Stölln l Wer die „Lady Agnes“ zum ersten Mal besucht und sich an Bord den Film über die Landung der IL 62 am 23. Oktober 1989 anschaut, fiebert mit, staunt über die Leistung, die Flugkapitän Heinz-Dieter Kallbach gemeinsam mit seiner Crew da vollbracht hatte. Aber auch, wer den Film schon mehrfach gesehen hat, bekommt immer wieder Gänsehaut. Auf dem ältesten Flugplatz der Welt am Gollenberg in Stölln war eine Iljuschin, die sonst zu großen internationalen Flughäfen unterwegs war, auf dem Acker gelandet. Auf einer nicht mal 900 Meter langen Landebahn.

Um dieses Langstreckenpassagierflugzeug sicher zu landen, ist normalerweise eine 2500 Meter lange Betonpiste erforderlich. Man machte sich Gedanken, wie das Gewicht des rot-weißen Vogels von 83 auf 75 Tonnen reduziert, der Boden verfestigt werden kann. Auch das Wetter musste stimmen. So kam es, dass zwei Termine für die Überführung der ausgemusterten IL 62 von Berlin aus wegen Nebel verstrichen und erst am 23. Oktober um 13.03 Uhr die Maschine nahe dem Gollenberg aufsetzte. Alles zu sehen in dem Film, der in der „Lady Agnes“ den Besuchern im Passagierraum gezeigt wird.

Es sei denn, es findet eine Hochzeit statt. Gut 950 sind es bisher gewesen. Das Standesamt wurde neu hergerichtet, wie alles im Innenraum der Lady, die den Namen von Otto Lilienthals Frau erhielt. Auch außen wurde sie restauriert. Über den Luftfahrtpionier gibt es im Film auch viel zu erfahren, ebenso im Lilienthal-Centrum mitten im Dorf. Der Gollenberg hatte es dem Berliner Ingenieur angetan. Ende des 19. Jahrhundert kam er an den Wochenenden für seine Flugversuche in das Dorf. Dort stürzte er am 9. August 1896 aus einer Höhe von 17 Metern ab und starb tags darauf in einer Berliner Klinik aufgrund der schweren Rückenverletzungen im Alter von 48 Jahren.

Bilder

Ausstellung zur Fliegerei

Im 2011 eröffneten Lilienthal-Centrum erfahren die Besucher viel über das Leben des Mannes und die Entwicklung der Fliegerei. Im „Aviarium“, dem großen Vogelhaus, geht es um Vögel im Flug. Abbildungen zeigen das Interesse Lilienthals an der Natur und seine Neugier. Die genauen analytischen Beobachtungen hält der Forscher in seinem Buch „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst“ fest. In der „Werkstatt“ wird deutlich, wie Lilienthal in seinem Atelier an Flugapparaten tüftelte, sie im Garten ausprobierte und veränderte. Die „Wand der Flieger“ zeigt filigrane Flugapparate. „Zwei Brüder“ informiert darüber, was Otto Lilienthal und sein Bruder Gustav Neues erfanden und patentieren ließen, um die Experimente finanzieren und sich den Traum vom Fliegen erfüllen zu können. Das „Pop-Up-Lexikon der Luftfahrt“ zeigt die wichtigsten Erfindungen des Fliegens: vom asiatischen Drachen, über Heißluftballons der Gebrüder Montgolfier und Lilienthals Flugversuche bis hin zu Apollo 11, dem Mensch auf dem Mond.

Das Landefest am Sonnabend, 27. Oktober, beginnt um 13.03 Uhr mit einer Festansprache am Flugzeug durch den Piloten Heinz-Dieter Kallbach, der um 14.30 Uhr sein Buch „Mayday über Saragossa“ signiert. Um 15 Uhr folgt die Versteigerung eines Flugzeugsitzes, um 15.30 Uhr eine Filmvorführung im Airport Stölln. Wetterabhängig gibt es Rundflüge mit Segelflugzeugen, Drachenfliegertreffen und Traktorrundfahrten.