Schönhausen l „Was das Eintreten für Demokratie betrifft, lautet die Botschaft: Wir sind nicht wenige!“ Museumspä­dagogin Katja Gosdek stimmte unlängst die Gäste, die zum Forum samt Ausstellungseröffnung in das Gärtnerhaus gekommen waren, auf den 1. April ein. An diesem Tag lautet das Motto: „Brücken bauen“. Mit kreativen Werken sollen menschliche, demokratische Werte sichtbar gemacht werden. „Es wird wieder spannend sein zu sehen, wie die Mitwirkenden sich mit dem Thema auseinandersetzen und ihre Ansichten vertreten.“ Dabei ist es ganz egal, wie „Brücken bauen“ umgesetzt wird: gemalt, fotografiert, geknetet, gehäkelt, geschweißt, gezimmert, „der Phantasie sind wie immer keine Grenzen gesetzt“, freut sich Katja Gosdek schon auf die Werke. Die können bis Ende März im Bismarck-Museum abgegeben werden.

Gäste aus dem ganzen Elbe-Havel-Land

„Kunst für Demokratie“ neue Impulse zu geben, ist das Anliegen, das Dr. Andrea Hopp mit der Präsentation der Sonderschau ausgewählter Zeichnungen des Berliner Künstlers Gerhard Faulhaber in der Bismarck-Stiftung Schönhausen verbindet. Die kleine Ausstellung wurde beim Forum eröffnet, zu dem alle eingeladen waren, die sich über die Aktivitäten am 1. April 2017 rund um Museum und Park austauschen wollten. Es waren nicht nur Schönhauser anwesend, allen voran Bürgermeister Holger Borowski. Aus Berlin kam Gerhard Faulhaber, begleitet von seinem Galeristen Werner Müller und dem Verleger seines Katalogs, Hanns Zischler. Der Schauspieler, mit dem Andrea Hopp 2015 auf Lesungstour war, um die von der Stiftung neuedierten gesammelten Bismarck-Werke vorzustellen, hat nun eine Leihgabe zur Gerhard-Faulhaber-Ausstellung beigesteuert. Ebenfalls unter den Gästen waren aus Tangermünde/Damaskus Amer Rhayem, aus Ferchels Verbandsgemeindebürgermeisterin Steffi Friedebold und aus Klietz Helga Paschke vom Verbandsgemeinderat. Zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Jörg Hellmuth aus Wust bildet sie mit der Leiterin der Bismarck-Stiftung Schönhausen das engere Vorbereitungsgremium für das Fest am 1. April.

Am Beispiel von Gerhard Faulhabers Schaffen erörterte Andrea Hopp, was „Kunst kann“. Sein Werk zeige, „dass Kunst im wahrsten Sinne neue Perspektiven eröffnet: als Fenster in die Vergangenheit und Tür in die Zukunft“. Und weil dies auffordere, genauer hinzusehen, biete sie auch ein Forum zum Nachdenken in der Gegenwart. Wie die jährlichen Initiativen im Schönhauser Park könnten auch die ausgewählten Zeichnungen Gerhard Faulhabers unter dem Motto „Verwandlungen“ stehen.

Sonderschau bis Ende Februar zu sehen

Andrea Hopp erklärte: „Zwei Themenkomplexe seines weit umfassenden Werks sind in der kleinen Schönhauser Schau akzentuiert und zusammengeführt: ein historischer, Bismarck-zeitgenössischer sowie einer mit einem zur Entstehungszeit ungeahnt aktuellen politischen Bezug. Beiden gemeinsam ist, dass fotografische Vorlagen Inspiration und Ausgangspunkt für die Zeichnungen geworden sind. Die eine Hälfte der gezeigten Bilder geht zurück auf Fotografien des bedeutenden englischen Pioniers der Fotografie, William Henry Fox Talbot. Er hat das Negativ-Positiv-Verfahren entwickelt, durch das die Bildvervielfältigung möglich wurde. Geboren im Jahr 1800, gestorben 1877, hat er in etwa zur selben Zeit gelebt wie Otto von Bismarck und entstammte wie Bismarck einer alten Adelsfamilie. Deshalb rückten in Talbots fotografischen Focus Bilder landadligen Lebens wie Bäume oder Herrenhäuser, Figurinen oder Büsten. Was für Bismarck Friedrichsruh, Varzin und Schönhausen waren, war für Talbot Lacock Abbey in Wiltshire. Der Landsitz hat schon Harry-Potter-Verfilmungen als Kulisse gedient, das dazugehörige Dorf Lacock ist das Dorf für die Serie „Downton Abbey“.

Bis zum 26. Februar besteht noch Gelegenheit zur Aus­einandersetzung mit diesen künstlerischen Blicken auf die Welt.