Havelberg l Dreimal pro Woche geht Christiane Lück ins Gesundheits- und Freizeitstudio in Havelberg. Immer vormittags trainiert sie an den Geräten, zu Beginn steht die Erwärmung auf dem Stepper. „Obwohl ich vorher schon meine Runde mit unserer Hündin Gina gedreht habe. Aber das gehört dazu“, erzählt die Havelbergerin. Seit sie vor zwei Jahren in den Ruhestand gegangen ist, gehört der regelmäßige Besuch im Fitnessstudio für sie einfach dazu. Nun ist erstmal wieder Pause. Wegen des erneuten Corona-Lockdowns müssen Fitnessstudios wie auch Gaststätten und Hotels den November über schließen.

Betreiber Michael Möhring versteht das nicht. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr mit wochenlanger Zwangspause hatte er gehofft, weiterhin unter Corona-Bedingungen öffnen zu dürfen. Dafür hat er ein Hygienekonzept erarbeitet. Maximal acht Kunden dürfen gleichzeitig trainieren. Nur jedes zweite Gerät wird genutzt, die Umkleiden nur von einer Person betreten. Er hat verschiedene Desinfektionspunkte eingerichtet und sorgt für regelmäßiges Lüften.

„Warum darf Reha-Sport in Gruppen etwa als Gymnastik auf Bällen, Hockern oder Matten weiter stattfinden, das Training in Fitnessstudios jedoch nicht?“ Mit dieser Frage wandte sich der Havelberger, der mit seinem Studio in diesem Jahr das 25-jährige Bestehen gefeiert hat, an Landrat Patrick Puhlmann. „Mir stellt sich die Frage, was wird beim Reha-Sport richtig und bei mir falsch gemacht, dass wir so grundsätzlich unterschiedlich behandelt werden.“ Er vermutet, dass das Verbot für Fitnessstudios darin begründet liegt, dass diese kommerziell sind und Reha-Sport über den Behindertenverband angeboten wird.

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Doch leistet auch er wichtige Arbeit für die Gesundheit von Menschen, wie er sagt: „In meinem Studio trainieren Frauen und Männer zwischen 14 und 82 Jahren, teilweise mit großen gesundheitlichen Beschwerden. Sie brauchen das regelmäßige Training an Geräten, Hanteln und Cardiogeräten.“ Zu ihnen gehört Christiane Lück. „Ich brauche das Training, ansonsten bekomme ich arge Schwierigkeiten mit meinen Beinen und meinem Rücken“, erklärt die 64-Jährige. Zwar dreht sie nun mit ihrer Beagle-Hündin mehr Runden über die Spülinsel oder läuft auf ihrer „Armeerunde“ durch den Norden der Stadt. Und auch das Fahrrad wird gut genutzt. Doch ist das Training im Studio eben noch mal was anderes. „Wir sind vormittags eine feste Gruppe, die sich immer trifft. Nach dem Lockdown im Frühjahr haben wir uns aufgeteilt, die erste Gruppe trainiert montags, mittwochs und freitags von 8 bis 9.30 Uhr, die zweite, der ich angehöre, danach. Ich finde es einfach ärgerlich, dass das Fitnessstudio schon wieder schließen musste. Im Frühling hatten wir wenigstens noch gut im Garten als Ausgleich zu tun. Jetzt fehlt mir dieses Training noch mehr.“

Michael Möhring verweist auf Studien, wonach in Fitnessstudios keine erhöhte Antseckungsgefahr besteht. Vom Büro des Landrates erhielt er die Nachricht, dass sein ­Schreiben ans Sozialministerium weitergeleitet wurde. „Ich fordere eine Gleichbehandlung bei den Maßnahmen in der Corona-Zeit.“