Elbe-Havel-Land l Der Anordnung des Landesschulamtes und des Bildungsministeriums will man nicht folgen. „Wir müssen über unsere Kinder entscheiden, nicht das Landesschulamt! Es ist kein Platz für Experimente!“ Klaus Wittmüß bestärkte mit leidenschaftlichen Worten die Diskussion am Montagabend im Rat der Verbandsgemeinde. Zuvor waren die Eltern noch einmal zu ihrer Meinung befragt worden. Fazit: Wenn, dann alle!

Nach der letzten Sitzung in der Vorwoche, wo Thomas Thunemann vom Landesschulamt den Werdegang bei der Änderung des Schuleinzugsbereiches erklärt hatte, hieß es, dass nur die Wuster Erstklässler und die dann in den kommenden Jahren Folgenden nach Klietz dürfen, die Älteren müssen entsprechend der bestehenden Schulentwicklungsplanung an die Schönhauser Schule. So sind die im Land Sachsen-Anhalt geltenden Vorschriften.

Alle sollen beisammen bleiben

„Wenn unsere Schule schon geschlossen wird, möchten wir zumindest, dass die Kinder beisammen bleiben“, erklärt stellvertretend für die Wuster Eltern Anja Meyer. Und für ein Beisammenbleiben von über 30 Kindern wird Platz gebraucht, der in Schönhausen äußerst knapp wäre. „Deshalb denken wir, dass unsere Kinder in Klietz mit einem großen Schulgebäude besser aufgehoben sind. Wir freuen uns, dass sich der Rat der Verbandsgemeinde so eindeutig hinter uns stellt.“ 15 von 16 Ratsmitgliedern hatten für diesen Beschluss gestimmt: „Der Verbandsrat beschließt, dass die Ortsteile Wust, Wuster Damm, Siedlung, Briest, Sydow und Melkow aus dem Schulbezirk der Grundschule Schönhausen herausgelöst und dem Schulbezirk Klietz zugeordnet werden... Alle Kinder werden ab dem Schuljahr 2018/19 in Klietz unterrichtet.“

Das Schulamt entscheidet

Dass er für diesen Beschluss auch die Mehrheit des am 31. Mai tagenden Kreistages gewinnen könnte, erklärte Denis Gruber als 1. Beigeordneter des Landrates. Der Beschluss geht an das Landesschulamt. „Diese Entscheidung liegt dann nicht mehr in unseren Händen. Wir müssen sehen, wie das Amt damit umgeht.“

Sollte es dem Willen der Eltern und den Beschlüssen von Verbandsgemeinde und Kreistag nicht folgen, müssen alle Kinder ab dem neuen Schuljahr in Schönhausen lernen. Auch die Erstklässler. Ab 2020 gibt es dann einen neuen Schulentwicklungsplan, für den die Einzugsbereiche geändert werden können.

„Der Elternwille ist nachvollziehbar und ich unterstütze ihn. Aber uns muss klar sein, dass das Ganze nach hinten los gehen könnte und dann nicht einmal die Erstklässler in Klietz lernen dürfen“, gab Silvio Wulfänger zu bedenken. Auch das ist den Eltern klar. Doch für sie ist am wichtigsten, dass die Kinder in der Gemeinschaft beisammen bleiben. Sie hoffen, dass das Landesschulamt ihrem Wunsch nachkommt.

Kaum Zeit zum reagieren

Schließlich ist es auch das Amt, das die äußerst kurzfristige Schließung der Wuster Schule anordnet, obwohl die Zusage selbst vom Bildungsminister gelautet hatte, „bis die baulichen Voraussetzungen in Schönhausen geschaffen sind“. Das sind sie nicht. Nach der Hiobsbotschaft Ende März blieb der Verbandsgemeinde nur ganz wenig Zeit, um auf die Anordnung der Schulschließung zu reagieren.

Alle hoffen auf eine schnellstmögliche Zusage zum Beschluss im Juni, damit endlich wieder Ruhe einzieht und vor Ferienbeginn feststeht, wohin der Bus die Wuster ab 9. August bringt.