Havelberg l  Vier Wochen lang hat Khalil Akbari den Alltag auf deutschen Baustellen kennengelernt. Ein Havelberger Bauunternehmen gab ihm die Möglichkeit für ein Betriebspraktikum. Stets pünktlich kam der 32-Jährige frühmorgens zur Arbeit, um mit seinen Kollegen auf Zeit auf die Baustellen zu fahren, hat sich gut verstanden mit ihnen und gezeigt, dass er sich auskennt im Bauberuf. „Wir konnten erkennen, dass er jahrelang auf dem Bau gearbeitet hat. Er hat handwerkliche Fähigkeiten und wir haben ihn gezielt im Bewehrungsbau eingesetzt“, erzählt der Firmenchef.

Das Betriebspraktikum war Teil einer von der Agentur für Arbeit geförderten Maßnahme zur „Eignungsfeststellung aktiv“, die Khalil beim Bildungsverbund Handwerk Altmark (BVH) über den Zeitraum von drei Monaten absolviert hat. Kurz vor Abschluss der Maßnahme informierten sich auch Vermittlerin Sabine Müller und Anika Pieper von der Arbeitsagentur, wie sie verlaufen ist.

Bernhard Maslow und Uta Behr vom Bildungsverbund berichteten von den positiven Erfahrungen. Mit dabei auch Brigitte Strugalla-Voltz, die den Deutschunterricht übernommen hat. Sie hatte bereits im Frühjahr, kurz nachdem Akbaris und eine weitere afghanische Familie in Havelberg angekommen waren, ehrenamtlich Deutsch gelehrt. Mit Khalil konnte sie dies nun dank der Maßnahme intensiver vornehmen. „Er ist unglaublich zielgerichtet und zeigt großen Elan. Khalil, der aus einem Gebirgsdorf am Hindukusch stammt, will sehr viel wissen“, berichtet sie. Froh ist sie, dass auch seine Frau Marsiya öfter beim Bildungsverbund vorbeischaut. Sie hofft, ebenfalls Deutschunterricht über eine Maßnahme zu erhalten. Die 27-Jährige würde die nächsten Wochen gern dafür nutzen und freut sich schon auf ein Praktikum in einer Havelberger Kita, das ihr die Stadt ermöglicht.

Flucht in den Iran

Das junge Paar hatte sich kennen- und liebengelernt und war von Afghanistan aus in den Iran geflüchtet, weil ihre Liebe nicht sein durfte. Sieben Jahre lebten sie im Iran, ihre Kinder Mahdiya und Mahnas, fünf und sechs Jahre alt, wurden dort geboren. Zurück in ihre Heimat können sie nicht. Ihre Kinder gelten dort als Bastarde. Sie gehören der Volksgruppe der Hazara an und haben zum christlichen Glauben gefunden. Khalils Bruder, der inzwischen in Frankreich lebt, hatte in Kabul in einem christlichen Haus von Engländern den Glauben kennengelernt. Noch hoffen Akbaris auf ihre Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland.

Uta Behr, Standortleiterin des Bildungsverbundes Handwerk, kennt ähnliche Situationen von anderen Flüchtlingen, die in den vergangenen Monaten beim BVA in Stendal und Osterburg solche Maßnahmen absolviert haben. „Wichtig ist, dass die Kette der Eingliederungsmaßnahmen nicht unterbrochen wird.“ Das ist auch das Ziel für Khalil Akbari. Gern würde er eine Maurerlehre beginnen. Sein Praktikumsbetrieb hat die Möglichkeit dafür in Aussicht gestellt. Wichtig ist die Klärung der rechtlichen Dinge für den Status als anerkannter Flüchtling. Auch die Arbeitsagentur ist bereit, ihn weiter zu unterstützen.

„Wir konnten schon gemeinsam erste Schritte zur Eingliederung gehen, aber es liegt noch ein weiter Weg vor uns“, macht Bernhard Maslow deutlich, dass es noch viel zu tun gibt. Dabei stehen die Mitarbeiter des BVH der jungen Familie hilfreich zur Seite, auch wenn es zum Beispiel um Fragen mit Ämtern oder um Arztbesuche geht. „Das ist hier alles wie ein Wunder für mich“, sagt Khalil Akbari und bedankt sich für die große Unterstützung, die er und seine Familie seit der Ankunft in Havelberg bekommen hat.