Kulturförderverein plant neuen Band des Heimatbuches über Elbe-Havel-Land

Ein Buch mit Geschichten, die in keiner Dorfchronik stehen

Von Anke Schleusner-Reinfeldt

Der Kulturförderverein Östliche Altmark plant die Herausgabe des vierten Bandes der Heimatbuchreihe "Das Wissen der Region", das Geschichten aus dem Elbe-Havel-Land zum Inhalt hat.

Elbe-Havel-Land l Die ersten drei Bände über Arneburg-Goldbeck-Werben, Bismark-Kläden und Seehausen jeweils mit Umland waren schnell vergriffen. Deshalb startet der Verein mit dem Projektbeauftragten Dr. Wolfgang Haacker voller Zuversicht in die neue Herausforderung. "Die Schönheit der Region, ihre Geschichte und Geschichten, Gegenwart und Zukunft sind Gegenstand der Buchreihe. Wir geben den Menschen ein Forum, ihre Erinnerungen und Gedanken nicht nur in der Familie mitzuteilen, sondern in der Öffentlichkeit. Es geht also um die vielen kleinen Dinge, die in keiner Chronik stehen, die das Leben aber lebenswert machen und die Geschichte eines Dorfes oder einer Stadt prägen und nicht in Vergessenheit geraten sollen", erklärt Dr. Haaker das Anliegen.

Diese Geschichten können von der Tragik der letzten Kriegstage, der schweren Arbeit auf dem Feld, dem Einkauf mit Wertmarken bis hin zu zünftigen Dorffesten oder Schlangestehen vor dem Konsum reichen - ein Spiegel dessen, wie hart, aber auch schön das Leben war. "Es gibt keine Vorgabe, aus welcher Zeit die Erinnerungen stammen müssen - es kann also der Krieg sein oder aber auch die Zeit nach der Wende. Wichtig ist nur, dass es kein politisches Buch ist", macht Dr. Haacker deutlich.

Lektorin Bärbel Conrad steht den Autoren beratend zur Seite

Autoren dieses Buches sind die Menschen vor Ort, für den Seehäuser Band beispielsweise gab es 80 Schreibende. Weil es nicht immer leicht ist, Gedanken in Worte zu fassen, steht denjenigen, die ihre Geschichten preisgeben, ein Lektor zur Seite. Im Falle des vierten Bandes über das Elbe-Havel-Land konnte der Kulturförderverein die Sydowerin Bärbel Conrad gewinnen. Sie ist bis 2003 diplomierte Deutschlehrerin gewesen, leitete bis 1993 die Wuster Schule und hat selbst Freude an Geschichtlichem und an Literatur. "Deshalb habe ich auch gern zugesagt, das Projekt zu unterstützen", erzählt sie im Volksstimme-Gespräch.

Dr. Haacker hat bereits Kontakt zu den Bürgermeistern der sechs Gemeinden im Elbe-Havel-Land aufgenommen. In den kommenden Wochen wird es Termine geben, in denen er und Bärbel Conrad vor Ort mit möglichen Autoren und Chronisten zusammenkommen. Den Auftakt bildet noch im Mai die Gemeinde Wust. Außerdem wird es noch eine Präsentation des Buch-Exposés vor dem Verbandsgemeinderat geben, um dessen Hinweise aufzunehmen und dessen Votum als Grundlage der anspruchsvollen, gemeinsamen Arbeit einzuholen.

300 Seiten soll das Heimatbuch umfassen - nicht nur Geschriebenes, sondern auch alte Bilder. Jeder Ort findet Erwähnung, auch die kleinen Ortsteile werden nicht vergessen. "Über die Wuster Siedlung beispielsweise, die es seit 1936 gibt, können die Bewohner sicher vieles erzählen. Überhaupt gibt es in unserer Region viele Menschen, die hier eine neue Heimat gefunden haben beziehungsweise flüchteten und wiederkehrten", begründet Bärbel Conrad den Untertitel "Alte - neue Heimat" für den vierten Band.

Bis zur Buga soll das 300 Seiten starke Buch fertig sein

Für einen ersten Überblick über die Geschichten aus der jeweiligen Gemeinde bekommt der Leser eine Darstellung zur geografischen Lage, zur Einwohnerzahl, den Sehenswürdigkeiten und historischen Besonderheiten. Dann folgenden die Geschichten der jeweiligen Autoren.

Knapp zwei Jahre Zeit will sich der Kulturförderverein nehmen, bis das Buch fertig ist, "wir haben uns das Buga-Jahr 2015 als Ziel gesetzt". Nicht nur die Menschen, die hier leben, sollen sich daran erfreuen, sondern auch ehemalige Bewohner und Besucher des Elbe-Havel-Landes, die somit ein Stück Heimatgeschichte im Bücherregal zu stehen haben.