Denkmal

Bauarbeiten in der Domkurie in Havelberg, damit die Gartenidylle perfekt wird

Idyllisch ist es im Garten an der 300 Jahre alten Domkurie D8 in Havelberg. Damit die Idylle perfekt wird, gibt es zurzeit Bauarbeiten auf dem Areal.

Von Andrea Schröder 04.08.2021, 07:40
Ute Schröter freut sich auf eine reiche Kiwi-Ernte. Sie wachsen gut im Laubengang, der zum  rund 150 Jahre alten Pavillon führt, der als Standesamt dient. Der italienische Renaissancegarten   ist übrigens  Teil der Aktion „Offene Gärten“ der Gartenakademie.
Ute Schröter freut sich auf eine reiche Kiwi-Ernte. Sie wachsen gut im Laubengang, der zum rund 150 Jahre alten Pavillon führt, der als Standesamt dient. Der italienische Renaissancegarten ist übrigens Teil der Aktion „Offene Gärten“ der Gartenakademie. Foto: Andrea Schröder

Havelberg - Die Kiwis im Laubengang zeigen sich in diesem Sommer schon richtig groß. Das könnte eine gute Ernte werden, freut sich Ute Schröter. Die Vorsitzende des Vereins „denkMal und Leben“ – vor 13 Jahren gegründet, um die 1723 errichtete Domkurie vor dem Abriss zu retten – führt gern Besucher durch den italienischen Renaissancegarten. Rosen, Hortensien, blaue Kugeldisteln, Lavendel und anderes mehr blüht kräftig. Der Rasen zeigt sich in saftigem Grün. Ilse Luksch mäht ihn gerade. In diesem Jahr mit regelmäßig Regen wächst alles gut.

„Jetzt können wir endlich wieder Gruppen empfangen und auch Feiern anbieten. Ob Hochzeiten oder runde Geburtstage – die Gäste kommen gern zu uns“, berichtet Ilse Luksch von einem gut gefüllten Terminkalender. Seit Anfang Juni herrscht wieder richtig Leben an und in der Domkurie. Fünf Mitarbeiter sind in Teilzeit beschäftigt, eine Mitarbeiterin über eine geförderte Maßnahme. Während der Corona-Zwangspause waren sie in Kurzarbeit. Jetzt können sie neben der Pflege des Gartens zum Beispiel auch wieder Kuchen backen und Suppen kochen, die im D8-Café angeboten werden. Ohne den ehrenamtlichen Einsatz der Vereinsmitglieder wäre das alles nicht zu schaffen.

Peter Matke sichert die Steine aus dem alten Stallgebäude.
Peter Matke sichert die Steine aus dem alten Stallgebäude.
Foto: Andrea Schröder

Auch nicht die Bauarbeiten am ehemaligen Stallgebäude. Das soll als „Open Space“ (offener Raum) künftig zu einem Teil als zweiter Laubengang und somit vor Sonne geschützt für Sitzgelegenheiten dienen. Aus Stein gemauert, mit Fachwerk und einem grünen Dach. Schon der rein aus Kletterpflanzen entstandene Laubengang auf der gegenüber liegenden Gartenseite, an dessen Ende der historische Pavillon steht, wird gern zum Sitzen im Freien genutzt. Außer den Kiwis und Rosen wächst dort auch Blauregen.

Fördergelder aus dem Leader-Programm

Mit Fördergeldern aus dem europäischen Leader-Programm in Höhe von 53.000 Euro wird das alte Stallgebäude, in dem früher Schweine und Pferde untergebracht waren und ein Fuhrwerk stand, umgebaut. Im einem anderen Teil des Gebäudes werden Unterstellmöglichkeiten und Platz für die Werkstatt geschaffen, berichtet Ute Schröter. Wie es schon bei der Restaurierung des Fachwerkhauses in Lehmbauweise üblich war, wird das Baumaterial auch hier verwendet. Dana Döring und Peter Matke sichern die Steine, klopfen alten Mörtel ab. Auch Vorstandsmitglied Thomas Krispin zum Beispiel ist eine große Hilfe.

Das Corona-Jahr 2020 hat zum Umdenken geführt. Nachdem der Lockdown beendet war, strömten die Besucher in großen Zahlen in die D8. Als dann im Oktober/November wieder alles schließen musste, war Zeit zum Durchatmen. „Dieses Tempo hätten wir nicht lange durchhalten können“, blickt Ute Schröter auf die vielen Aufgaben, die der Verein zu stemmen hat. Deshalb wurde nun entschieden, das Café als Saisonbetrieb zu öffnen – von O bis O, von Ostern bis Oktober. „Wenn wir am 31. Oktober schließen, brauchen wir die Zeit zum Erholen und für Renovierungen“, berichtet Ute Schröter, dass es auch an dem Fachwerkhaus immer was zu tun gibt. So müssen zehn Jahre nach der Eröffnung im Jahre 2012 zum Beispiel die Lehmwände neu gestrichen werden.

Der Saal wird gern für Feiern gemietet. In der Galerie nebenan ist weiterhin die Ausstellung „Unsere Nachbarn – die Uhus“ mit Aufnahmen der Naturfotografen Elke Radeloff und Henrik Hempelmann zu sehen. Nachdem sie lange als fast ausgestorben galten, haben sich in den vergangenen Jahren wieder Uhus in Havelberg und Umgebung angesiedelt.

Stolz, auf eigenen Füßen zu stehen

Beliebt sind auch die vier Esel Ole, Blümchen, Hotte und Else. Schul- und Kindergartengruppen schauen sie sich gern an. Eselwanderungen werden angeboten. Gäste in der Ferienwohnung nutzen das zum Beispiel. Mädchen aus Havelberg kommen zum Füttern und Pflegen der Vierbeiner. Else ist die Jüngste des Quartetts, sie wurde genau an dem Tag geboren, als in Deutschland der erste Corona-Lockdown verkündet wurde. „Sie macht die Herde komplett und ist unsere ganze Freude“, sagt Ute Schröter, die neben der Vereinsarbeit hauptberuflich ihre Töpferei am Dom betreibt. Dort hat sie die Öffnungszeiten eingeschränkt, aber mit Bestellen, Abholen und Verschicken funktioniere es auch gut.

„Wir sind froh, dass wir den Sommer 2020 so viel Zulauf hatten und auch jetzt wieder haben und freuen uns, dass wir die Corona-Zeit bisher gut überstanden haben“, so die Vereinsvorsitzende. Sie hatte sich Sorgen gemacht, wie der Verein alle finanziellen Verpflichtungen stemmen soll, wenn keinerlei Einnahmen möglich sind. „Wir sind stolz, auf eigenen Füßen stehen zu können.“

Dana Döring klopft den alten Mörtel von den Steinen.
Dana Döring klopft den alten Mörtel von den Steinen.
Foto. Andrea Schröder