Havelberg l „Gemeinsam Denkmale bewahren“ – dieses Leitmotiv des diesjährigen Denkmaltages, welcher gestern deutschlandweit stattgefunden hatte, trifft immerhin auf drei der vier im Altkreis Havelberg gezeigten Stätten zu: Gemeinsam bewahrten Heimatfreunde in Vehlgast das alte Schöpfwerk samt Pumpe vor dem weiteren Verfall, gemeinsamen bauten Sandauer und viele Helfer den Kirchturm wieder auf und gemeinsam bewahrte auch der Havelberger Förderverein „Denkmal und Leben“ die Domkurie vor dem Abriss und hauchte ihr neues Leben ein.

Der Auftakt zum Denkmaltag hatte bereits am Sonnabend stattgefunden: Die beiden Havelberger Domführer Christiane Frontzek und Max Tietze informierten bei einer Sonderführung über die recht beeindruckenden Fenster des Gotteshauses. Denn nicht nur die Glasmalereien mit Motiven aus der Bibelgeschichte sind sehenswert, auch die schiere Ausdehnung mancher Fenster regt zum Staunen an: Die vier hinterm Altar in der Apsis sind immerhin 15 Meter hoch.

Das einst romanische Schiff des Domes wurde nach einem Brand ab etwa 1300 gotisch überformt. Dabei erhielt das Gebäude auch weitaus größere Fenster – in der romanischen Zeit war man wegen der häufigen Fehden mehr auf Sicherheit bedacht gewesen. Ein letztes romanisches Fenster befindet sich über der Priesterpforte im Südflügel. Die benachbarten Fenster waren übrigens bei der Brückensprengung zu Kriegsende 1945 zerstört worden, eines davon – das Marienfenster – wurde nach der Wende saniert.

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Der Marien-Dom stand erneut im Fokus, diesmal galt die Aufmerksamkeit dem Prignitz-Museum. Genauer gesagt dem Westflügel, in dem sich die Ausstellung zur Stadtgeschichte befand. Er wird gegenwärtig mitsamt dem kompletten Dachstuhl saniert, Direktor Ralf Lindemann von der Stiftung Dome und Schlösser Sachsen-Anhalt führte über die Baustelle.

Die Baustelle ist in diesem Jahr die größte Investition der Stiftung, denn von ihren insgesamt vier Millionen Euro fließt allein eine Million nach Havelberg. Die Zimmerleute der Firma aus Thale sind gut vorangekommen (in Kürze mehr dazu). Diese Woche wird das Gerüst an der Fassade abgebaut, ab heute werden zudem die auf den Hof weisenden Fenster des Saales ausgebaut.

Ernst Busse begrüßt Bekannte

Ein besonderes Erlebnis hatte der 84-jährige Kirchenführer Ernst Busse in der Sandauer Kirche: Er konnte unter den Gästen auch eine ehemalige Sandauerin begrüßen, die nun in der Schweiz lebt. Die Mutter von Irmgard Maurichat – so ihr Geburtsname – war nach dem Krieg in Sandau als Katechetin tätig. Weil sie an der Konfirmation festhielt, hatte sie um 1956 ein Lehrer angezeigt. Sie wurde gewarnt und konnte mit der Familie fliehen, später arbeitete sie in Neustadt/Holstein.

Weitere Denkmäler mit offenen Türen waren in der Elb-Havel-Region die Domkurie D 8 in Havelberg, welche vom Verein Denkmal und Leben komplett saniert und mit Leben erfüllt wurde sowie das alte Schöpfwerk in Vehlgast, welches der gleichnamige Förderverein um Ute Funk sanieren möchte. Dazu in Kürze mehr.