Kabelitz l Es ist bereits die zweite Tafel an der Wand der Kirche in Kabelitz, welche an eine Hochwasserkatastrophe erinnert. Die erste gemahnt an den 6. November 1596, als ebenfalls ein Deich gebrochen und das Wasser „auf dis Dorff geschlagen“ war. Die Inschrift der neuen Tafel lautet: „In Gedenken an die Flut vom 10. Juni 2013“.

Kirchenältester Willi Heinemann erinnerte zu Beginn des Gottesdienstes am Sonntag noch einmal an die bewegte Zeit um den 10. Juni 2013, als in Fischbeck um Mitternacht der Deich brach. Der Graben, welcher durch Kabelitz führt, war auf drei Meter angeschwollen, die Anrainergrundstücke versanken in den Fluten. Bei den höher gelegenen Häusern im Dorfkern liefen die Keller und Höfe voll, sogar Teile vom Friedhof standen unter Wasser, nur wenige Zentimeter fehlten dem Wasser bis zur Kirche.

Von den Schäden seien viele schon beseitigt, aber noch nicht alle, berichtete Willi Heinemann. Drei geflutete Häuser mussten abgerissen und neu aufgebaut werden, sie sind inzwischen alle bezogen, informierte er im Anschluss auf Nachfrage. Fertig ist auch die Brücke am Ortsausgang mitsamt der nach Fischbeck führenden Straße sowie die Ausfahrt zur B 188. Die beiden kleinen Weiher im Ort sollen noch entschlammt werden. Der Kirchenälteste hoffte zudem, dass nie wieder solch eine Tafel angebracht werden muss.

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Der Gottesdienst wurde vom Pfarrer i. R. Christoph Jäschke aus dem bayrischen Erlangen gefeiert, er vertritt als Mitglied der Jerichower Zehntgemeinschaft die im Urlaub befindliche Pastorin. Er erinnerte in seiner Predigt unter anderem an das Dorf Heydebleck, was sich einst an der Elbe in der Nähe von Klietznick befunden hatte. Immer wieder war es überschwemmt worden, weshalb die Bewohner 1791 beschlossen, den Ort aufzugeben und sich in Klietznick anzusiedeln. Dort erinnert heute der Name des Dorfgemeinschaftshauses an diese Wüstung.

Im Kabelitzer Gotteshaus hatten sich etwa 30 Gläubige eingefunden. Hier gibt es eine schöne Tradition: Jeder bringt eine Blume mit, mit welcher die Kirche dekoriert wird. Nach dem Gottesdienst werden die Blumen umgesetzt: Sie zieren dann das Soldatengrab.

Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von der Tangermünder Sängerin Michele Wiest, welche auch den Gospelchor in Jerichow leitet. Ihr Mann Georg begleitet sie am E-Piano. Als Zugabe erklang zum Abschluss „Sei stille dem Herrn“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Im Anschluss saßen die Kirchgänger noch bei Kaffee und Kuchen zusammen.

Caritas bezahlte neue Kabelitzer Fluttafel

Restaurator Tom Zimmermann aus Potsdam hatte nicht nur die neue Fluttafel nach den Vorgaben der Kabelitzer an die Kirchenwand gezeichnet, welche sich im Aussehen stark an der Vorgängertafel orientierte. Der Potsdamer hatte auch die alte Inschrift auf der anderen Tafel restauriert – diese kann allerdings nicht komplett gedeutet werden. Bezahlt wurde alles von der katholischen Caritas.