Havelberg l Der 31. März am Dienstag war für viele Menschen Zahltag. Der Tag, an dem sie entweder direkt oder kurz darauf zur Sparkasse gehen, um sich Bargeld abzuholen. Das ist in Havelberg zurzeit nicht möglich. Die Geschäftsstelle der Kreissparkasse Stendal ist wegen der Corona-Krise geschlossen. Ein Unding, wie zum Beispiel Conny Kober findet.

Die Havelbergerin ist Berufsbetreuerin, kümmert sich um Menschen, die etwa wegen einer geistigen Behinderung, einer psychischen Erkrankung oder wegen Demenz rechtlich betreut werden. Diese Menschen haben in der Regel keine EC-Karte, mit der sie am Automaten Geld abholen können, sondern eine Sparkassenkarte, mit der sie am Schalter Bargeld bekommen. „Schon seit Tagen bekommen ich und auch die anderen drei Berufsbetreuer, die hier in Havelberg tätig sind, Anrufe von unseren Betreuten. Sie wissen nicht, wie sie an Bargeld kommen sollen“, berichtet Conny Kober.

Eine Variante wäre, nach Tangermünde zu fahren, um dort das Geld abzuholen. Doch kann das aus ihrer Sicht nicht die Lösung sein. Abgesehen davon, dass derzeit alle Menschen angehalten sind, möglichst zu Hause zu bleiben und Kontakte zu meiden, würde das für die Betreuten extra Ausgaben bedeuten. „Ich finde das gemein. Die Gelackmeierten sind wieder die Kleinen, die eh schon nichts haben.“

Sie versteht nicht, weshalb der einstige Kassenschalter in der Geschäftsstelle der Sparkasse nicht wenigstens für eingeschränkte Bankzeiten genutzt werden kann. Die Glasscheibe dürfte ausreichend Schutz für Mitarbeiter und Kunden bieten. Terminabsprachen wären eine andere Variante.

Kein Einlenken

Eine Lösung, wie ihre Betreuten – jeder hat um die zehn – nun an Geld kommen, hat sie noch nicht. Eine Überlegung ist, Geld vom Konto des Betreuten auf das eigene umzuleiten und das Geld dann abzuholen. Das würde sie jedoch mit dem Gericht genau abgeklärt haben wollen, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.

Auch etliche ältere Menschen gehen lieber zur Bank, um sich für den Monat Geld abzuholen. Sie scheuen die Automaten, trauen sich die Bedienung nicht zu. Der Havelberger Michael Jurjanz hatte sich diesbezüglich an die Volksstimme gewandt und gefordert, dass die Kreissparkasse doch auch an diese Menschen denken sollte. Sein Unverständnis über die Schließung hat auch Havelbergs Bürgermeister Bernd Poloski gegenüber dem Geschäftsführer kund getan. Jedoch ohne Erfolg.

Die Volksstimme fragte bereits am vergangenen Donnerstag bei der Kreissparkasse nach, weshalb die Geschäftsstelle in Havelberg geschlossen wurde. Ostelbisch gibt es aktuell keine geöffnete Geschäftsstelle. Die nächste befindet sich in Tangermünde. In Stendal sind zwei geöffnet, eine weitere in Osterburg. Am Freitag kam die Nachricht von der Sparkasse, die Fragen doch per E-Mail zu schicken. Eine Antwort kam am späten Montagnachmittag.

Da diese nicht sehr aussagekräftig war, gab es nach ausbleibendem Rückruf am Dienstag eine erneute schriftliche Anfrage. Damit sich jeder selbst ein Bild machen kann, sind hier die Fragen und die Antworten der Sparkasse wiedergegeben:

Die Volksstimme fragte am Freitag: Weshalb wurde die Geschäftsstelle in Havelberg geschlossen, wo doch der Weg zu einer nächsten Filiale rund 50 Kilometer weit ist? Wie kommen Menschen an Bargeld, die keine EC-Karte besitzen? Zum Beispiel geht es um betreute Menschen, die zum Zahltag am 31. des Monats normalerweise Bargeld am Schalter abholen? Aber es gibt auch ältere Bürger, die sich monatlich Bargeld abholen, weil sie den Bankautomat scheuen. Ist es möglich, wenigstens ein, zwei Auszahltage anzubieten? Der frühere Auszahlschalter in der Havelberger Geschäftsstelle hinter Glas müsste ja gut Schutz bieten. Und Abstand halten sollte auch möglich sein.

Oder macht der Sparkassenbus in Havelberg Station? Sorge haben Bürger auch, wann Überweisungen überhaupt erledigt werden – wie oft wird der Briefkasten geleert? Sind derzeit Mitarbeiter vor Ort in der Havelberger Geschäftsstelle?

Was ist zum Beispiel mit Gewerbetreibenden, die jetzt angesichts der Corona-Krise ein Problem mit ihrer Bank klären müssten?

Die Antwort der Sparkasse am Montag:

„Die Kreissparkasse Stendal stellt sich ihrer Verantwortung und handelt in diesen außergewöhnlichen Zeiten verantwortungsvoll im Interesse ihrer Kunden/innen und auch ihrer Mitarbeiter/innen. Dabei kann es leider bei Einzelnen zu Beeinträchtigungen in einigen unserer Standorte kommen. Wichtig ist, die Grundversorgung unter den vorgegebenen staatlichen Maßnahmen aufrecht zu halten und direkte menschliche Kontakte, wo es möglich ist, auch zu vermeiden. In allen Geschäftsstellen stehen weiterhin vollumfänglich alle unsere SB-Geräte zur Verfügung. Unser leistungsstarkes KundenServiceCenter haben wir nochmals verstärkt, um eine schnelle und unkomplizierte Erreichbarkeit für unsere Kunden zu gewährleisten.

Zusätzlich haben wir weiterhin vier Geschäftsstellen für den Kundenverkehr geöffnet und somit alle uns zur Verfügung stehenden Kapazitäten ausgenutzt. Auch unser Sparkassenbus verkehrt nach wie vor und hält die Grundversorgung im ländlichen Raum dort aufrecht, wo es eben keine Automaten gibt. Mit alle dem tragen wir verstärkt dazu bei, die Anzahl der direkten Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren und folgen somit den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. In allen vorübergehend geschlossenen Geschäftsstellen erfolgt die Leerung des Briefkastens täglich. Überweisungsaufträge etc. werden somit zeitnah bearbeitet.

Alle Frage beantwortet

Wir möchten an dieser Stelle noch den Hinweis geben, dass eine Bezahlung mit der kontaktlosen Bezahlfunktion der SparkassenCard oder per Handy dringend zu empfehlen ist. Durch diese Bezahlmöglichkeit schützen wir die Kassiererinnen und Kassierer in den Supermärkten und auch Sie sich selbst. Für eine Kartenbestellung oder die Einrichtung der kontaktlosen Bezahlfunktion steht ebenfalls unser kompetentes KundenServiceCenter gerne zur Verfügung.

Ein weiterer aktueller Schwerpunkt liegt darin, die notwendigen Kreditgewährungen umzusetzen, um den Wirtschaftskreislauf in Gang zu halten und der Gefährdung von Arbeitsplätzen entgegen zu wirken. Auch wir freuen uns, wenn wir nach Beendigung der staatlichen Maßnahmen wieder in den Normalbetrieb zurückkehren und Ihnen den gewohnten und üblichen Service vor Ort bieten können.“

Die Bitte nach detaillierten Antworten und die ergänzende Frage der Volksstimme lautete am Dienstag: „Die Antwort ist überhaupt nicht zufriedenstellend, entspricht bis auf den Hinweis, dass der Briefkasten täglich entleert wird, mehr oder weniger dem, was Sie auf Ihrer Internetseite haben. Ich hätte mir konkretere Antworten gewünscht und zum Beispiel auch den Hinweis, ob der Sparkassenbus auch nach Havelberg fährt und wenn ja, wann.“

Die Antwort der Sparkasse: „Wir haben Ihnen ausführlich aus unser Sicht geantwortet und alle wichtigen Punkte aufgeführt.“