Maskennäherinnen

Ein erfrischendes Dankeschön

Sie gehörten zu den Ersten, die zu Beginn der Corona-Pandemie Mund-Nasen-Schutz in Havelberg nähten. Jetzt gab es ein Dankeschön.

Von Andrea Schröder

Havelberg l Christina Friedl war von Anfang an davon überzeugt, dass Alltagsmasken zum Schutz vor dem Coronavirus beitragen können. Deshalb setzte sich die Apothekerin an einem Wochenende im März zu Hause in Nitzow an ihre Nähmaschine und fertigte Masken an. Gleich am Montag rief sie mit ihrem Mann Gerald Friedl – beide betreiben in Havelberg die Havel-Apotheke – zum Nähen auf, denn für Mund-Nasen-Schutz gab es zu diesem Zeitpunkt deutschlandweit einen Engpass. Dabei dachte sie zum Beispiel an Mitarbeiterinnen des einstigen VEB Oberbekleidung in Havelberg, die bestimmt noch Nähmaschinen zu Hause zu stehen haben.

Die Resonanz war riesig. Zeitweise nähten fast 30 Frauen Masken. In verschiedensten Stoffen, Farben und Mustern. Für Erwachsene und für Kinder. Die Nachfrage war groß. „Manchmal fühlten wir uns ein bisschen wie im Modegeschäft“, berichtet Gerald Friedl von Fragen wie: Welche Farbe hätten Sie denn gern? Obwohl die Masken vor allem am Anfang wegen der großen Nachfrage nur pro Person im Haushalt abgegeben wurden, waren sie stets schnell verkauft. Für den Selbstkostenpreis von fünf Euro für die Näherinnen, plus 95 Cent Mehrwertsteuer.

Geld, das die Näherinnen nicht wollten, wanderte in den Spendentopf. Der ist nun mit einer vierstelligen Summe sehr gut gefüllt, freuen sich Friedls. Ein Teil der Summe wird für den Kirchturmbau in Sandau gespendet. Ansonsten sollen Einrichtungen in Haveberg bedacht werden. „Wir wollen mit der Stadt darüber sprechen, wo die Spenden hingehen könnten“, kündigt Gerald Friedl an.

Einen ganz kleinen Teil der Spenden nutzte das Apothekerpaar, um den Näherinnen Dankeschön zu sagen. Sie spendierten am Bilderbuchcafé ein Eis. 15 Frauen folgten der Einladung. Manche wohnen auswärts, konnten nicht teilnehmen. Von Tangerhütte im Süden bis Pritzwalk im Norden kam Hilfe. Ihnen, sowie den Spendern, die Stoffe und Gummi zur Verfügung stellten, gilt ebenso ein großes Dankeschön für die Unterstützung, sagt Christina Friedl.

„Die Nachfrage ist schon noch da, aber es wird jetzt ruhiger“, berichtet Gerald Friedl. Das war zu Beginn ganz anders, vor allem, als die Maskenpflicht kam. Gerade eingetroffene Masken waren schnell wieder weg. Constance Lamprecht berichtet zum Beispiel, dass sie an einem Sonnabend 20 Masken brachte, die sie genäht hatte. „Während ich noch in der Apotheke stand, waren sie schon verkauft.“ So wie sie arbeitete auch Heike Krauß einst im VEB Oberbekleidung Havelberg. „Den Gedanken, Masken zu nähen, hatte ich schon gefasst. Als ich in der Volksstimme von der Aktion las, habe ich sofort angefangen.“ Auch ihre Cousine in Potsdam machte mit. So mancher Stoff, aus dem früher Mädchenbekleidung entstanden ist, dient nun als Mund-Nasen-Schutz. Mit 150 Masken hat die Havelbergerin zu der Aktion beigetragen.

Ingrid Dreisow hat von der Pike auf im Bekleidungswerk gearbeitet. „1956 gehörte ich zu den ersten Lehrlingen. Bis Anfang der 1990er Jahre war ich dort tätig“, berichtet sie. Und auch: „Die alten Nähmaschinen waren viel besser zu handhaben. Mit den neuen muss man jeden Schritt einzeln machen. Trotzdem hat mir das Maskennähen Spaß gemacht.“

Die Sandauerin Sigrid Hellwig hat 500 Masken genäht. Nicht nur für die Aktion in Havelberg, sondern auch für Familie, Freunde und Bekannte bis nach Bayern und für das Pflegeheim im Elbestädtchen. „Erstaunlich war, wie schnell die Preise für Gummiband in die Höhe geschnellt sind“, erzählt die Sandauerin, die aktiv im Kirchturm-Förderverein ist.

„Ich war an zwei Nähmaschinen tätig“, erzählt Helga Gießmann. „Die eine hat den Stoff gut bezickelt, die andere näht schön gerade.“ Auch sie hat viel für andere genäht. „Als es losging mit Corona habe ich auch mancher Verkäuferin eine Maske geschenkt.“ Normalerweise ist die Sandauerin jetzt hobbymäßig mit Handarbeiten für das Kartoffelfest in Garz und den Weihnachtsmarkt in Havelberg beschäftigt. Ersteres ist bereits abgesagt. „Ich hoffe, dass wenigstens die Weihnachtsmärkte stattfinden können.“ Mit zur Runde beim Eisessen gehört auch Gisela Brunner. Aus ihrer Zeit, als sie an der Berufsschule unterrichtete, hatte sie noch eine große Rolle Gummiband aus einem Fabrikverkauf, die nun zum Einsatz gekommen ist. Als Rentnerin gibt die Nitzowerin Nähmaschinenkurse an der Volkshochschule.

Bei den Stoffen gab es eine große Auswahl. Von Bettwäsche über Leinen bis hin zu Herrenhemden. Auch gewerbsmäßige Stoffreste von der Rolle wurden gespendet. Gut geeignet waren Gardinenmuster, aus denen sich ein oder zwei Masken fertigen ließen. „Wir haben sogar blau-weiß karierte Bettwäsche der früheren NVA erhalten. Da ist noch der Stempel drauf“, berichtet Christina Friedl. Sie erzählt von einer Mutti mit Kind, die ihren Job auf 450-Euro-Basis wegen Corona nicht mehr ausüben durfte und froh war, sich mit den Masken ein paar Euro dazu zu verdienen. Ein weiterer Aspekt dafür, dass mit dieser Aktion vielen geholfen werden konnte.