Havelberg l Seit vor fast auf den Tag genau sieben Jahren in Havelberg der Konsum in der Langen Straße 36, der da immer noch Gielke genannt wurde, in Havelberg schloss und zum letzten Mal Milch und Brötchen über den Ladentisch gegangen sind, hat es in dem einstigen Ladengeschäft schon einige Ausstellungen und Veranstaltungen gegeben. Das Kulturprojekt Stadtinsel hatte die Räumlichkeiten schon einige Jahre dafür genutzt. Dennoch ist die neue Ausstellung eine besondere.

Der Berliner Künstler Heinz Sporkhorst hat das Haus gekauft und will es gemeinsam mit Britta Lehmann zu einem Kunst- und Kulturtreffpunkt gestalten. Künstler aus der Region und aus dem Berliner Raum zum Beispiel können hier ausstellen und auch tätig werden. Denn neben Wohnraum für sich selbst und der Galerie ist auch an ein Atelier gedacht, in dem Kunstschaffende temporär tätig sein können. Heinz Sporkhorst hat sich damit nun in Havelberg sesshaft gemacht. „Ich habe immer noch ein Bein in Berlin“, sagt die Künstlerin Britta Lehmann. Zwar nicht mehr unter dem Dach des Kulturprojektes, aber nicht in Konkurrenz dazu soll das Haus der Kunst und Kultur gewidmet sein. „Wir sind offen für vieles. Das soll hier keine reine Gemäldegalerie sein. Denkbar sind Grafikmessen, Lesungen und Theaterspiele“, blickt Britta Lehmann voraus.

Bevor das Haus komplett nutzbar ist, gibt es noch einiges zu tun. Dach und Treppenhaus müssen saniert werden, die Sockelfassade benötigt einen Neuanstrich, auch das historische Eingangstor soll aufgearbeitet werden, so Heinz Sporkhorst.

Mit der Vernissage zur Ausstellung „Adam entdeckt die Welt“ wurde die „Galerie Stadtinsel“ neu eröffnet. Zu sehen sind Werke des Künstlers Michael Pomplun. Es sind ganz besondere Arbeiten, die es so noch nicht gegeben hat, wie der gebürtige Hannoveraner, Jahrgang 1954, sagt. Der Untertitel „Interferenzen, Kompositionen, Ausbelichtet“ gibt bereits Hinweise.

Endlich genug Power

Grundlage für die allesamt 2018 entstandenen Bilder sind Werke, die er in den 1970er Jahren mit Ölfarben und Buntstift gefertigt hat. Seine letzte Ausstellung hatte er vor 40 Jahren. In Berlin studierte er Hochfrequenztechnik und Architektur, führte dann 30 Jahre lang ein Antiquariat, das er vor anderthalb Jahren aufgegeben hat. Die Idee, seine Bilder von damals als Basis für neue, am Computer erstellte Bilder zu verwenden, verfolgt er schon länger. „Doch musste ich warten, bis die Computer diese technischen Voraussetzungen bieten und endlich genug Power haben. Ende der 1990er Jahre hatte ich es schon mal probiert, aber da ging das noch nicht“, erzählt der Künstler, der vor 14 Jahre von der Stadt aufs Land gezogen und nahe Rhinow zu Hause ist. Er benötigt hoch auflösende Scanner und Rechner, die große Datenmengen verarbeiten können.

Michael Pomplun nimmt Details aus früheren Bildern und lässt mit ihnen, neu kombiniert, überarbeitet und überlagert, neue Bilder mit neuen Strukturen und Farben entstehen. Dabei verwendet er keinerlei Fremdmaterial und Effekte, betont er. So hat er Figuren am Computer kreiert, wie auch den Adam, der die Welt entdeckt. Entwickelt werden die Bilder auf Fotopapier, Raster sind keine zu erkennen. Von jedem Bild wird nur eine begrenzte Auflage hergestellt, je nach Bildformat 10 bis 30 Exemplare.

Ein Detail kann zum Beispiel nur ein Stück Farbe von einem Bild sein, das am Computer für ein neues Bild verwendet wird. „Es ist quasi eine Weiterentwicklung des Handwerkzeuges Pinsel“, erklärt der Künstler. 30 bis 40 Bilder von damals befinden sich noch in seinem Besitz. Weitere mit Buntstift und Pinsel gemalte sollen hinzu kommen.

Die Ausstellung in der „Galerie Stadtinsel“ in Havelberg ist seine erste in der Neuzeit, sagt Michael Pomplun. Geöffnet ist sie bis Ende Dezember freitags und sonnabends von 15 bis 18 Uhr. Terminvereinbarungen außerhalb dieser Zeiten sind unter 0162/510 31 97 oder 0172/381 76 00 möglich.