Schauspieler und Regisseur müssen sich gedulden

Eine Freundschaft zwischen Wust und New York

Von Anke Schleusner-Reinfeldt
Enrico Reumann mit Arthur Shettle „im Arm“. Die Verbindung in die USA läuft dank moderner Technik problemlos, so dass die beiden Freunde auch in Kontakt bleiben, wenn sie sich nicht wie gewohnt einmal pro Jahr sehen können.
Enrico Reumann mit Arthur Shettle „im Arm“. Die Verbindung in die USA läuft dank moderner Technik problemlos, so dass die beiden Freunde auch in Kontakt bleiben, wenn sie sich nicht wie gewohnt einmal pro Jahr sehen können. Foto: Anke Schleusner-Reinfeldt

Wust

Sie hatten sich im Frühling 2020 damit getröstet: „Nächstes Jahr holen wir alles nach!“ Aber daraus wird nichts. Mit der Absage auch der Wuster Sommerschule 2021 müssen sich wie alle anderen Schüler und Dozenten auch die Theaterleute noch länger gedulden, bis sie wieder auf den Brettern stehen, die für sie die kleine Welt bedeuten.

Theater und Konzert zum Jubiläum

Wie gut, dass es moderne Technik gibt! Die macht es möglich, dass Regisseur Arthur Shettle in Amerika und Hobbyschauspieler Enrico Reumann in Wust sich auch über die Kontinente hinweg sehen und miteinander plaudern können – und vor allem in Erinnerungen schwelgen. Bilder von 29 Sommerschultheatern tanzen durch die Köpfe, fast klingt der tosende Applaus in der Theaterbaracke noch in den Ohren. Mit „Pygmalion“ und Einlagen aus „My fair Lady“ als Hommage an die allererste Aufführung 1992 sollte die 30. Jubiläums-Sommerschule 2020 gekrönt werden. Nun muss man sich also zwei Jahre gedulden, bis sich der Vorhang hebt. „Schade!“ bedauern sowohl Enrico Reumann aus Wust, der von Anfang an als Darsteller auf der Bühne steht, als auch Regisseur Arthur Shettle, der in vielen Jahren Regie führte. Enrico Reumann weiß schon jetzt, wie das wird im Juli/August, wenn eigentlich höchstes Sommerschul-Fieber herrschen würde: „Man bringt den Tag irgendwie rum. Aber es fehlt einfach was. Das Adrenalin auf der Bühne, die Proben…“

Arthur Shettle und seiner Familie geht es genauso. „Ich, meine Frau Sheila und auch unsere drei Jungs vermissen Wust so sehr!“ Vor einem Jahr, als Corona vor allem auch in ihrer Heimatstadt New York grassierte, sind Shettles aufs Land geflüchtet – in Maine nördlich der Hauptstadt haben sie ein Landhaus. Von hier aus kann Sheila für „Ärzte ohne Grenzen“ im Homeoffice arbeiten, während Arthur sich um die drei Söhne Piet (12), Fritz (7) und Luis (4) kümmert und sie beim Homeschooling unterstützt.

Rückkehr nach New York

„Es geht jetzt endlich zurück in unsere New Yorker Wohnung“, erzählt er am Video-Telefon. Sheila ist bereits vollständig gegen Corona geimpft, er bekommt dieser Tage die zweite Dosis. „Glücklicherweise entspannt sich die Lage dank der Impfung endlich“, ist der Amerikaner erleichtert, möglichst bald wieder in seinem Beruf als Regisseur arbeiten zu können. Denn nach und nach öffnen Theater und Musikclubs in den USA wieder.Theater und eingroßes KonzertIn der Zeit ohne Aufträge hat er weiter an den Plänen für Wust gefeilt. Denn zusätzlich zum Theater soll es anlässlich des Jubiläums ein großes Open-Air-Konzert geben. Lieder aus den Jahren seit 1991, die zu dieser Zeit populär waren und auch den Zeitgeist widerspiegeln, sollen zu hören sein. Dozenten auch der vergangenen Jahre und eine eigens dafür zusammengestellte Hausband, in der Arthur Shettle selbst mitwirkt, werden diese Idee umsetzen, „das wird großartig“, ist der New Yorker schon voller Vorfreude. Mit Nigel Caplan als Sprachleiter und auch Bodo Strecke, der seit 1991 als Techniker zum Theater-Dreamteam gehört, hat er diese Pläne schon besprochen – auch sie sind Feuer und Flamme.

Aber alle müssen sich nun in Geduld üben, vorläufig muss ihnen das Beisammensein vor dem Computer und am Telefon genügen, bis der tosende Applaus in der Baracke wieder Realität wird.