Sandau/Schollene l Einfach ist es in diesen Wochen nicht – sowohl für die Pflegebedürftigen als auch die Mitarbeiter. „Wir machen das Beste aus der Situation“, sagen die beiden Einrichtungsleiterinnen Cerstin Franke in Sandau und Marika Jaworsky in Schollene. Oberstes Gebot: Das Coronavirus draußen zu halten und den Bewohnern bei all den Einschränkungen eine gute Zeit zu bereiten, um von Sorgen und Vermissen der Angehörigen abzulenken.

Für die 58 Bewohner im Sandauer Caritas Alten- und Pflegeheim gilt genau wie in allen anderen Häusern seit Mitte März striktes Besuchsverbot, Kontakt zu Kindern und Enkeln gibt es nur via Telefon und Post. „Unsere Bewohner sind besorgt, haben aber Verständnis für die Regeln, wissen sie doch, dass sie zur Risiko-Gruppe gehören.“ Cerstin Franke berichtet am Volksstimme-Telefon, dass gerade eine ältere Dame zu ihrer Tochter sagte: „Hier ist alles in Ordnung. Bleibt zu Hause und gesund!“ Sie machen sich also mehr Sorgen um die Familie als um sich selbst. Zusammengerechnet 60 Mitarbeiter kümmern sich in Sandau darum, dass der Alltag halbwegs normal verläuft. Zwischen den Wohnbereichen gibt es nun keine Kontakte mehr, alle Mitarbeiter tragen Mundschutz. Kommt ein Bewohner aus dem Krankenhaus zurück, muss er in zweiwöchige Quarantäne, wofür extra ein Bereich hergerichtet ist. Bei Neuaufnahmen muss ein Arzt bestätigen, dass es keine Anzeichen einer Infektion gibt. Die Mitarbeiter beobachten die Bewohner intensiver als sonst. Es gab auch schon Corona-Tests – alle negativ, bei den Sympthomen handelte es sich um normale Infekte. Cerstin Franke berichtet, dass die Mitarbeiter im Sandauer Heim stresserprobt sind, mussten sie doch schon zwei Ausnahmesituationen meistern, als das Haus wegen drohender Flut 2013 und 2002 evakuiert wurde.

Das traf 2013 auch auf das nahe der Havel gelegene Schollener Seniorenpflegeheim zu. An der Eingangstür prangt jetzt eine großes Stopp-Schild. Zutritt haben nur die über 30 Mitarbeiter und der Arzt, Lieferungen werden vor dem Haus übergeben, alle Therapien sind vorläufig abgesagt. Die Bewohner, 42 insgesamt, können vor die Tür gehen und sich auf dem Gelände aufhalten, Spazieren durchs Dorf ist nicht mehr möglich. Ansonsten hat sich am Alltag im Haus nicht viel geändert. Nur gibt es keine Kontakte mehr zwischen den Wohngruppen, im Frisörstübchen richten nun die Pflegekräfte die Haare der Bewohner und es gibt noch öfters als sonst die Lieblingsspeisen der Bewohner. „Sie sollen sich wohl fühlen, auch wenn ihnen natürlich der Kontakt nach draußen fehlt.“

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Geburtstag mit Seniorenwohnpark-Familie

Deshalb werde auch an Traditionen wie dem Geburtstagfeiern festgehalten. Vor wenigen Tagen ist Günter Heinze 90 Jahre alt geworden. Das Fest wollte er eigentlich auch mit den Kinder und dem Rest der Familie feiern – verschoben auf den Sommer. Gefeiert wurde dennoch – mit seiner Seniorenwohnpark-Familie in Schollene, wo er seit sechs Jahren lebt. Aus Schönhausen kommend, folgte er seinerzeit seiner Ehefrau ins Heim, wo beide die letzten Jahre bis zum Tod seiner lieben Frau gemeinsam verlebten. Jetzt verbringt er die Zeit gemeinsam mit Mitbewohnern bei den täglichen Zeitungsrunden, Betreuungsangeboten und gern auch Hörspielen, bei schönem Wetter genießt der Jubilar die kleinen Spaziergänge im Garten. „Es ist schön anzusehen, wenn sich auch im späteren Lebensabschnitt noch Freundschaften bilden“, berichtet Marika Jaworsky. Zum Geburtstag gratulierten ihm, natürlich mit dem nötigen Sicherheitsabstand, die Bewohner und Mitarbeiter. Betreuerin Dagmar Leutlof organisierte eigens einen Zirkus, dem sie als Clown angehörte. Lustige Darbietungen und Gesang, in den der Bewohnerchor einstimmte, waren die Geburtstagsüberraschung.

Soviel Normalität wie möglich soll im Pflegeheim herrschen. „Natürlich sind die Bewohner besorgt, schauen sie doch Nachrichten und lesen Zeitung beziehungsweise bekommen sie vorgelesen. Wir reden auch über das Thema und versuchen, sie so gut wie möglich abzulenken.“

Dank dem Mitarbeiterteam

Marika Jaworsky und Cerstin Franke sind ihren Mitarbeitern – viele von ihnen seit Jahren dabei – unendlich dankbar. Denn für sie ist die Belastung doppelt groß – müssen sie ihre Arbeit mit noch mehr Mühe als sonst meistern und auch zu Hause in der Freizeit mit all den Einschränkungen zurecht kommen und noch ein bisschen mehr als alle anderen darauf achten, sich nicht mit Corona anzustecken.

Nun steht Ostern vor der Tür. Wie immer ist die Dekoration in den Pflegeheimen mit viel Liebe hergerichtet, Festtags- essen steht auf dem Speiseplan. Das Wetter ist schön – zu Fuß, mit Rollstuhl und Rollator geht es raus in den Garten. Das vertreibt trübe Gedanken und schürt Hoffnung, dass man seine Lieben bald wieder in den Arm nehmen kann.