Havelberg l Gedanken darüber, ob in diesem Jahr der Havelberger Pferdemarkt stattfinden kann, machen sich viele Leute schon seit Beginn der Corona-Krise. Spätestens seit den Festlegungen der Bundesregierung am Mittwoch, dass Großveranstaltungen bis 31. August verboten sind, wird immer klarer, dass es mehr als fraglich ist, ob der Pferdemarkt, der vom 3. bis 6. September geplant ist, stattfinden kann. Der Bootskorso am Wochenende zuvor ist mit dieser Corona-Verordnung auf jeden Fall schon mal gestrichen.

„Diese Vorgabe zu den Großveranstaltungen macht uns die Entscheidung zum Pferdemarkt nicht leichter“, sagt Bürgermeister Bernd Poloski auf Volksstimme-Nachfrage. Denn selbst wenn nach dem 31. August Großveranstaltungen wieder möglich wären und das möglicherweise vier Wochen vorher entschieden würde, wäre die Zeit, den Pferdemarkt vorzubereiten, zu knapp. Zumal auch mit Auflagen zu rechnen wäre, die voraussichtlich nicht oder nur schwer umzusetzen wären.

Schwierige Situation für eine Entscheidung

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass bis zum 31. August Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern verboten sind und kurz danach bis zu 200.000 Besucher zum Pferdemarkt nach Havelberg kommen können“, gibt der Bürgermeister zu bedenken. „Wir haben keine Kontrolle darüber, aus welchen Bundesländern und Ländern die Besucher einreisen, bei den Schaustellern und Händlern wäre das ja noch möglich. Die hygienischen Voraussetzungen könnten nur bedingt geschaffen werden.“

Wer den Pferdemarkt kennt, weiß, wie dicht gedrängt es dort von Donnerstag bis Sonntag zugeht. In den Gängen drängen sich die Menschen vor den Ständen, Menschenmassen ziehen über den Rummelplatz, in den Festzelten wird getanzt und gefeiert. Abstand geht da im Prinzip gar nicht. Der Bürgermeister spricht auch den Tierhandel an, für den ohnehin stets große Auflagen gelten. Undenkbar ist die Einhaltung der Corona-Regeln in den Bussen, die die Besucher zum Markt und wieder zurück in die Stadt bringen. Denn sie sind meist proppenvoll.

Zu bedenken gibt er außerdem, dass, wenn der Pferdemarkt unter Berücksichtigung strenger Auflagen stattfinden dürfte, möglicherweise weder Händler und Schausteller noch die Besucher damit zufrieden wären und im Nachhinein von einem Flop sprechen. Dann würde es vielleicht heißen, warum hat die Stadt den Markt überhaupt durchgeführt, man hätte sich doch ausrechnen können, dass das nichts wird.

„Wir sind in einer schwierigen Situation. Deshalb habe ich in der täglichen Telefonkonferenz aller Bürgermeister den Landrat gebeten, dass er bei der Landesregierung darum bitten möge, schon bald Aussagen zu treffen, wie mit Großveranstaltungen nach dem 31. August umzugehen ist. Nicht nur wir sind davon betroffen. Nach dem Pferdemarkt folgen das Burgfest in Tangermünde und dann die Eisleber Wiesen.“ Er würde sich wünschen, dass die Landesregierung ein Signal dazu gibt, bevor der Stadtrat darüber entscheiden muss, ob der Pferdemarkt stattfinden kann oder nicht. Im Interesse aller wäre eine baldige Auskunft wichtig. Fakt ist, dass viele Schausteller und Händler alljährlich den Havelberger Markt fest einplanen und gern in die Hansestadt kommen. Und auch die Besucher – immerhin bis zu 200.000 – können das erste September-Wochenende kaum abwarten. Alle sind nun gespannt, welche Entscheidungen in Corona-Zeiten getroffen werden.

Mit dem Dilemma, nicht zu wissen, was in einigen Monaten mit Großveranstaltungen sein wird, steht Havelberg nicht alleine da. Selbst das Oktoberfest in München steht auf der Kippe, wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder diese Woche verlauten ließ. Aber auch da ist noch nichts entschieden.