Klietz/Hohengöhren l Dabei wurde auch die Elbe auf Fähren forciert. Mit erhobenen Armen dirigiert der Fährführer den 42 Meter langen Koloss, welcher von drei Booten gesteuert wird, beim Anlegen am Storkauer Elbufer. Die drei Bootsführer wissen so genau, wann wer Gas geben oder wegnehmen oder ein- oder auskuppeln muss.

Auf der Fähre werden gerade zwei Kampfpanzer Leopard II über den Strom geschippert, jedes dieser wehrhaften stählernen Ungetüme bringt etwa 60 Tonnen auf die Waage. Womit die Tragfähigkeit der Fähre fast ausgereizt ist – diese beträgt 140 Tonnen. Zwei Fähren verkehren im Pendelverkehr.

Mit 85 Mann vor Ort

Am Hohengöhrener Ufer befehligt Hauptmann André Neubauer seine Männer von der 3. Kompanie des Schweren Pionierbataillons 901, welches den Havelberger Panzerpionieren angegliedert ist. „Wir sind hier mit 85 Soldaten vor Ort“, berichtet er. Je Fähre – solch Faltschwimmbrückengerät wird in etwa einer halben Stunde zusammengebaut – sind insgesamt neun Soldaten vonnöten. Die Fähren bestehen aus sieben Pontons. Insgesamt hat diese Havelberger Kompanie 179 Soldaten.

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Am Hohengöhrener Ufer wurde vorab vom Pioniermaschinenzug eine Faltstraße verlegt, damit der Boden nicht zu arg aufgewühlt wird – denn dann würde es irgendwann Probleme beim Auffahren auf die Fähre geben. Auch Taucher kamen zum Einsatz, sie tauchten vorher das Ufer ab. Übergesetzt wurde diesmal an der Ausweichstelle.

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Bergepanzer stehen am Ufer bereit

An den Ufern stehen Bergepanzer vom Typ Büffel in Bereitschaft, falls auf der Fähre ein Panzer mal nicht anspringen sollte. Bevor die Fahrzeuge runter könnnen, wird die Fähre am Ufer mit Stahlseilen gesichert. Aus Sicherheitsgründen darf man über diese nicht drübersteigen. „Das kostet einen Kasten Bier“, scherzten die Soldaten.

Übergesetzt wurde das Panzerlehrbataillon 93 aus dem niedersächsischen Munster, was von Oberstleutnant Sebastian Hebisch befehligt wird. Das Übersetzen sei letztendlich nicht schwierig, der Teufel stecke im Detail – vor allem bei der Vorbereitung, berichtete er den Reportern.

Entgegen der Ankündigung waren die Niederländer beim Übersetzen nicht beteiligt: Ein Soldat war positiv auf Corona getestet worden. Deshalb setzten „nur“ rund 100 Fahrzeuge und 250 Soldaten aus Munster über, informierte Oberstleutnant Thomas Poloczek vom Landeskommando.

Im GÜZ wird mit Belgiern und Norwegern geübt

Neben den Leoparden waren dies auch Schützenpanzer namens Marder oder der moderne Transportpanzer Boxer. Letzterer bereitet beim Übersetzen Kopfzerbrechen: Eigentlich müssen alle Fahrzeuge auf der Fähre ihren Motor abstellen. Doch benötigt der Boxer 15 Minuten, um diesen dann wieder hochzufahren ...

Nach dem Übersetzen ging es nahe Storkau in einen Sammelraum. Von dort wurde über die B 188 und B 189 in die Letzlinger Heide verlegt. Hier üben die Soldaten aus Munster gemeinsam mit Norwegern und Belgiern, um sich auf den Einsatz an der Ostflanke der Nato in Litauen vorzubereiten.