Kreuzigungsgruppe wird ins 13. Jahrhundert datiert

Die Triumphkreuzgruppe mit Christus am Kreuz sowie Maria und Johannes wird ins späte 13. Jahrhundert datiert. Sie hing weiter östlich im Übergang zum Chorbereich.

Als um 1400 der Lettner aus Sandstein errichtet worden ist, wurde die Triumphkreuzgruppe vermutlich dorthin umgesetzt. Möglicherweise mit einem neuen Kreuz.

Entweder in der Reformationszeit oder spätestens 1700, als der neue barocke Hochaltar in den Dom gebaut wurde, dürfte die Kreuzigungsgruppe herunter genommen worden sein. Die Figuren befanden sich im Anschluss auf der südlichen oberen Zwillingskapelle im Chorbereich.

Fakt ist, dass die Gruppe 1889 über dem Lettner auf einem neuen Balken oben unterm Gewölbe angebracht wurde. Dafür erhielten die Figuren einen neuen Farbanstrich und ihre vorher hohle Rückansicht wurde geschlossen. Seitdem war niemand mehr dort oben.

Havelberg l Es sind etliche Stufen, die Restauratorin Christine Machate in den vergangenen Wochen fast täglich bewältigt hat, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen. Der befindet sich unter dem Gewölbe des Hauptschiffes des Havelberger Domes. Ihr Auftrag: Die Säuberung, Restaurierung und Fassungsuntersuchung des Triumphkreuzes. Die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt hat die Arbeiten beauftragt – wohl auch mit Blick auf das 850-jährige Jubiläum der Domweihe im nächsten Jahr.

Zunächst hatte die Restauratorin mit Studierenden der Fachhochschule Potsdam und deren Dozentin Christine Fuchs eine Zustands- und Bestandserfassung sowie erste Grobreinigungen und Fassungsuntersuchungen vorgenommen. „Dabei haben wir auch getestet, mit welchen Mitteln und Methoden wir die Figuren reinigen können. Der grobe Schmutz wurde abgesaugt und dicke Krusten mit dem Spatel beseitigt beziehungsweise abradiert. Es ist enorm, was sich dort für eine Staub- und Schmutzschicht angesammelt hat“, sagt Christine Machate. „Wenn man sich die Postkarten vom Triumphkreuz anschaut, ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht.“

Gemeinsam mit den Studierenden wurden Proben von den Farbschichten entnommen und die Schäden kartiert. Zum Teil wurden die wenige Millimeter großen Proben gleich vor Ort unter dem Mikroskop untersucht. Dozentin Fuchs ist Laborleiterin an der Fachhochschule. Dort werden weitere Untersuchungen der in Kunstharz eingebetteten Proben vorgenommen. Beim Schleifen können dann die weiteren zu erwartenden zwei bis drei Schichten abgelesen werden.

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Preußisches Blau ist jetzt grün

„Wir wussten relativ schnell, dass etwa für den Mantel der Maria das sogenannte Preußisch oder Berliner Blau verwendet wurde. Das ist ein spezielles Pigment, das im 19. Jahrhundert sehr gern genutzt wurde“, berichtet Christine Machate. „Dass er jetzt eher grün aussieht liegt daran, dass die Farbe mit viel Öl angereichert worden ist. Wir hatten uns gewundert wegen des Grüns, denn normalerweise trägt Maria einen blauen Mantel oder ein blaues Kleid.“

Eine Woche lang, inklusive Wochenende, hat Christine Machate im Anschluss mit Restauratoren-Kolleginnen die Säuberungen und Restaurierungen fortgesetzt. Ein paar Tage arbeitet sie noch allein weiter, bis alles endgültig fertig ist. Unterstützt wird sie von Helga von Medem aus Weimar sowie von Simone Schmiedkunz und Tanja Roßner, die wie sie aus Erfurt kommen. Alle sind freiberuflich tätig. Bei Großprojekten unterstützen sie einander.

Ziemlich sicher ist, dass die aus Eichenholz gefertigten Figuren im Ursprung viel Farbe trugen. „Im Mittelalter müssen Sie sich alles bunt vorstellen. Auch der Lettner war ganz sicher einst farbig. Im 19. Jahrhundert gab es eine Fehlinterpretation und er wurde braun angestrichen. Jetzt ist er nur in seiner Sandsteinfarbe zu sehen“, erklärt die Restauratorin. Laut Akten von der Hochsetzung der Gruppe unters Gewölbe 1889 seien die Figuren aus Eichenholz damals komplett abgelaugt und neu gefasst (bemalt) worden. Doch scheint das nicht zu stimmen. „Wir haben weitere Farben gefunden. Genaue Aussagen können wir machen, wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind.“