Havelberg l Schüler der beiden Schulen im Havelberger Schulzentrum (Gymnasium und Sekundarschule), die es bislang noch nicht erfahren haben, werden eine Überraschung erleben, wenn sie am 15. August zur ersten Unterrichtsstunde im Schuljahr 2019/2020 zu ihren Schulen kommen. Denn gut die Hälfte des Schulhofes wird jetzt von Containern eingenommen – von Klassenraum-Containern. Die Gymnasiasten werden in diesen in den nächsten Monaten Unterricht erhalten.

Havarie im Haus C

Über den Hintergrund hatte die Volksstimme in der vergangenen Woche schon einmal kurz berichtet. Auf Nachfrage informierte jetzt auch Pressesprecher Edgar Kraul aus der Kreisverwaltung in Stendal ausführlich darüber. In der Nacht zum 16. Juli, also bereits vor vier Wochen, war es zu einer Havarie im Haus C gekommen. In diesem Gebäude sind die Außenstelle des Diesterweg-Gymnasiums und Teile der Sekundarschule untergebracht. Im Chemiekabinett im 3. Obergeschoss war ein Zuleitungsschlauch zum Waschbecken geplatzt. Aufgrund des Wasseraustritts durch die Decken des Gebäudes ging die Brandmeldeanlage in Störung, woraufhin der Wachschutz Meldung erhielt und anrückte. Zu der Zeit war bereits Wasser bis auf das Schulhofgelände gelaufen. Der Wachschutz suchte die Ursache dafür, fand sie und stellte das Wasser ab.

Wasser konnte sich stundenlang ausbreiten

Zwischenzeitlich waren jedoch mehrere Stunden vergangen. Dadurch konnten größere Mengen Wasser austreten, welches sich über alle darunter liegenden Etagen bis in den Keller hinein ausbreitete. Nachdem am Morgen das Gebäude vollständig stromlos geschaltet war, wurden sofort erste Maßnahmen eingeleitet, wozu die Information an Verantwortliche der Schulen gehörte. „Von 6.30 bis gegen 12.30 Uhr am 16. Juli war ich mit vier Hausmeistern im Gebäude dabei, das Wasser abzukärchern“, erzählt Ulrich Gruber, amtierender Schulleiter der Sekundarschule. „Wir haben erst aufgehört, als diese notwendige Arbeit erledigt war.“

29 PC-Arbeitsplätze sind hinüber

Auf allen Etagen hatten sie das Wasser aufgesaugt. „Umfangreiche Schäden am Gebäude und bei der Einrichtung konnten dadurch jedoch nicht verhindert werden“, heißt es in der Pressemitteilung der Kreisverwaltung. Alle Decken und Fußböden sowie eine Reihe von Trockenbauwänden wurden in Mitleidenschaft gezogen. Mit am schlimmsten war das unter dem Chemieraum liegende Computerkabinett betroffen. „Hier sind durch die Havarie alle PC gewässert und dadurch unbrauchbar geworden“, berichtet der Schulfachliche Koordinator Volker Woltersdorf. 29 Computerarbeitsplätze müssen erneuert werden. Dazu kommen weitere Schäden an der Elektroinstallation, der Heizungsanlage, am Mobiliar und bei diversen Unterrichtsmitteln.

Versicherung reguliert die Schäden

„Zur Ermittlung der genauen Schadenshöhe wurde jeweils ein Versicherungsgutachter für das Gebäude und für das Inventar herangezogen. Da die Gutachten noch nicht vorliegen, kann derzeit noch keine Aussage zur Schadenssumme gemacht werden. Reguliert werden die Schäden über die Gebäude- und Inventarversicherung des Landkreises Stendal“, so der Pressesprecher Edgar Kraul.

12 Räume komplett ausgeräumt

Nach Freigabe durch den Versicherer haben sofort erste Arbeiten zur Beseitigung der Schäden begonnen. Komplett ausgeräumt wurden 12 Unterrichtsräume des Gymnasiums im Haus C. Danach wurde der Bodenbelag in neun Räumen demontiert. Seit dem 25. Juli läuft die technische Trocknung des Gebäudes. Dabei werden die Fußböden, die Hohlräume in den Zwischendecken, Wände und anderes trockengelegt.

Container bis Jahresende angemietet

Derzeit laufen die Planungen für die Überprüfung und Reparatur der Elektro- und Heizungsanlage und der Sicherheitstechnik sowie für Trockenbau-, Maler- und Fußbodenlegearbeiten. Für 12 betroffene Räume müssen große Teile des Mobiliars neu beschafft werden. Zuvor wird jedoch jedes Stück begutachtet, ob es beschädigt oder weiter nutzbar ist. „Die Ausführung dieser Arbeiten wird sich über mehrere Monate hinziehen. Während dieser Zeit kann in Haus C kein Unterricht stattfinden“, heißt es aus der Kreisverwaltung. „Landrat Carsten Wulfänger hat entschieden, dass für den Zeitraum der Sanierung auf dem Schulhof Klassenraumcontainer aufgestellt werden.“ Das ist jetzt geschehen. Auch wurden die Container, die zunächst bis zum 31. Dezember angemietet sind, vom Landkreis mit Schulmöbeln ausgestattet.

Unterricht ist gesichert

Die neun Klassen des Gymnasiums werden ab 15. August in den acht Container-Klassenräumen unterrichtet. Zusätzlich steht ein Raum im B-Gebäude und einer im Schülerinstitut zur Verfügung. Die Sekundarschule kann für ihre 13 Klassen die vorhandenen Räume in ihrem Hauptgebäude nutzen.