Entwicklung: Förderung einer wirtschaftlichen und menschlichen Entwicklung, die soziokulturell und ökologisch nachhaltig ist.

Logistische Unterstützung: Förderung von Demonstrationsprojekten, Umweltbildung und -ausbildung, Forschung und Umweltbeobachtung im Rahmen lokaler, regionaler, nationaler und weltweiter Themen des Schutzes und der nachhaltigen Entwicklung.

Weltweit gibt es 669 Biosphärenreservate in 120 Ländern.

Havelberg l Eine Station für diese Qualitätskontrolle war in dieser Woche das Haus der Flüsse in Havelberg. Wenn es um Bios­phärenreservate geht, weiß Thomas Schaaf sehr gut Bescheid. Über 25 Jahre war er bei der Unesco in Paris weltweit in diesem Bereich verantwortlich tätig. In 120 Ländern gibt es 669 Biosphärenreservate. Eins davon ist das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe, das sich über Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein länder­übergreifend erstreckt. Mit einer Fläche von rund 126 000 Hektar ist das Biosphärenreservat Mittelelbe der in Sachsen-Anhalt liegende Teil. Es ist zugleich der Ursprung des Reservates, das 1979 als Biosphärenreservat Steckby-Lödderitzer Forst seine Anerkennung von der Uneso erhielt.

Der gesamte Bereich steht mit der Evaluierung nun auf dem Prüfstand. „Alle zehn Jahre findet diese Qualitätskontrolle statt“, erklärt Thomas Schaaf, der inzwischen Direktor eines Unternehmens ist, das solche Prozesse begleitet. Der Mensch und die Biosphäre stehen im Mittelpunkt. „Es geht in den Biosphärenreservaten, die Modellregionen sind, um das Beziehungsgeflecht zwischen Mensch und Natur, schließlich leben, arbeiten und wirtschaften Menschen in diesen Gebieten.“ Geschaut wird, ob die Reservate im Sinne des Naturschutzes und der Nachhaltigkeit funktionieren.

Die Besonderheit der „Flusslandschaft Elbe“ ist die Lage in fünf Bundesländern, was zugleich eine Herausforderung darstellt, dass alle die gemeinsame Zielsetzung verwirklichen. Die Evaluierung ist ein langer Prozess, der rund anderthalb Jahre in Anspruch nimmt. Der Fragenkatalog ist lang. „Ein wichtiger Faktor ist, wie die Bevölkerung eingebunden ist“, sagt Thomas Schaaf. „Es ist ein ständiger Dialog, die Mitarbeiter arbeiten zu, schicken viel Material, es finden Bereisungen statt.“ Zu Wochenbeginn war der Fachmann mit Vertretern der Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe in Oranienbaum verabredet.

Partnerbetriebe erwünscht

Am Dienstag besuchte er im Norden Sachsen-Anhalts das Haus der Flüsse in Havelberg. Mit dabei der stellvertretende Leiter der Reservatsverwaltung Peter Dornbusch, Mitarbeiterin Andrea Winger sowie Armin Wernicke von der Außenstelle in Ferchels, der das Projekt Haus der Flüsse von Anbeginn begleitet hat. „Ich bekomme von den Mitarbeitern sehr gute Informationen. Was ich bislang gesehen habe, ist sehr positiv, man sieht die Motivation, das ist sehr erfreulich“, sagte Thomas Schaaf. Weltweit gesehen gibt es auch schwarze Schafe und die Nichterfüllung der Kriterien könnte zur Aberkennung des Titels führen. Das ist in Deutschland nicht zu erwarten. Es geht bei der Evaluierung in erster Linie darum, Stärken und Defizite aufzuzeigen.

Der Anspruch des Biosphärenreservates Mittelelbe ist es, die Auenlandschaft als einmalige Kulturlandschaft mit ihrem vielfältigen Naturraum zu schützen und die Menschen mitzunehmen. Dafür gibt es finanzielle Unterstützung von Bund und Land. Bei der letzten Evaluierung war kritisiert worden, dass in der Landeshauptstadt Magdeburg nicht viel vom Biosphärenreservat zu sehen ist. Deshalb wurde 2012 im Foyer der Denkfabrik im Wissenschaftshafen eine selbsterklärende Ausstellung zum Biosphärenreservat eingerichtet und eine Infostelle wird etabliert, erklärte Peter Dornbusch.

Mit dem Haus der Flüsse in Havelberg ist 2015 das neueste und aktuellste Infozentrum entstanden. Der Fokus wurde in den vergangenen Jahren zudem auf das Partnerbetriebssystem gelegt, um den Gemeinschaftssinn entlang der Elbe zu fördern. In Sachsen-Anhalt gibt es rund 20 Partnerbetriebe. In Havelberg gehören die Campinginsel, das Arthotel, das Bilderbuchcafé, die Töpferei am Dom und das Erlebnispädagogische Centrum ELCH dazu, in Klietz das Landgut-Hotel „Seeblick“. Diesem Thema ist eine Station im Haus der Flüsse gewidmet. Dort sind auch Produkte der zertifizierten Partnerbetriebe ausgestellt.