Sandau l Langsam setzt sich der Arm des 40-Tonnen-Baggers in Bewegung, die Schaufel frisst sich in die ausgedörrte Erde der landseitigen Böschung des Altdeiches am Müllerhafen nahe Sandau. Die Hebel des 350 PS starken gelben Kolosses der Firma Eggers aus Wittenberge bedient Umweltministerin Claudia Dalbert, welche vom Baggerführer Sebastian Dzinbas eingewiesen wurde.

Zuvor hatte die Ministerin noch einmal an die dramatische Flutkatastrophe im Juni 2013 erinnert, welche im Elbe-Havel-Land eine etwa 150 Quadratkilometer große Fläche unter Wasser gesetzt hatte. Bis 2020 wolle die Landesregierung alle Deiche normgerecht saniert haben, es soll aber auch den Flüssen mehr Raum gegeben werden.

Flaschenhals beseitigt

So hat die Elbe am Müllerhafen statt derzeit 800 Metern bald 1400 Meter Platz zwischen den Deichen. Ein „Flaschenhals“ wurde beseitigt, an dem sich bei Extremfluten das Wasser aufstaut. Insgesamt verschafft die Rückverlegung dem Fluss 60 Hektar weitere Überflutungsfläche, im Südbereich, wo der Bau kürzlich begann, werden sogar 180 Hektar hinzu gewonnen.

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Der Altdeich wird nun zwischen Sandau und Havelberg an fünf Stellen auf insgesamt fast zwei Kilometern Länge geöffnet und das Material bis auf Geländehöhe abgetragen. Die Reste bleiben als Tierrettungshügel stehen, die Betonplatten auf der Krone werden zuvor entfernt. Abgetragen wird der Deich überall dort, wo er quer zur Strömung steht.

Material für Neudeich verwandt

Das dadurch gewonnene Material wird umgehend für den Bau des neuen, 3,4 Kilometer langen Deiches im Südbereich der Elbestadt verwandt. Das ist kostengünstiger und lange Transportwege entfallen. Dort wird seit diesem Monat gebaut, den Zuschlag hatte wie schon im Nordbereich die Firma Eggers erhalten. Dieser Deich erhält ebenfalls eine landseitige Berme mit einem drei Meter breiten gepflasterten Deichverteidigungsweg, die Krone wird auf 2,5 Metern Breite asphaltiert. Im Juni 2020 soll der Deich stehen, ein Jahr später wird auch hier der Altdeich geschlitzt.

Bauherr ist der Landesbetrieb für Hochwasserschutz LHW, Direktor Burkhard Henning bezeichnete den Abschluss der Rückverlegung im Nordbereich als „Meilenstein“. Im Vorfeld habe es damals viele Gespräche gegeben, heraus kam ein Kompromiss: „Am Ende muss man sich in die Augen schauen können.“ Auch sei es nicht überall üblich, dass auf dem Deich ein Radweg verläuft – vielleicht baut der LHW am Ende auch noch einen Rastplatz für die Radler.

Zu diesem Bau habe es anfangs diverse Meinungsverschiedenheiten gegeben, doch wurde ein super Weg gefunden, erklärte Bürgermeister Henry Wagner. Mit der Rückverlegung bekamen die Sandauer einen standsicheren Deich, bei der nächsten Flut könne man in Ruhe schlafen. Auch für den Tourismus wurde Ordentliches geschaffen. Ein großes Dankeschön ging an den LHW und besonders dessen Projektverantwortliche Kristina Rotter.

Bund bezahlt auch mit

Beide Rückverlegungen sind Bestandteil des Nationalen Hochwasserschutzprogrammes und werden dadurch auch vom Bund mit finanziert. Im Nordbereich kamen allein 11,4 Millionen Euro zusammen, insgesamt werden im Sandauer Bereich am Ende 28 Millionen Euro für einen besseren Hochwasserschutz investiert.

Um den Flüssen wieder mehr Raum zu geben, wurden im Bundesland 27 Standorte identifiziert. Vier davon befinden sich im Elbe-Havel-Land: Neben den beiden Rückverlegungen bei Sandau sind es die Deichrückverlegung Klietz-Schönfeld sowie der Polder Klietz. Dazu wird am 14. August in Tangermünde, wo auch ein Polder geplant ist, eine öffentliche Informationsveranstaltung stattfinden.