Ronny Scheder möchte die Identität von Soldaten aufklären, die Ende des Zweiten Weltkrieges nahe der Stadt ums Leben kamen

Ehemaliger Havelberger bittet um Hinweise zu einem Fliegerabsturz

Von Andrea Schröder

Havelberg l Vor etlichen Jahren hat Ronny Scheder aus Berlin in einem Waldstück bei Havelberg an einem anonymen Fliegergrab aus dem Zweiten Weltkrieg gestanden. Ein Augenzeuge, der damals als Jugendlicher die bei einem Flugzeugabsturz getöteten Soldaten dorthin transportiert hatte, führte ihn an diese Stelle.

"Die Gefallenen in diesem Grab sind in den letzten Kriegsmonaten mit ihrer Maschine im Raum östlich von Havelberg abgestürzt und gelten höchstwahrscheinlich als vermisst", sagt er. Vergessen hat er diese Sache nie. Seit neun Monaten recherchiert er nun schon, um Näheres zu dem Absturz herauszufinden. In der Hoffnung, noch Zeitzeugen zu finden, wandte er sich an die Volksstimme.

Er ist geschichtlich und technisch interessiert, nennt der 40-Jährige den Grund für sein Engagement. "Ich fühle mich verpflichtet, das Schicksal und die Identität dieser Gefallenen aufzuklären, ihnen die Namen zurückzugeben. Ich habe viele Jahre meines Lebens in Havelberg verbracht und somit ist das für mich auch irgendwo ein, wenn auch tragisches Stück Heimatgeschichte."

Ronny Scheder möchte die Identität der deutschen Soldaten klären, damit sie in ein würdiges Grab umgebettet und Angehörige benachrichtigt werden können. Dazu würde er gern mehr über die Umstände des Absturzes erfahren. Das möglichst genaue Datum des Absturzes wäre für ihn wichtig, um anhand der Verlustlisten der ehemaligen Deutschen Luftwaffe die Namen der Besatzung und die Maschine selbst ermitteln zu können.

"Sofern noch entsprechende Einträge vorhanden sind, denn zu Kriegsende wurden sie, wenn überhaupt, nur noch sehr unvollständig und lückenhaft geführt", sagt er. Eine Exhumierung könnte mit etwas Glück auch Aufschluss bringen, aber vorher soll der theoretische Teil der Suche abgeschlossen sein.

Trotz der Unterstützung durch namhafte und anerkannte luftfahrtarchäologische und luftkriegsgeschichtliche Vereine, Forschungs-Gemeinschaften, Webseiten im Internet sowie Luftfahrtmuseen im In- und Ausland sei er mit seinen Recherchen bisher nur stockend vorangekommen, berichtete er im Gespräch mit der Volksstimme. "Es tut sich zwar so einiges, auch dank der vielen Helfer, aber am Ziel bin ich noch lange nicht."

Ronny Scheder setzt deshalb auf Leute vor Ort, die entweder den Absturz damals selbst beobachtet haben oder durch Zeitzeugen davon wissen.

In der Region um Havelberg und auch in der Altmark sind in den vergangenen Jahren einige solcher anonymen Grabstellen ausfindig und die Identität der gefallenen Soldaten konnte geklärt werden. Der Verein "Luftfahrt Historie Altmark" hatte sich intensiv damit befasst. Erst Anfang dieses Jahres hatte die Volksstimme über ein Buch der Autoren Jörg Helbig und Jörg Andreé berichtet, das die Abstürze während des Zweiten Weltkrieges dokumentiert.

2005 waren die sterblichen Überreste eines amerikanischen Soldaten, der nahe Theerofen abgestürzt war und dessen Grab Waldarbeiter viele Jahre gepflegt hatten, nach Amerika überführt worden. Hierbei handelt es sich um den Co-Piloten des US-Bombers "Trouble N Mind" vom Typ B-24, der am 4. April 1945 abgeschossen wurde. Er wurde nur 24 Jahre alt, berichtet Ronny Scheder.

Selbst wenn sich die Identität der gefallenen Soldaten nicht klären ließe, sollen die Gebeine dennoch auf einen Soldatenfriedhof umgebettet werden. Die erforderlichen Maßnahmen würde Ronny Scheder bei den dafür zuständigen Stellen beantragen. Doch zunächst hofft er, ausreichend Informationen zu bekommen, um mehr über den Absturz zu erfahren.

Hinweise bitte an Ronny Scheder unter Telefon 0172/7063550 oder an www.crashplace.de