Havelberg l Geliebäugelt hat Saskia Mattikau mit einem Beruf bei der Bundeswehr schon während des Abiturs in Haldensleben. Doch da schreckte sie die Verpflichtung auf 13 Dienstjahre noch ab. Nun, als 21-Jährige, hat die Magdeburgerin die ersten Wochen als angehende Soldatin hinter sich. Heute steht sie als eine von 54 Rekruten mit im Mittelpunkt, wenn das Panzerpionierbataillon 803 Havelberg auf dem Übungsplatz in Nitzow zum feierlichen Gelöbnis antritt.

„Ich habe BWL studiert, aber das hat mir keinen Spaß gemacht, deshalb habe ich nach einer Herausforderung gesucht. Ich habe im Internet recherchiert und mich im Karrierecenter der Bundeswehr beraten lassen“, berichtet die junge Frau. Fallschirmjägerin wollte sie werden. Im Januar absolvierte sie in Köln mit anderen Bewerbern für eine militärische Laufbahn den dreitägigen Test. Hier war nicht nur Allgemeinwissen gefragt. Es ging auch um die persönliche Eignung, später zum Beispiel Gruppen- oder Zugführer zu werden. „Ein Offizier und eine Psychologin haben mir auf den Zahn gefühlt. Es hat alles geklappt, ich habe gleich vor Ort erfahren, dass ich geeignet bin.“ Für eine Karriere als Fallschirmjägerin meldete der Arzt Bedenken an. Saskia Mattikau entschied sich für die Pioniere. „Im Nachhinein bin ich froh darüber. Die Abwechslung ist hier viel größer, sie reicht vom Panzerfahren übers Tauchen bis zur Abc-Abwehr.“

Das Panzerpionierbataillon hat nach neun Jahren Abstinenz die Grundausbildung wieder in die Elb-Havel-Kaserne zurückgeholt. Anfang Juli sollten die ersten Rekruten begrüßt werden. Corona machte dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung. Die angehenden Soldaten starteten mit einem Fernlehrgang. Sie bekamen einen Tagesplan zur Orientierung, um sich das Wissen anzueignen. Auch Sport gehörte dazu. Ende Juli gab es dann die sogenannte Einschleusungsphase mit Stuben beziehen und Einkleiden. Richtig los ging die Grundausbildung vor Ort am 3. August – in kleinen Gruppen mit festen Ausbildern, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren.

Wenig Schlaf

Die Ausbildung erfolgt coronabedingt sehr komprimiert. Dienst ist täglich von 5 bis 19.10 Uhr. Es geht aber auch länger. In dieser Woche stand das Schießen auf dem Übungsplatz in Klietz an. Da wurde es auch mal nachts um eins. An viel Schlaf ist da nicht zu denken. Trotzdem ist die 21-Jährige guter Dinge und hart im Nehmen. „Frühes Aufstehen kenne ich aus meiner Zeit in Australien. Dort habe ich über Work&Travel vier Monate auf einer Blaubeerfarm und vier Monate bei einem Catering in Sydney gearbeitet.“ Marschieren und Antreten üben, diverse Vorträge, erste Sporttests, Schießausbildung liegen hinter den Rekruten. 54 sind es noch, davon die meisten Offiziersanwärter. 14 haben die Grundausbildung abgebrochen. „Wir Mädels sind aber alle noch dabei“, berichtet sie von insgesamt vier Frauen in ihrem Zug, die ihre Stuben nebeneinander haben. „Wir verstehen uns gut.“

Sind Frauen bei der Bundeswehr immer noch was Besonderes, auch wenn sie seit 2001 gleichberechtigt wie die Männer in allen Bereichen tätig sein dürfen? Saskia Mattikau empfindet das so. Es werde sehr genau aufgepasst, wie die Kontakte zwischen Männern und Frauen sind, um bloß nicht in den Verdacht zu kommen, dass sich mehr als der dienstliche Umgang entwickelt. „Es ist ein empfindliches Thema“, bestätigt Presseoffizier Stefan Gäde. Auch bei den Pionieren leisten seit vielen Jahren Frauen ihren Dienst. Die 4. Kompanie mit rund 40 Stammsoldaten, die die Grundausbildung übernehmen, hat eine Frau als Chefin. Dennoch sei es noch immer etwas Besonderes. Doch auch wenn die Frauen in den Einheiten sozusagen ihren Mann stehen, sollten sie das Feminine nicht verlieren, gibt Stefan Gäde der jungen Kameradin einen Rat mit auf ihren Weg.

Der soll sie irgendwann wieder zurück zu den Havelberger Pionieren führen. Doch bis dahin steht nach der Grundausbildung bis 18. September in Havelberg und drei Monaten in einer anderen Einheit weiterhin viel Lernen bei Speziallehrgängen auf dem Plan. Im Oktober 2021 beginnt dann das vierjährige Studium mit Masterabschluss. Saskia Mattikau hat sich für Bildungs- und Erziehungswissenschaften entschieden.

Gutes Gefühl

Nach den ersten Wochen ist sie überzeugt, den richtigen Schritt getan zu haben. Trotz Schlafmangel, Sechs-Kilometer-Märschen bei bis zu 42 Grad in der Sonne, Hindernisbahn-Training und Abendbrot schon um 16.30 Uhr, auch wenn der Abend lang wird. An den Umgang mit dem Gewehr hat sie sich gewöhnt. „Die Waffe gehört dazu. Genauso wie Auslandseinsätze“, sagt die 21-Jährige, dass das alles für sie keine Frage ist. Sie weiß schon jetzt die Kameradschaft zu schätzen. „Jeder hilft jedem, die Ausbilder stehen uns zur Seite. Meine Eltern haben mich gefragt, als ich nach drei Wochen erstmals wieder nach Hause kam, wie es ist. Ich kann das nicht beschreiben, es ist einfach ein Gefühl, ein gutes Gefühl.“