Havelberg l „So lange wir noch Lebensmittel haben, machen wir weiter“, ist die Devise der rund 20 Ehrenamtlichen der Havelberger Tafel. Während andere Tafeln angesichts der Corona-Krise zugemacht haben, können sich die Menschen in und um Havelberg. die auf die wöchentlichen Lebensmittelspenden angewiesen sind, weiterhin darauf verlassen. „Wir kommen ja nicht hierher, weil wir das unbedingt wollen, sondern weil wir die Unterstützung brauchen“, sagt Ronny Witt und ist froh, dass die Tafel weitermacht.

Er steht am vergangenen Sonnabend in einer Reihe mit weiteren Tafelkunden draußen vor dem Tafel-Gebäude am Propsteiplatz. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Alle achten auf den gebührenden Abstand. In der Eingangstür ist ein Tisch aufgebaut, auf den die Tafelmitarbeiter jeweils eine Kiste stellen. Einzelabfertigung. Mit seiner Kiste kann der Tafelkunde zu einem weiteren Tisch gehen und sich die Lebensmittel in den mitgebrachte Beutel oder Korb packen. Wer etwas nicht benötigt, kann es in eine Extra-Kiste legen. Vielleicht freut sich ein anderer darüber.

Die Abläufe sind wegen Corona geändert worden. Stehen die für Singlehaushalte, Ehepaare, Erwachsene mit Kindern und Großfamilien vorgepackten Kisten normalerweise im Ausgaberaum zusammen mit Lebensmitteln, aus denen die Kunden selbst wählen können, welches Obst und Gemüse oder Brötchen und Brot sie mitnehmen möchten, ist nun alles von den Ehrenamtlichen vorgepackt. Den Ausweis, der zur Abholung berechtigt, legen die Bedürftigen an der Tür vor. Dort bezahlen sie auch ihren Obolus von 1,50 bis 3,50 Euro – je nach Größe der Familien.

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Wenn was fehlt, stehen Reserven bereit

Ganz so einfach ist es zurzeit nicht, von den Märkten und Bäckereien Ware zu erhalten. Aber es gibt Lebensmittel und zum Beispiel der Fruchthof in Stendal hat Obst und Gemüse bereitgestellt. Nach anfänglichen Irritationen bei manchen Anbietern angesichts geschlossener Tafeln hat sich nun auch schon herumgesprochen, dass etwa die Havelberger Tafel noch Lebensmittel ausgibt und die Märkte stellen Waren zur Verfügung. „Wir haben zum Glück auch noch Reserven und können die Bedürftigen noch gut versorgen“, freut sich der Vorsitzende der Havelberger Tafel Gerhard Imig. Es gibt auch immer wieder Leute, die an die Tafel denken. So hat ein Reservist aus der Kaserne Baguettes und Sandwiches mitgebracht, die dort aufgrund der momentan geringen Personalstärke nicht benötigt werden.

Sorge bereitet Gerhard Imig, dass übers Jobcenter eingestellte AGH-Kräfte bei Tafeln und auch in anderen Einrichtungen wegen Corona abgezogen worden sind. Er hofft, dass die Mitarbeiterin, die über einen Arbeitsentgeltzuschuss bei der Havelberger Tafel angestellt ist, nicht davon betroffen sein wird. Das wäre ein herber Einschnitt, denn sie ist den Ehrenamtlichen die Woche über eine große Hilfe. Seiner Ansicht nach fehlt dafür jede Rechtsgrundlage. Die Tafeln sind Lebensmittelmärkten gleichgesetzt und dürfen öffnen.

Pro Woche sind fünf Helfer im Einsatz, so dass jeder Ehrenamtliche im Schnitt aller vier Wochen auch sonnabends bei der Ausgabe mit hilft. Versorgt werden um die 200 Bedürftige aus dem Bereich Havelberg und auch aus dem benachbarten Brandenburgischen. „Wir hoffen, dass wir weiterhin öffnen dürfen und nichts passiert“, blickt Gerhard Imig auch sorgenvoll auf die aktuellen Debatten darum, dass bei einer Lockerung des Kontaktverbotes möglicherweise Senioren zum Zuhaus-Bleiben verpflichtet werden. Viele der Ehrenamtlichen in Havelberg sind über 70 Jahre alt.

Für Ausweichvariante bei Regen ist gesorgt

„Dann hätten wir ein echtes Problem“, sagt der Tafelvorsitzende, der sich auch privat an die Vorgaben hält und es sehr bedauert, seine Enkelin aktuell nicht zu Besuch haben zu können. Normalerweise ist sie täglich bei Oma und Opa.

Bei dem schönen Wetter am vergangenen Sonnabend hatten alle gute Laune und das Anstehen draußen an der frischen Luft war kein Problem. „Bei Regen würden wir in die Scheune gehen“, berichtet Gerhard Imig, dass für einen Ausweich gesorgt ist. Er hofft, dass alle gesund bleiben und sich nicht mit dem Virus infizieren. Die Mitarbeiter sind mit Handschuhen und Mundschutz ausgestattet und der direkte Kontakt wird auch an den nächsten Sonnabenden vermieden.