Lebensmittelspenden

Die Havelberger Tafel sorgt sich um ausreichend Waren und Nachwuchs

Seit 15 Jahren versorgt die Havelberger Tafel bedürftige Menschen mit Lebensmitteln, die nicht mehr verkauft werden. An der Spitze stehen Gerhard Imig und Heidemarie Gentzsch. Sie suchen Nachfolger.

Von Andrea Schröder
Wie schon zu Beginn der Corona-Pandemie vor gut einem Jahr werden die Kisten bei der Tafel in Havelberg mit Lebensmitteln bestückt, um sie dann draußen vorm Eingang auszugeben.
Wie schon zu Beginn der Corona-Pandemie vor gut einem Jahr werden die Kisten bei der Tafel in Havelberg mit Lebensmitteln bestückt, um sie dann draußen vorm Eingang auszugeben. Archivfoto: Andrea Schröder

Havelberg - Seit einiger Zeit schon bemühen sich der Vorsitzende der Havelberger Tafel Gerhard Imig und Stellvertreterin Heidemarie Gentzsch um die Nachfolge in der Leitung. Beide sind 77 Jahre alt, gern würden sie die Verantwortung in jüngere Hände legen. Doch bisher blieben alle Gespräche erfolglos. 15 Jahre ist es her, dass die Tafel erstmals Lebensmittel an bedürftige Menschen ausgegeben hat. Gut 200 Personen werden wöchentlich versorgt. Die Tendenz ist momentan steigend. Zurückblickend auf die Anfänge berichten beide von einer guten Entwicklung, die die Tafel genommen hat.

Ein fester Stamm von rund 20 Ehrenamtlichen kümmert sich um den Betrieb. Zwei Mitarbeiter sind über geförderte Maßnahmen eingestellt. Über die Jahre ist die technische Ausstattung gewachsen. Auch Dank vieler Spenden stehen ein Fahrzeug samt Anhänger, Kühl- und Gefrierschränke beziehungsweise Kühl- und Gefrierzellen zur Verfügung. Im Domizil am Propsteiplatz erfolgt die Ausgabe coronabedingt immer noch draußen vorm Eingang. Gerade wurde eine Markise gesponsert, damit die Tafel-Kunden bei Regen und starker Sonne geschützt sind. Die Ehrenamtler sortieren die Kisten nach Personenzahl vor. Die Gruppen, die Dienst haben, wurden verkleinert. „Viele Mitarbeiter sind bereits geimpft. Sie testen sich dennoch vorsichtshalber regelmäßig selbst und wir dokumentieren das auch“, berichtet Gerhard Imig, dass Vorsicht angesagt ist.

Gähnende Leere in den Kühlschränken

Bis auf insgesamt drei Wochen im Winter, als die Inzidenz im Landkreis besonders hoch war, konnten jeden Sonnabend Lebensmittel ausgegeben werden. „Unsere Hauptsorge sind die Lebensmittel. Wenn wir nur von den Märkten leben müssten, könnten wir die Tafel schließen“, macht er deutlich, dass nicht alle Märkte was abgeben. Regelmäßig und zuverlässig stellen Aldi und der Schwarze Netto Ware bereit. „Das reicht aber nicht, um alle Kunden zu versorgen“, sagt Heidemarie Gentzsch. „Normalerweise haben wir fünf Kühlschränke mit Tagesware gefüllt, jetzt ist es einer. Teilweise haben wir mit Spendengeldern Ware dazu gekauft, was aber nicht Sinn der Tafel ist.“

Da ist es gut, dass über die Jahre gute Verbindungen zu anderen Tafeln geknüpft wurden, so dass Ware getauscht werden kann. Zum Beispiel mit der Tafel in Waren. Ärgerlich ist für Heidemarie Gentzsch, dass die Tafel in Stendal viele Märkte von Tangermünde bis Seehausen anfahren kann, um aussortierte Lebensmittel abzuholen. „Wenn sie uns wenigstens den Lidl in Tangermünde abgeben würde. Und von der Landbäckerei in Stendal bekommen wir leider nur eine Kiste mit Brot, und die ist auch nicht immer voll“, beschreibt sie, was ihr Tag und Nacht Kopfzerbrechen bereitet. „Man muss Türen einrennen können.“

Leitung soll in jüngere Hände gelegt werden

Über die Nachfolge für die Leitung der Tafel hat Gerhard Imig auch mit dem Bürgermeister gesprochen. Noch ist keine Lösung in Sicht „Die Stadtwerke stellen uns den Strom zur Verfügung, wir können günstiger tanken, das ist alles nicht hoch genug zu loben. Aber wir brauchen Unterstützung, um Lebensmittel zu bekommen, und bei der Leitung. Wir machen das doch nicht für uns. In anderen Vereinen profitieren die Mitglieder von ihrer Mitgliedschaft. Wir kümmern uns um andere. Das ist ein großer Unterschied“, gibt er zu bedenken.